Gemälde, das einen sitzenden Mann zeigt.
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Eberhard Schlotter, wie er Eberhard Schlotter sah: Selbstporträt aus dem Jahr 2010, entstanden in Altea.

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Zum 100. Geburtstag von Eberhard Schlotter: Altea erinnert an deutschen Künstler

  • Judith Finsterbusch
    vonJudith Finsterbusch
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Am 3. Juni wäre der Maler und Grafiker Eberhard Schlotter 100 Jahre alt geworden. Seine zweite Heimat Altea erinnert mit einer Ausstellung an den deutschen Künstler.

Altea - Er malte, druckte, zeichnete und schrieb. Er diskutierte über Politik und Gesellschaft, stets umgeben von interessanten Menschen. Er schuf und schuf und schuf, brachte seinen Blick auf die Dinge, seine Ideen und Gedanken auf Leinwand – erst in Deutschland, ab 1956 dann in Altea an der Costa Blanca. Eberhard Schlotter war ein Ausnahmekünstler, so talentiert, so vielseitig, so schwer festzunageln. Am 3. Juni wäre der Deutsche, der viele Jahre in Spanien lebte, 100 Jahre alt geworden. Seine zweite Heimat Altea läutet deshalb ab Juni das Schlotter-Jahr ein.

Eberhard SchlotterMaler und Grafiker
Geboren3. Juni 1921, Hildesheim, Deutschland
Gestorben8. September 2014, Altea

Ausstellung zum 100. Geburtstag in Altea: Künstler Eberhard Schlotter auf drei Etagen

Die Fundación Eberhard Schlotter zeigt ab 8. Juni im Stiftungshaus am Eingang zu Alteas berühmter Altstadt auf allen drei Etagen Werke des deutschen Künstlers. Kommissarin ist Eberhard Schlotters Tochter Sibylle Schorlemmer, die vor der fast unmöglichen Aufgabe stand, das künstlerische Erbe ihres 2014 in Spanien verstorbenen Vaters in einer einzigen Ausstellung zusammenzufassen. Allein im Besitz der Stiftung an der Costa Blanca befinden sich mehr als 1.200 Werke, Radierungen, Ölbilder, Aquarelle, weitere verwaltet die Stiftung in Celle.

60 Werke hat Schorlemmer schließlich für die Ausstellung in Altea ausgewählt, ein Rundgang durch Eberhard Schlotters Leben und Schaffen. „Es gibt verschiedene Formate, Stilrichtungen und Techniken. Manche Werke wurden noch nie ausgestellt, andere – die bekanntesten – wiederholen sich“, sagt Schorlemmer. Im Erdgeschoss zeigt sie zum 100. Geburtstag ihres Vaters das erste Ölbild, die erste Radierung und die erste Zeichnung des Künstlers, die im Elternhaus in Hildesheim entstanden, als Eberhard Schlotter gerade einmal elf, zwölf Jahre alt war. Dazu kommen Werke ab den 30er Jahren aus Deutschland.

Eberhard Schlotter in Altea: Maler und Grafiker brachte Künstler an die Costa Blanca

Die erste Etage beginnt mit den 60er Jahren, als Familie Schlotter schon nach Altea umgesiedelt war, das Obergeschoss ist den letzten Schaffensjahren des Künstlers gewidmet. „Mein Vater hat bis kurz vor seinem Tod am 8. September 2014 in Spanien gearbeitet. Zum Schluss schrieb er vor allem oder fertigte kleine Zeichnungen an, weil er es sehr zu seinem Leidwesen nicht mehr in sein Atelier schaffte“, sagt Schorlemmer.

Schlotters Arbeitsplatz befand sich in dem wunderbaren Haus der Familie in Altea, mitten in der Altstadt, aber mit einem großem Garten. Hier entstanden die meisten Werke Schlotters, in der Ruhe der kleinen Stadt an der Costa Blanca, durch die heute täglich Touristen spazieren. In den 50er Jahren war das anders, Eberhard Schlotter war einer der ersten Ausländer, die sich hier niederließen, und einer der ersten Künstler, der weitere anlockte, die sich in das kleine weiße Fischerdorf in Spanien mit seinen einfachen Leuten verliebten - viele Jahre vor dem Rummel um den Kunsthandwerkermarkt auf dem Kirchplatz in Alteas Altstadt.

Vielseitiger Künstler: Eberhard Schlotter experimentierte in Altea

Seine Sichtweise auf Alteas Altstadtgassen hat Eberhard Schlotter ein ums andere Mal auf die Leinwand gebracht, ebenso wie unzählige weitere Motive. Sei es ein Maure von den beliebten Moros-y-Cristianos-Feiern, die überall an der Costa Blanca stattfinden, Landschaften, Gegenstände, Alltagsszenen. „Die Motive waren ebenso vielseitig wie die Techniken und die Stilrichtungen. Mein Vater hatte stets seine Ideen im Kopf. Er sog alles auf, was er sah, verarbeitete es und gab es als Kunst wieder“, sagt Schorlemmer.

Dabei experimentierte Eberhard Schlotter, erfand sich immer wieder neu. In seinen frühen Jahren in Altea begann er etwa, Sand vom Strand in Benidorm oder Calpe in die Ölfarben zu mischen, danach folgte Lasurmalerei. Hier, in Altea, entstanden auch die berühmten Don-Quijote-Radierungen, Schlotters Meisterwerk, sein grafisches Hauptwerk. Manch ein spanischer Kritiker hält sie gar für die besten Quijote-Illustrationen, die jemals angefertigt wurden.

Wichtigste Stütze: Eberhard Schlotters Ehefrau Dorothea

Stets an Eberhard Schlotters Seite: Ehefrau Dorothea. „Meine Mutter war seine größte Stütze und seine größte Kritikerin. Sie war die wichtigste Person in seinem Leben“, sagt Schorlemmer. Als Dorothea Schlotter Anfang der 90er Jahre erkrankte und schließlich 1993 starb, malte ihr Ehemann eine Zeitlang nur noch Gegenstände, bei denen die Hälfte fehlte.

Eberhard Schlotter liebte Altea, das Mittelmeer, Spanien – hier arbeitete er mit deutscher Disziplin und spanischem Tagesablauf. „Mein Vater war keiner dieser Künstler, die bis tief in die Nacht arbeiteten. Er zog sich morgens um 9 Uhr ins Atelier zurück und begann zu arbeiten. Zwischen 13 und 14 Uhr gab es Mittagessen, danach die Siesta und ab 17 Uhr wurde weiter gearbeitet. Abends hat mein Vater dann gelesen oder geschrieben“, sagt Schorlemmer.

Zweite Liebe neben Altea: Eberhard Schlotter und Peru

Mit über 70 Jahren entdeckte Schlotter eine neue Liebe – Peru. Er bereiste das Land mehrfach, blieb mehrere Monate, schloss enge Freundschaft mit einer Familie in Lima, lernte den Archäologen Federico Kaufmann Doig kennen. Natürlich findet sich auch diese neue Liebe in Eberhard Schlotters Werken wieder, es sind bunte Bilder von Alltagsszenen aus Peru.

Der Künstler verfolgte das tägliche Leben in der Welt und genoss es, mit Freunden und Gleichgesinnten zusammen zu sein. „In dem Haus in der Altstadt von Altea war immer etwas los. Es gab viele interessante Gespräche, viele Diskussionen“, so Schorlemmer. Eberhard Schlotter hatte gern interessante Menschen um sich, und so heißt der zweite Teil des Schlotter-Jahres in Altea denn auch „Recordando Eberhard Schlotter“ (Erinnern an Eberhard Schlotter). Dann stellen 36 Künstler aus, Freunde, Zeitgenossen und Kollegen Schlotters.

Ausstellung zum 100. Geburtstag von Eberhard Schlotter

Zu sehen ab 8. Juni.

Fundación Eberhard Schlotter Altea

Carrer Costera dels Matxos, 2

Geöffnet montags bis freitags 11 bis 14 Uhr, dienstags und freitags zusätzlich 18 bis 21 Uhr, samstags 10.30 bis 13.30 Uhr

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