Maria Statue mit Rosenkränzen in Spanien.
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Costa Blanca, Küste der Jungfrau: Maria am Golfplatz bei Rojales.

Himmlisches Spanien

Costa Blanca, Küste der Jungfrau: Viele Figuren, eine Maria

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
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In Spanien ist die Jungfrau Maria längst nicht Schnee von gestern, schon gar nicht im Mai. Im Süden der Costa Blanca findet man sie in kuriosen Versionen: Dunkelhäutig, klitzeklein, mit Briefkasten oder als rettendes Schiff.

Alicante - Der Mai ist an der Costa Blanca sonst der Monat der Romerías, rauschender Umzüge für die Gottesmutter Maria. Die Coronavirus-Lage in Spanien erlaubt diese Events an der Küste derzeit nicht. Aber durchaus kleine Begegnungen mit der Jungfrau. An vielen Punkten trifft man ihre Spuren besonders in der südlichen Provinz Alicante, wo unerwartet viele Menschen noch heute auf Maria – in all ihren Facetten und Figuren – bauen.

MariaMutter Jesu
Geboren: 18 v. Chr.
Eltern: Anna, Joachim

Costa Blanca, Küste der Jungfrau: Viele Figuren von Maria im Süden

Viel Zuneigung zur Jungfrau findet man an der Küste in Santa Pola, der Stadt der Fischer. Hier ist die Virgen de Loreto daheim, eigentlich eine italienische Figur der Maria. Über den Umweg Andalusien soll sie durch einen Seemann, der 1643 in Not geraten war, Zuflucht an der Costa Blanca gefunden haben. In der hübschen Kapelle, die man über den Hof der Burg erreicht, weilt die Loreto-Jungfrau nun. Viele kleine Alltagswunder sprechen ihr die Einheimischen von Santa Pola zu. „Als ich ihr meinen Wunsch nach Familie anvertraute, fiel mir meine Frau vom Himmel“, erzählte uns ein Ortspolizist.

Elche, die Palmenstadt der Costa Blanca, dagegen schätzt die Virgen de la Asunción hoch. Vor 800 Jahren soll ein Reiter die Figur am Strand gefunden haben. Laut Legende lag sie an der Küste in einer Kiste neben den Texten des „Misteri d´Elx“, eines Weltkulturerbe-Theaterstücks über die Himmelfahrt (Asunción) der Maria. Die Stätte dieser Patronin ist heute der Altar der Basilika, wo das „Misteri“ im August aufgeführt wird. Aber ansonsten findet man die Jungfrau an allen Ecken der Stadt, etwa als pfiffige moderne Version aus Bronzescheiben, die am Eingang des städtischen Palmenparks wacht.

Costa Blanca, Küste der Jungfrau: Maria in Bronzescheiben am Eingang zum Stadtpark in Elche.

Costa Blanca, Küste der Jungfrau: Maria mit Locken oder dunkler Haut?

Einen besonderen Marienkult hat weiter im Süden der Küste der Ort Rojales. Mehrere Legenden über Begegnungen und Wunder mit Maria erzählen Gemälde am Flussufer im historischen Ortskern. Als Patronin verehrt wird in Rojales die Jungfrau vom Rosenkranz, Spanisch Virgen del Rosario. Eine kuriose Station findet man dagegen bei den Urbanisationen von Rojels. Am Golfplatz La Marquesa steht von Ferienhäusern umgeben eine Art Open-Air-Kapelle für die Virgen de Medjugorje. Ausgestattet ist die Stätte sogar mit einem Briefkasten.

Wissenswertes und Kurioses zur Jungfrau Maria und Spanien:

Praktisch an jedem Ort der Costa Blanca findet man eine Figur der Jungfrau und eine Legende dazu. Der ländliche Vorort Campo de Guardamar etwa schätzt eine Virgen mit arabischem Namen: Fátima, die Patronin des bekannten Pilgerorts in Portugal. Für die Kreishauptstadt Orihuela dagegen ist die dunkelhäutige Virgen de Monserrate (verwandt mit Montserrat in Katalonien?) die Patronin. Eine lockige „Jungfrau vom Schnee“ teilen sich Aspe und Hondón de las Nieves. Das kleinste Madönnchen der Küste findet man auf der schönen Autostrecke im Kloster in Orito. So viele Versionen von ihr – aber wer ist diese Maria?

Costa Blanca, Küste der Jungfrau: Fischerboot „Nuestra Madre de Loreto“ rettete Menschen in Not

Costa Blanca, Küste der Jungfrau: Wie ein Fischerboot in der Not

In der Kirchengeschichte wurde die Jungfrau Maria mit verschiedensten Attributen belegt“, erklärt Jesús Alcantarilla, ein Katechet von der Costa Blanca. „Das ist auch okay so, als Ausdruck der Volksfrömmigkeit.“ Im Kern jedoch sei Maria „eine bescheidene Frau“ gewesen, die sich zu irdischen Lebzeiten „vielen Widrigkeiten“ stellen musste. „Denken wir an ihre ärmlichen Bedingungen, das uneheliche Kind, oder an die Verfolgungen.“ Daher locke die Jungfrau noch heute Menschen, die - ob mehr oder weniger fromm - allerlei Probleme auf dem Herzen haben, an.

Ein vielleicht besonders zeitgemäßes Bild der Jungfrau finden wir an der Costa Blanca wieder in Santa Pola. Keine Figur diesmal, sondern ein Fischerboot, das in der Hafenstadt zu Hause ist. Vor zwei Jahren machte es damit international Furore, dass es zwölf afrikanische Migranten vor dem Ertrinken im Meer rettete und an die sichere Küste brachte. Der Name des Schiffes: Nuestra Madre de Loreto, Unsere Mutter von Loreto. Also der Name der Ortspatronin, an die sich nicht wenige in der Stadt wenden, wenn sie im Meer ihrer Sorgen ertrinken.

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