Muralla Zirí in Granada
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Ein Stück der Muralla Zirí in Granada. Nicht überall ist die Mauer so gut erhalten. Jetzt soll an ihr eine Flaniermeile entlangführen, die Mauer restauriert werden.

Auf den Spuren von Al-Ándalus

Granadas vergessene Könige: 1000 Jahre alte Stadtmauer der Zirí wird Flaniermeile

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Im Schatten der Alhambra: Ein neuer Spazierweg soll in Granada die Geschichte der Zirí-Dynastie sichtbar machen. Immerhin gründeten diese Berber einst das Königreich Granada und legten Grundsteine für kommende Pracht.

Granada – Sie ist eine Stadt für Spaziergänger: Ob um die Alhambra herum, durch enge Gassen des Albaicín-Viertels mit seinen musizierenden Aussichtspunkten, ob hinauf zum Sacromonte und den Hippie-Höhlen oder entlang des "Paseo de los Tristes" am Darro-Fluss voll üppigen Grüns, kleinen Palästen und traurig-schönen Legenden. Ein guter Kilometer Boulevard kommt in Granada nun bald hinzu, da die Stadt ein lange vernachlässigtes Erbe restauriert und erschließt. Es geht um die Stadtmauer aus der Zeit der Zirí-Dynastie, die vor ziemlich genau 1.000 Jahren hier herrschte.

Granadas berühmter „Paseo de los Tristes“ zu Füßen der Alhambra.

Die Mauer mit den eingewebten Wachtürmen, schlängelt sich nicht einfach nur durch das Albaicín-Viertel bis hinab ins heutige Zentrum, sondern wurde über die Jahrhunderte zu Häuserwänden und Gartenmauern. Andere Abschnitte wurden abgetragen, mit Graffiti vandalisiert, zugemüllt und ein Mauerstück brannte vor einigen Jahren sogar lichterloh. Die Stadt kam schwer hinterher, denn zu fragmentiert schien das Ensemble, zu teuer das Projekt, fünf Jahre schon tüfteln die Stadttechniker an einem „Wie“.

Gründer des Königreichs Granada: Im Schatten der Nasriden und der Pracht der Alhambra

Jetzt ist Geld da, auch aus EU-Töpfen und so soll ein rund ein Kilometer langer Spazierweg von der Puerta de Monaita bis zum Torre de las Tres Caras an der Plaza Larga durchgezogen werden, die Restaurierung der Mauer samt ihrer Wachtürme, Verzierungen und Inschriften eingeschlossen. Eine Kraftanstrengung von Stadt, Land, Kulturministerium, die Granada nicht nur einen weiteren romantischen Pfad erschließt und alte Gemäuer erhält, sondern eine historische Erinnerungslücke schließt.

Spaniens Königin Letizia bei der Eröffnung der großen Zirí-Ausstellung in Granada 2019.

Denn zwar dauerte die Episode der Zirí-Dynastie nicht einmal hundert Jahre (1020 bis etwa 1090), doch gründete sie, nach dem Auseinanderbrechen des Kalifats von Córdoba, das Taifa, also Königreich Granada und definierte damit den Staat, der unter ihren Nachfolgern, den Nasriden, die späte und schönste Blüte der islamischen Kultur auf der Iberischen Halbinsel erreichte, in Stein gehauen in der Alhambra und ihren Palästen, in deren Schatten die Zirí auf ewig verdammt sein werden.

Die Zíri waren ein arabisierter und islamisierter Berberstamm der Amazigh aus den Bergen Algeriens, die das Zerbrechen das Kalifats zu ihren Gunsten nutzten. Sie dienten sich Anfang des 11. Jahrhunderts dem berühmt-berüchtigten Almansor, Großvesir des letzten, minderjährigen Kalifen als Hilfstruppen an, als der im Größenwahn dutzende Feldzüge anzettelte und die Macht im Kalifat an sich riss, – bis es zerriss.

Zirí-Mauer in Granada: Archäologen hoffen auf Überraschungen

Almansor fiel auf dem Schlachtfeld, die Zirí schnappten sich „Garnata“, wie Granada in Al-Ándalus hieß, als Beute. Bis zu 40 solcher Taifas genannten Fürstentümer entstanden und wetteiferten um die hellsten Köpfe und güldensten Paläste von Al-Ándalus. Radikal-islamistische Stämme, ebenfalls Berber, wie die Almoraviden und Almohaden, homogenisierten im 11. bis 13. Jahrhundert das Reich wieder, ihre kompromisslos-brutale Herrschaft, die ganz im Gegensatz zu der relativ toleranten Geisteswelt des Kalifats stand und die endlosen maurischen Bruderkriege ebneten letztlich der Reconquista den Weg.

Ausstellung zur Welt der Zirí und Berber in Spanien, 2019 im Museum der Alhambra von Granada.

Abgesehen von Granada, das mit den Nasriden eine neue Dynastie beherbergte, die quasi als Vasallen Kastiliens bis 1492 durchhielten. Ohne die strategische Vorarbeit der Zíri, die durch Bewässerungssysteme auch die Landwirtschaft voranbrachten und so für Wohlstand sorgten, wäre es soweit vielleicht nie gekommen. Bei den Arbeiten an der Zirí-Mauer wird die Stadt höchste Vorsicht anlegen, denn Archäologen vermuten so manche Überraschungen am Fuße der Bauten, zu denen alte Wasserdepots (aljibes), Lager und Militärposten gehören.

Die Arbeiten sind daher auch noch in der Berechnungsphase, die Kosten werden mit 3,5 Millionen als Minimum angesetzt. Streit gibt es darüber zwischen der Stadt und der Landesregierung Andalusiens. Denn die Muralla Zirí gehört zwar auf dem Papier zum „Plan Alhambra“, aber nur, damit Sevilla das letzte Wort haben kann, Geld wolle die Junta nicht hergeben, wirft ihr Granadas Bürgermeister vor.

Zum Thema: Praktische Tipps für den Besuch der Alhambra in Granada.

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