Geschichten der Costa Blanca

Flughafen Alicante bald „Miguel Hernández“? Von Spaniens „Tourist der Gefängnisse“

  • vonStefan Wieczorek
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In Alicante soll der Flughafen in „Miguel Hernández“ umbenannt werden. Ganz Spanien kennt den am 30. Oktober 1910 geborenen Poeten, Touristen aus dem Ausland aber kaum.

  • Flughafen Alicante, neuer Name „Miguel Hernández“? In Spanien wird der Poet als Universaldichter verehrt.
  • Miguel Hernández starb als „Tourist der Gefängnisse“, verhaftet vom Franco-Regime, weil er die Republik verteidigte.
  • Am 30. Oktober würde Miguel Hernández 110 Jahre alt werden. Sein Grab in Alicante verbirgt „drei Wunden“.

Alicante - „Nur wer liebt, fliegt. Aber wer liebt so sehr, dass er wie der leichteste ausgebrochene Vogel ist?“, schrieb Miguel Hernández einst im Gedicht „Vuelo“ - „der Flug“. Berühmte Zeilen sind es in Spanien. An der Costa Blanca gibt es kaum jemanden, der nicht von dem Poeten gehört hat. Fast jede Stadt von Alicante bis Torrevieja hat eine Straße oder einen Platz „Miguel Hernández“, seine Heimatstadt Orihuela sogar einen Bahnhof. Doch dem nicht genug: Nun soll der Flughafen Alicante nach dem Dichter, der am 30. Oktober 2020 seinen 110. Geburtstag feiern würde, benannt werden. Eine entsprechende Idee verfolgen mehrere Gemeinden. Touristen nicht aus Spanien wären bei dem neuen Namen jedoch ratlos.

Miguel HernándezSpanischer Dichter und Dramatiker des 20. Jahrhunderts
Geboren30. Oktober 1910, Orihuela
Verstorben28. März 1942, Alicante
EhepartnerinJosefina Manresa (verh. 1937–1942)

Flughafen Alicante bald „Miguel Hernández“? Den Namen bekam der Poet vom Berg

Denn außerhalb von Spanien und Costa Blanca ist Miguel Hernández weitestgehend unbekannt. Allein aus dem Grund, dass Übersetzungen seiner Werke rar gesät sind. Daher erzählt costanachrichten.com die tragische Geschichte des Mannes aus Orihuela, der als „Tourist der Gefängnisse“ in Alicante viel zu jung starb.

Verlassen wir den lyrischen „Flug“ und den Flughafen Alicante zunächst und reisen zum 30. Oktober 1910 nach Orihuela. Es war ein Sonntag, als die ersten Schreie des Jungen ertönten, der in einem Haus in der Altstadt das Licht der Welt erblickte. Drei Tage später ließen ihn die Eltern in der Kathedrale unter dem Namen Miguel tauften. Miguel, wie sein Vater, und wie der Berg San Miguel, den Orihuela, die Stadt am Fluss Segura umringt. Natur und Kultur bekam der kleine Miguel Hernández sogleich in die Wiege gelegt. Als Ziegenhirt setzte ihn sein Vater, ein Viehhändler, ein, schickte ihn jedoch auch früh in die Schule.

Viele Mythen umgeben Miguel Hernández, erklärt Biograph José Luis Ferris: „Dass der Poet sehr arm gewesen sei, sich selbst bilden musste und mit Tieren in einem Raum lebte – das ist alles unwahr.“ Fakt sei die große Verbundenheit des Poeten, der dem Flughafen Alicante den Namen geben soll, zur Umwelt seiner Heimat, der Costa Blanca, wie auch sein Schulabbruch mit 15 Jahren. Mit Lektüren im Gepäck versuchte sich Hernández an eigenen lyrischen Beschreibungen: von Tieren, Blitzen, dem Fluss, Zigeunerinnen, seinem Feigenbaum. Auch die Jungfrau Maria und das Brot der Messe besang der zunächst fromm-konservative Poet.

Flughafen Alicante, neuer Name? Miguel Hernández schrieb an Touristen-Info Geschichte

Unscheinbar stehen Miguel Hernández´ Geburtshaus und sein Elternhaus in Orihuela da. Ersteres ist ein kleiner Kultursaal, das zweite ein Museum neben dem erhabenen Colegio Santo Domingo. Am westlichen Stadtrand, im ärmlichem Viertel San Isidro, sind Verse des Poeten auf sehenswerten Wandbildern verewigt. Auch „Vuelo“, „Flug“ - ganz passend zur Idee mit dem Flughafen Alicante - ist in Bild und Schrift zu bewundern. Ein zentraler Hernández-Ort in der Stadt im Hinterland der Costa Blanca jedoch auch im Zentrum die Plaza Ramón Sijé, da wo sich die Touristen-Information befindet. (Tweet: „Elegía“ von Hernández für Sijé, moderne Vorführung aus Corona-Zeiten in Spanien.)

Fliegen wir kurz zum 14. April 1936, als ein 26-Jähriger Miguel Hernández in Orihuela auf jenem Platz, der heutigen Plaza Ramón Sijé, vor Publikum folgende Zeilen verlas: „Weinend will ich der Gärtner der Erde sein, in der du weilst, so früh, Gefährte meiner Seele“, hatte Hernández für seinen 22-jährig verstorbenen Freund Ramón Sijé geschrieben. Hernández’ „Elegía“ für Sijé war die nachgeholte, einander gelobte Prise Erde: Stürbe einer, würde der andere sie als Erster auf den Sarg streuen. Doch Hernández streute die Erde als Letzter, war bei Sijés Begräbnis an Weihnachten 1935 gar abwesend.

Flughafen Alicante nach Hernández benannt? Poet starb als „Tourist der Gefängnisse“

Miguel Hernández und Ramón Sijé: Die literarischen Freunde von der Costa Blanca hatten in der Vorkriegszeit von Spanien verschiedene Wege eingeschlagen. Hernández führte er weg von der Heimat. Nach Madrid, zur Avantgarde und zum linken Klassenkampf. Ein Weg, der auch für ihn jung endete: Hernández starb als Häftling - „als Tourist der Gefängnisse“ - in Alicante, am 28. März 1942.

Doch jetzt sind wir etwas weit gereist. Fliegen wir zurück, ins Jahr 1930, als Hernández Sijé traf. 20 beziehungsweise 18 Jahre waren sie jung. Sijé, hochgradig intellektuell, war Anbeter der Goldenen Ära von Cervantes und Lope de Vega und wusste dafür auch Miguel Hernández zu begeistern. In einer Bäckerei hielten sie Literaturkreise ab. Von Sijé gefördert schrieb Hernández für konservative Zeitungen der Provinz.

Manche wollten Miguel Hernández zum Helden machen. Aber in Wirklichkeit war sein Leben traurig, so wie das von Millionen von Spaniern.

Carmen Alemany, Literaturforscherin von der Uni Alicante

„Zunächst imitierte Miguel Hernández die Generation von 1927“, erklärt Carmen Alemany, Literaturforscherin der Uni Alicante. Auf Barockpoet Góngora ging der Neogongorismo der Generation in Spanien zurück, den auch García Lorca oder Alberti repräsentierten. „Wie sie, in Oktaven, schrieb Hernández, aber über seine Heimat, womit er den Stil auf eigene Weise prägte.“ Seinen Band „Perito en Lunas“, Experte für Monde, bewarb Hernández 1933 in Madrid. Einige Artikel erwähnten den „Hirtenpoeten“ – mehr auch nicht. Enttäuscht reiste er zurück an die Costa Blanca, wo sein bewährtes Publikum wartete, seine Freunde – und seine neue Freundin Josefina Manresa.

Flughafen Alicante „Miguel Hernández“? Ein Leben in drei Akten

Nicht nur Orihuela begeht Hernández-Jahrestage wie nun den 110 Geburtstag. In ganz Spanien wird an den Dichter aus der Provinz Alicante erinnert, der als „Universalpoet“ - also Poet für die Allgemeinheit - gilt, obwohl er im Bürgerkrieg von Spanien poetisch und an der Waffe für eine Seite kämpfte: Die Republik. So tut sich - bei aller Liebe - auch seine Heimatstadt, über der das bischöfliche Seminar thront, immer auch schwer mit ihrem Stadtsohn. Bei der ersten Rückkehr aus Madrid 1933 versuchte sich Miguel Hernández - der vielleicht baldige Namensgeber vom Flughafen Alicante - am Theater:

Flughafen Alicante „Miguel Hernández“? In Orihuela trägt Bahnhof den Namen.

Von Calderón, also noch klassisch inspiriert war 1933 Miguel Hernández´ Werk „Quién te ha visto y quién te ve y sombra de lo que eras“ – Wer dich sah und wer dich sieht, und der Schatten von dem, was du warst. Ein Stück über den Lebensweg in drei Akten: die Unschuld, die Zwietracht beim Erkennen des Bösen und der Seelenfrieden nach der Reue. Das Schicksal wollte, dass ausgerechnet dieses Werk Hernández’ eigene Unschuldsphase beendete. José María de Cossio heuerte ihn in Madrid für sein Stierkampf-Lexikon an. Dort lernte der Poet Pablo Neruda und Vicente Aleixandre kennen, und mit ihnen experimentelle Dichtung und Surrealismus.

Miguel Hernández - Rückkehr nach Madrid: Im Universum der Leidenschaft

Revolutionäre Ideen stillten in Madrid Hernández´ eigenes Unbehagen: über Armut, Ausbeutung, Kinderarbeit, die er auf Feldern in Orihuela gesehen hatte. 1934 mahnte Hernández noch „neidvollen Zorn“ der Bauern an – doch diesen gezähmten Hernández ließ der Poet 1935 für immer hinter sich. Sein Image als Hirtenpoet passte in Spanien nun zur linken Ideologie. In die kleidete er sich mit Leib und Seele, nicht nur durch seine für die Costa Blanca typischen Leinenschuhe. Dass ihn der von ihm bewunderte García Lorca für dieses Äußere verachtete, verschmerzte Miguel Hernández.

Schwerer wog der Bruch mit Seelenfreund Sijé. Miguel Hernández kündigte seinen Beitrag für dessen Zeitschrift. „Geruch von Kirche und Weihrauch“ hatte ihr Pablo Neruda attestiert. „Du bist zu gesund für diesen Gestank“, schrieb er Hernández in einem Brief. Die Leidenschaft für den sozialen Kampf überstieg in Hernández nur eine: die erotische Liebe. Malerin Maruja Mallo öffnete ihm diese Welt. „Sie war eine in jeder Hinsicht befreite Frau ihrer Zeit“, urteilt Hernández-Biograph Ferris. Mallo war das Gegenstück zur frommen, konservativen Manresa, Tochter eines Guardia-Civil-Beamten.

Miguel Hernández: Gebrochene Versprechen, Kampf im Bürgerkrieg

Den Sonett-Band „El rayo que no cesa“, der Blitz, der nicht erlischt, brachten die Passionen von Miguel Hernández 1935 hervor. In ihnen schwelgte er, als er von Sijés Tod erfuhr. So tanzt in dem Buch die erwähnte „Elegía“ für den Freund wie ein Anhängsel aus der Reihe. Hernández brach jedoch ein weiteres Versprechen für Sijé: ein Buch über dessen Lebenswerk. Dazwischen kam ihm am 17. Juli 1936 der Bürgerkrieg. Wie alle jungen Männer, musste er sich für ein Lager entscheiden. Hernández wählte entschieden die Republik. Als Soldat kam er ins Fünfte Regiment mit Freiwilligen aus der Kommunistischen Partei und der Sozialistischen Jugend.

In dieser Uniform feierte Miguel Hernández am 9. März 1937 auch zivile Hochzeit. Nicht jedoch mit Mallo, sondern doch mit seiner Heimatliebe, Josefa Manresa. Die Flitterwochen in Jaén dauerten kurz, schon bald folgten wieder Kämpfe an der Front, Bombenhagel. Als Kulturkommissar der Einheit El Campesino wurde Hernández wieder zum Dichter, trug seine Kampflyrik an den Fronten vor. So entstand 1937 das Buch „Viento del pueblo“, Wind des Volkes.

„Nun schrieb Miguel Hernández im freien Vers, aber besonders in Achtsilblern“, erklärt Literaturexpertin Alemany aus Alicante, „also im populären Versmaß, das am besten den einfachen Zuhörer erreichte.“ Euphorisch brachte der Poet die Ideale der Republik unters Volk, „Es waren Ideen, an die er wirklich glaubte“. Hernández dichtete: „Die Winde des Volkes tragen mich, verstreuen mein Herz, belüften meinen Rachen.“ (siehe Video oben)

Flucht-Flugzeug ohne Miguel Hernández: Nach Bürgerkrieg zum „Tourist der Kerker“

In einer Elegie beklagte Miguel Hernández den Mord von Putschisten an García Lorca, in „Aceituneros“, heute Hymne Jaéns, setzte er Olivenbauern ein Denkmal. Vorbei war deren Verklärung jedoch im zweiten Kriegsband des Poeten, „El hombre acecha“, Mensch auf der Lauer (1939). „Hernández wurde bewusst, der Kampf könnte verloren werden“, erklärt Literaturexpertin Alemany. „Auch die Wirkung des Hasses überhaupt. Der Mensch lauert ja einem anderen auf.“ Von „ertränkter Sprache der Toten“ erzählt der „Zug der Verwundeten“, von „ausgeschütteten Beinen, Armen, Augen, Stücken“. Als „stoischer Stein, der in zwei Teile des Schmerzes zerfiel“ besang der Poet „Mutter Spanien“. Ein Trauma hatte er zu verkraften, 1938 starb Sohn Manuel Ramón nur wenige Monate alt.

Miguel Hernández: Flugzeug-Bomber im Krieg, Wandbild in Orihuela.

Bei Kriegsende ließen den innerlich Verwundeten Miguel Hernández die eigenen Kameraden fallen. „Während Hernández an die Fronten ging, feierte die kommunistische Elite im Palast der Marquise Heredia-Spínola“, erzählt Biograph Ferris. „1938 gab es Streit mit Rafael Alberti, mit Ohrfeigen. Als die Elite vom Flughafen Mónovar mit per Flugzeug ins Exil floh, ließ sie Hernández sitzen.“ Einsam nach Portugal fliehend fassten die Franquisten den Dichter. Unbekannt ist, warum er im September 1939 frei kam. Er reiste nach Orihuela, zur Frau und zu Sohn Manuel Miguel, der im Januar geboren war, wurde dort jedoch wieder verhaftet.

Frei kam Miguel Hernández, der selbsternannte „Tourist durch die Kerker“, nie mehr. Zumindest körperlich nicht. Künstlerisch aber war es etwas Anderes, meint Literaturexpertin Alemany: „Ähnlich wie Don Quijote war Hernández eingesperrt, aber nun frei von jedem Einfluss, frei wie nie. Und schrieb, was er wirklich schreiben wollte.“

Miguel Hernández, der gefangene „Tourist“ - Das Meisterwerk von der Zwiebel

Miguel Hernández in voller Reife sei im „Cancionero y Romancero de Ausencias“, dem Liederbuch und Romanzero der Trennungen von 1941 zu erleben. „Die Poesie ist hochgradig autobiographisch. Er verarbeitete, was er im Krieg gesehen hatte, die Sehnsucht nach den Seinen“, erklärt Alemany. So schrieb der Poet: „Traurige Kriege, wenn nicht die Liebe das Vorhaben ist, traurige Waffen, wenn es nicht Worte sind, traurige Menschen, wenn sie nicht aus Liebe sterben“ (siehe Tweet unten). Berühmt wurde auch das Gedicht „Nanas de la cebolla“, Wiegenlieder der Zwiebel, das Sänger Joan Manuel Serrat 1972 vertonte. Hierbei antwortete Hernández auf Briefe seiner Frau, in denen sie über das armselige Essen daheim klagte: „In der Wiege des Hungers war mein Kind, mit Blut der Zwiebel wurde es gestillt“. In Spanien lernt man diese Zeilen in der Schule auswendig!

Immer tiefer reichte im „gefangenen TouristenMiguel Hernández die Metaphorik. Wie im Meisterwerk „Hijo de luz y de la sobra“, Sohn des Lichts und des Schattens. „Für mich ist das die Zusammenfassung seiner Poesie“, beteuert Alemany. Der Dreiteiler: eine Ode an Leben, Liebe und Menschsein. Dramatisch, bildgewaltig schildert der Poet den Liebesakt von Mann und Frau mit der Zeugung, der Geburt, dem Leben des Kindes als Zusammenspiel kosmischer Kräfte – und als Band zu allen anderen Menschengenerationen der Geschichte: „Es küssen sich die ersten Siedler der Welt“, verkündet das Gedicht.

Miguel Hernández: „Gefangener Tourist“ erfüllt nur Willen seiner Frau

Beim Leidensweg des „gefangenen Touristen“ durch Haftzellen in Madrid, Ocaña und Alicante schwanden die Kräfte des Dichters, eine Lungentuberkulose verhinderte Miguel Hernández das Schreiben zuletzt ganz. Die Todesstrafe gegen ihn konnten alte Freunde noch verhindern. „Hier tat sich besonders de Cossio hervor“, berichtet Biograph Ferris. Auch die Freiheit habe ihm das Regime von Spanien in Aussicht gestellt, doch nicht ohne Bedingungen: „Die Versprechen waren eher Erpressung. Er sollte von seinen Ideen abschwören, das Regime anerkennen, religiöse Werke schreiben und kirchlich heiraten.“

Miguel Hernández erfüllte nur eine Bedingung – die Heirat vor Gott mit Josefa Manresa – und ihr damit nicht nur einen Herzenswunsch, sondern sicherte ihr dadurch auch in Spanien rechtlichen Status. „Für die neue Franco-Regierung waren Zivilehen inexistent“, erläutert Ferris. Auf Strenge mit dem Poeten pochte offenbar auch der hohe Geistliche Luis Almarcha, der Hernández aus Schulzeiten in Orihuela kannte. „Er konnte nicht verzeihen, dass sein Schüler als Kommunist in Haft saß“, erklärt Historiker Ferris.

Flughafen Alicante bald „Miguel Hernández“? Ganz Spanien kennt den Poeten.

So gab es für den „gefangenen Touristen“ kein Zurück vor der letzten qualvollen Reise - dem Tod in der Zelle. Seine Integrität machte ein Verwerfen der Ideale, von denen Miguel Hernández überzeugt war, unmöglich. „Das Regime nahm den Tod kranker Gefangener bewusst in Kauf“, erzählt Ferris. Die erstarkte klerikale Macht verbreitete indes die katholische Orthodoxie, ließ aber jegliche Barmherzigkeit vermissen.

Flughafen Alicante bald „Miguel Hernández“? Drei Wunden des Poetenhirten

Was für ein Ende für Spaniens Dichter und möglichen Namensgeber für den Flughafen Alicante. In der Franco-Diktatur wirkte Miguel Hernández posthum höchstens als vom Kommunismus verführter Poet nach. „Erlaubt waren nur seine religiösen Werke“, erklärt Historiker Ferris. Dann, nach Franco, habe sich das Bild vom Poeten umgekehrt: „Man las auf einmal nur die Werke aus dem Krieg.“ Doch nur Hernández als ganzer Mensch sei als Universalpoet zu verstehen. „Manche wollten ihn zum Helden machen“, sagt auch Literaturexpertin Alemany, „aber in Wirklichkeit war sein Leben traurig, so wie das von Millionen von Spaniern.“

Seine „Tres heridas“ - „drei Wunden“ - die auch in Alicante des Grab von Miguel Hernández zitiert (siehe Video unten), passen gut zu seinen Lebensstationen. „Mit drei Wunden ich: die des Lebens, die des Todes, die der Liebe“, schlussfolgert ganz am Ende des Gedichts der Poet im Cancionero. „Die Liebe ist es also, die die anderen übersteigt“, sagt Alemany. Das Sein aller Menschen berührten die Gedichte des „gefangenen Touristen“. Werke eines Republikaners, der doch auch geliebte Konservative im Herzen trug – und auch der Familie seines verstorbenen Freundes Ramón Sijé noch aus der Haft Briefe schrieb.

Zum „Canción del esposo soldado“ - „Lied vom Soldaten-Ehemann -“ von Miguel Hernández erzählt Historiker Ferris: „Das hatte sich in Spanien im Krieg tausendfach verbreitet. Ein älterer Mann kam einmal nach einem Vortrag zu mir. Er erzählte mir, dass auch er eine Kopie im Krieg gehabt hatte – obwohl er für Franco kämpfte.“ Besonders tröstlich ist für Literaturforscherin Alemany das Gedicht von Hernández’ dunkelster Stunde in der Zelle, „Eterna sombra“, Ewiger Schatten. Dessen letzter Satz nach vielen bedrückenden Zeilen lautet: „Aber es gibt einen Sonnenstrahl im Kampf, der immer den Schatten besiegt.“ Miguel Hernández - ein passender neuer Name für den Flughafen Alicante? Was meinen Sie?

Rubriklistenbild: © Stefan Wieczorek

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