Der Chef und das Chamäleon

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Als „Clever & Smart“ mit teils sinnlosesten Übersetzungen feierten Mortadelo y Filemón in den 70ern bis 90ern auf Deutsch Erfolge. Fotos: Ángel García/Archiv

Spanien – sw. Wenn Historiker irgendwann bestimmen wollen, wann Spanien in die Finanzkrise geriet, werden sie auf eine zuverlässige Quelle zurückgreifen können: Den Comic-Band 130 von Mortadelo y Filemón. Als das Abenteuer zur Krise, „Por Isis, llegó la crisis“, just vor zehn Jahren herauskam, was Spanien zwar längst im Sog der geplatzten Baublase – aber Präsident Zapatero noch eifrig dabei, jede Art von Krise zu verneinen.
Nicht nur, weil der Comic diese tragikomische Episode der Realität erwähnt, ist der Band ein zeitgeschichtliches Dokument Spaniens. Und von solchen hat Francisco Ibáñez, Zeichner der Serie um das trottelige Agentenduo, das man in Deutschland als „Clever & Smart“ kennt, mittlerweile zu Genüge produziert. Ob große Dramen (den 11. September von New York prophezeite Ibáñez’ Comic schon 1992) oder Sportturniere wie dieses Jahr die Basketball-WM – so gut wie kein Gesprächsthema lässt die irre Welt Mortadelos y Filemóns aus.
Dass es die zwei Helden überhaupt gibt, hat mit einer persönlichen Krise zu tun, die ihr damals 22-Jähriger Schöpfer aus Barcelona erlebte. Als Bankangestellter brachte er nämlich so gar nichts zustande – etwa wie Mortadelo und Filemón bei ihren Ermittlungen.
Nach einem Jahr war Ibáñez arbeitslos – und widmete sich dem, was er am liebsten tat: zeichnen. Dass kein Rubens aus ihm wurde, lag an der Zensur der Diktatur, erklärte er mal. Daher habe er sich lieber dem Humor gewidmet, in den man so vieles lustig verpacken kann. In der Zeitschrift „El Pulgarcito“ betraten Mortadelo y Filemón 1958 erstmals die Bühne: Eine schwarzweiße Parodie von Sherlock Holmes und Dr. Watson – inklusive Melone, Schirm und Pfeife.

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