Antonio Banderas und María Casado präsentieren die Goya-Verleihung 2021.
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Durch die Gala der Goya-Verleihung führten Schauspieler Antonio Banderas und Moderatorin María Casado.

Filmpreise in Spanien

Goya-Preise 2021: Erstlingswerk räumt ab, Banderas führt durch Gala

  • Anne Götzinger
    vonAnne Götzinger
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Spanien hat zum 35. Mal seine Goya-Filmpreise verliehen. Eine Newcomerin ist die große Gewinnerin der Gala, durch die Hollywoodstar Antonio Banderas führte - und dabei zahlreiche internationale Stars zuschaltete.

Málaga – Gleich mit ihrem ersten Spielfilm „Las Niñas“ („Mädchen“) hat Regisseurin und Drehbuchautorin Pilar Palomero einen Coup gelandet: Der Film über die Erlebnisse der elfjährigen Celia im Spanien Anfang der 1990er Jahre wurde bei der Verleihung der Goya-Preise der spanischen Filmakademie in der Nacht zum Sonntag in Málaga als bester Film gekürt. Bei der 35. Ausgabe erhielt das Drama außerdem die Preise in den Kategorien bestes Original-Drehbuch, beste Nachwuchsregie sowie beste Kameraführung. Durch die Gala führte Schauspieler Antonio Banderas.

Wichtigste Goya-Preise 2021 auf einen Blick
Bester Film „Las Niñas“
Beste RegieSalvador Calvo für „Adú“
Beste NachwuchsregiePilar Palomero für „Las Niñas“
Bestes Original-DrehbuchPilar Palomero für „Las Niñas“
Bestes adaptiertes DrehbuchDavid Pérez Sañudo/Marina Parés Pulido für „Ane“
Beste OriginalmusikAránzazu Calleja/Maite Arroitajauregi für „Akelarre“
Bester Filmsong„Que no, que no“ von Rozalén in „La boda de Rosa“
Bester HauptdarstellerMario Casas in „No matarás“
Beste HauptdarstellerinPatricia López Arnai in „Ane“
Bester NebendarstellerAlberto San Juan in „Sentimental“
Beste NebendarstellerinNathalie Poza in „La boda de Rosa“
Bester NachwuchsdarstellerAdam Nourou in „Adú“
Beste NachwuchsdarstellerinJone Laspiur in „Ane“

Das mit vier Goyas ausgezeichnete Erstlingswerk von Palomero, die auch das Drehbuch schrieb, hatte auf der Berlinale 2020 Weltpremiere gefeiert. Die Coming-of-Age-Geschichte handelt von der Freundschaft von Schulmädchen und ihrem Aufbegehren gegen die konservative Atmosphäre ihrer Nonnenschule und der spanischen Gesellschaft vor drei Jahrzehnten. Im Jahr der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona und der Expo in Sevilla herrschte in Spanien Aufbruchstimmung.

Bei der Goya-Verleihung in Spanien hat Regisseurin Pilar Palomero (auf dem Monitor) mit ihrem ersten Spielfilm gleich vier Preise eingeheimst.

Goya-Preise 2021: Erstlingswerk mit autobiographischen Zügen ausgezeichnet

Die Hauptfigur der Celia trägt autobiografische Züge der 40 Jahre alten Regisseurin. Den Menschen und auch ihr sei die spanische Gesellschaft in der Stadt Zaragoza damals sehr offen und modern erschienen. „Erst als Erwachsene habe ich bei der Lektüre meiner Tagebücher gemerkt, dass wir damals Werte übermittelt bekommen haben, die sehr stark von der Machokultur geprägt waren“, sagte Palomero.

Der Goya für die beste Regie ging an Salvador Calvo für seinen Film „Adú“. Als beste Hauptdarstellerin wurde Patricia López Arnaiz für ihre Rolle in dem Film „Ane“ geehrt und Mario Casas erhielt für seine Darstellung des jungen Dani in „No matarás“ den Preis als bester Hauptdarsteller. Als bester europäischer Film wurde in Málaga die britische Produktion „The Father“ des französischen Regisseurs Florian Zeller geehrt, der auch das vorangegangene Theaterstück gleichen Namens geschrieben hatte. „El olvido que seremos“ aus Kolumbien wurde als bester iberoamerikanischer Film gekürt.

Spanien verleiht Goya-Preise: Antonio Banderas als Gastgeber bei Gala

Hollywood-Star Antonio Banderas führte im Teatro Soho in seiner Heimatstadt durch den Galaabend. Die Preisverleihung fand diesmal wegen der Pandemie erstmals als Hybridveranstaltung statt. Neben Banderas traten lediglich mehrere spanische Filmstars und Persönlichkeiten wie Pedro Almodóvar oder Penélope Cruz persönlich auf, um den per Internet zugeschalteten Künstlern die Preise symbolisch zu überreichen. Nur die Sängerin und Schauspielerin Ángela Molina (65), die den Goya-Ehrenpreis für ihr Lebenswerk erhielt, durfte die Auszeichnung persönlich in Empfang nehmen. Einige Musikeinlagen fanden ebenfalls auf der Bühne des Theaters statt.

„Es gibt keinen größeren Albtraum in der Welt des Kinos, als der eines leeren Saales“, sagte Antonio Banderás zu Beginn der Goya-Gala. Er habe über seine Rolle und die des Films und der Kultur in Spanien im Allgemeinen in dieser Pandemie nachgedacht, die „wie ein Tsunami“ über alle hereingebrochen sei. „Wir sind Geschichtenerzähler, und das ist unweigerlich das, was wir tun werden“, erklärte der Malagueño, der im vergangenen Jahr seinen 60. Geburtstag feierte. „Wir werden die Geschichte dieser Tage erzählen, jeder auf seine Weise, um zu verstehen, wie uns diese Realität bewegt hat. Was uns berührt hat, was uns weinen ließ, was uns wütend oder was uns Angst gemacht hat.“ Gemeinsam mit den Technikern, den Orchestermitgliedern und den zugeschalteten Künstlern hielt Banderas eine Gedenkminute für die Opfer der Corona-Pandemie ab.

Die Goya-Verleihung 2021 musste wegen Corona als Hybridveranstaltung stattfinden.

Goya-Preise in Spanien mit internationalem Anstrich

Der Schauspieler erinnerte außerdem an die Geschichte des Teatro Soho. „In genau diesem Gebäude eröffnete 1907 das erste Kino Málagas, das sogenannte Cine Pascualini“, erzählte Banderas. Zweimal sei das Kino zerstört worden, einmal 1937 durch eine Bombe im Spanischen Bürgerkrieg, und das zweite Mal durch einen Brand im Jahr 1988. „Doch diese kleine Geschichte kann uns als Metapher dienen, als einfacher Schlüssel, um im Leben zu bestehen: hinfallen und wieder aufstehen. Aus der Asche auferstehen und weitermachen.“

Banderas verlieh der Veranstaltung einen internationalen Anstrich und nutzte seine guten Beziehungen für die Causa des spanischen Films: Der 60-Jährige schaffte es, dass sich zahlreiche internationale Filmstars wie Robert de Niro, Al Pacino, Dustin Hoffman, Nicole Kidman, Helen Mirren, Tom Cruise, Mel Gibson, Naomi Watts oder Emma Thompson der Goya-Gala online zuschalteten, um der von Corona gebeutelten Industrie ihre Unterstützung auszusprechen. Immerhin dienten Spanien und speziell die Costa Blanca auch schon als Drehplatz für internationale Produktionen.

Für einen Eklat in Spanien sorgte bei der diesjährigen Goya-Verleihung die Liveübertragung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt RTVE in den Sozialen Netzwerken. Über ein offenes Mikro waren ein paar Minuten lang derbe Macho-Kommentare eines RTVE-Kamerateams bei der Ankunft der Stars am Teatro Soho zu hören. Unter anderem hört man bei dem Live-Mitschnitt, wie die Männer über eine der Künstlerinnen sagen „ich weiß nicht, wo sie die ausgegraben haben, voll die Nutte...“. In Sozialen Netzwerken brach ein Sturm der Empörung los. RTVE hat inzwischen eine interne Untersuchung des Vorfalls eingeleitet. (mit dpa)

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