Facetten eines Meisters

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„Meine Eltern haben einfach immer gelesen“: Sibylle Schorlemmer zeigt ein Porträt, das ihr Vater Eberhard Schlotter von seiner Frau Dorothea malte. Fotos: Ángel García

Altea – fin. Es gibt ihn nicht, den einen Eberhard Schlotter. Da sind abstrakte Gemälde, die an Picasso erinnern, Aquarelle mit wunderbaren mediterranen Landschaften, Radierungen mit diesem einzigartigen, intensiven und doch so sanften Schwarz – alles typisch für den großen deutschen Künstler. In der Welt geschätzt, in Deutschland verehrt, in Altea zuletzt vernachlässigt: Fast drei Jahre war das Gebäude der 1995 gegründeten Schlotter-Stiftung in Alteas Altstadt geschlossen, es mangelte an Geld und an Interesse. Jetzt ist es endlich wieder für Besucher, die eine der vielen Facetten des Künstlers entdecken wollen, geöffnet.
Ein Rundgang mit Schlotters Tochter Sibylle Schorlemmer beginnt im Keller des Stiftungsgebäudes. Leere Rahmen lehnen aneinander, die Druckpresse steht imposant in der Mitte des Raumes. Überall stehen und liegen Werke Schlotters, dazu Kataloge von längst gelaufenen Ausstellungen – ein trauriges Bild. „Mein Vater hat unheimlich viel geschaffen“, sagt Schorlemmer mit einer Mischung aus Stolz und Resignation in der Stimme. Sie schätzt, dass allein im Keller der Stiftung 1.000 Radierungen, 60 Ölbilder und nochmal 1.000 Zeichnungen und Aquarelle lagern könnten.

Pionier in Altea
Dazu kommen die Werke aus dem Privatbesitz der Familie und um die 5.000, die der Schlotterstiftung in Celle gehören. Die Kulturabteilung der Bank Caixaltea hat sich vorgenommen, einen Katalog mit allen Werken Schlotters zu erstellen, die der Stiftung in Altea gehören – immerhin ein Anfang. Seit Mitte der 50er Jahre lebte Eberhard Schlotter mit seiner Frau Dorothea und der gemeinsamen Tochter Sibylle in Altea, er gehörte zu den ersten bedeutenden Künstlern, die sich in der Stadt niederließen – zunächst in einem Haus am Cap Negret, später dann in der pittoresken Altstadt.
„Meinem Vater ist es zu verdanken, dass viele Künstler nachkamen, seien es Schriftsteller, Musiker oder Maler. Unser Haus war immer voll und lebendig, das war schon in Darmstadt so und später in Altea dann auch“, erinnert sich Schorlemmer. In Deutschland verkehrte ihr Vater in den höchsten kulturellen Kreisen Europas, um sich dann ausgerechnet in dem Fischerdorf Altea zwischen einfachen Leuten niederzulassen. Vielleicht brauchte er diese Schlichtheit, dieses Bodenständige, um sich auf seine Kunst konzentrieren zu können.

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