Eine junge Frau betrachtet sich interessiert ein Wandgemälde von Tardor Roselló in Dénias Park Torrecremada.
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Dieses Wandgemälde von Tardor Roselló zählt zu den weltweit 100 besten Werken.

Street-Art in Spanien

Geschichten an der Hausfassade - Graffitis erobern Spaniens Dörfer

  • Andrea Beckmann
    VonAndrea Beckmann
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Metropolen wie Barcelona oder Madrid waren die Vorreiter. Jetzt erobern Wandmalereien auch immer mehr kleinere Orte. Einer, der sich anschickt, international Karriere zu machen, ist der valencianische Graffiti-Künstler Tardor Roselló aus Dénia.

Ihre Kunst bringen sie auf Wände, indem sie sprayen, malen, ritzen und installieren. Die Auswahl an Techniken ist so vielfältig wie die Motive. Aus unansehnlichen Mauern, öden Hausfassaden oder grauen Portalen werden durch ihr Einwirken farbenreiche Kunstwerke. Street-Art-Künstler, die in Spanien als muralistas, Wandmaler, bezeichnet werden, verstehen sich als Überbringer politischer und sozialkritischer Botschaften, die sie einfach verständlich, aber plakativ und meist humorvoll präsentieren. Die Wurzeln vieler Street-Art-Akteure liegen auch an der Costa Blanca in der Musikszene: vor allem im Graffiti des Hip-Hop oder des Rap. Ihre Werke sind nicht nur in Spaniens Metropolen zu sehen - sondern auch in immer mehr Dörfern.

Dénia Spanien
Autonome GemeinschaftValencia
ProvinzAlicante
LandkreisMarina Alta
Fläche 66,2 km2
Einwohner42.166 (1.1.2019)

Costa Blanca: Graffiti erobern Dörfer - Tardor Roselló aus Dénia

Dazu zählt auch der aus Dénia stammende Spanier Tardor Roselló (25) der gute Chancen hat, weltweit Karriere zu machen. „Ich habe schon immer gerne gezeichnet“, erzählt Roselló. „Mit 16 Jahren, damals war ich in der Hip-Hop-Szene zu Hause, probierte ich mich mit der Gestaltung von Buchstaben, also Graffiti, aus.“ Sehr bald habe er gewusst, dass er sich auf einen künstlerischen Weg begeben wollte. „Das Design von Buchstaben war mir aber bald langweilig, das habe ich nur kurze Zeit gemacht“, sagt der Dénianer, dessen Werke immer mehr Städte und Orte erobern. Schon sehr bald habe er sich auf muralismo, Wandmalerei, konzentriert.

In seiner Heimatregion Valencia kommt man an seinen mit Tardor signierten Werken längst nicht mehr vorbei. Mit seinen riesigen Gemälden, die auch mal wie in Ondaras Flussbett bis zu 50 Meter lang werden können, ist der Spanier in Orten wie Dénia, La Xara, Jesús Pobre, Ondara, Benigembla und l’Alcúdia de Crespins präsent. Hinzu kommen Galicien, León und Madrid, wo er jetzt lebt.

Aber auch im Ausland stößt man auf den Nachwuchskünstler. Etwa in Dresden. Dort hat er ein Gemälde in 3D-Optik geschaffen, das ihm eine Vereinigung vor dem Hintergrund der Problematik der faschistischen Bewegung in Auftrag gab. „Ich habe dort nicht die besten Erfahrung gemacht“, sagt Roselló. Er sei als auf der Straße arbeitender ausländischer Künstler auch Anfeindungen ausgesetzt gewesen. „Aber“, betont er, „ich habe dort auch viel Positives erlebt.“

Street-Art-Künstler wie Tardor aus Dénia sind gefragt. Immer mehr Gemeinden - wie Orihuela mit seinen Wandbilderviertel - fördern die Street-Art-Kunst, oft mit Wettbewerben mit zum Teil konkreten Vorgaben zur Themengestaltung wie etwa zum Tag der Frau oder im Kampf gegen Häusliche Gewalt. Mit ein Grund, warum die Hauptfiguren vieler murales Frauen sind. Auch Unternehmen bedienen sich gerne dieser Kunst. So durfte Roselló mit einem befreundeten Street-Art-Künstler im Auftrag von Play Station in Riad (Saudi Arabien) eine Holzwand in einem Einkaufszentrum gestalten.

Tardor Roselló aus Dénia erzählt mit seinen Wandmalereien gerne Geschichten, indem er Symbole versteckt

„Ich mag es, mit jedem Werk eine Geschichte zu erzählen, indem ich Symbole und Botschaften darin verstecke, die nicht immer sichtbar sind“, sagt Tardor und verrät, dass dieses Symbol in seinen Gemälden eine kleine Eieruhr ist. Die Antwort auf die Frage nach der Botschaft überlässt er dann aber doch lieber der Interpretation des Betrachters.

Sein neuestes Werk, ein Gemälde an einer Mauer des Parks Torrecremada in Dénia mit dem Titel „Fortaleza“ (Stärke) wurde jetzt von der Webseite Street Art Cities als eines der weltweit besten 100 Wandbilder in 2021 aufgelistet. Bis 6. Februar sind User aufgefordert, unter dem Link per Abstimmung daraus den Sieger zu ermitteln. Wer mit abstimmen will, tut das über die Seite von Street Art Cities mit den nominierten Graffiti.

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