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Organist Josef Lammerz liebte die Costa Blanca: Pianist Markus Kreul blickt zurück

  • vonAnne Thesing
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Am 15. Juni wäre Josef Lammerz, Musiker, Ehrenbürger von Teulada und Liebhaber der Costa Blanca, 90 Jahre alt geworden. Sein früherer Schüler, der Pianist Markus Kreul, blickt zurück.

  • Der Organist, Komponist und Chorleiter Josef Lammerz lebte seit 1989 und bis zu seinem Tod in Teulada.
  • Die Stadt ernannte ihn im Jahr 2000 zum Ehrenbürger.
  • Lammerz-Schüler Markus Kreul spricht über seine Lehrzeit, Konzerte und Kompositionen.
  • Auch Markus Kreul zieht es dank Lammerz immer wieder an die Costa Blanca.

Schüler und Lehrer. Markus Kreul und Josef Lammerz. Zwei große Musiker, zwei enge Freunde. Letzterer wäre am 15. Juni dieses Jahres 90 Jahre alt geworden. Am 8. Januar 2014 starb er in Teulada, wo er seit 1989 lebte. Josef Lammerz, Komponist, Organist und Chorleiter, hinterließ seine Spuren an der Costa Blanca und anderen Orten Spaniens, ist Ehrenbürger Teuladas, das Dreikönigskonzert der Gemeinde wird jedes Jahr zu seinem Gedenken ausgerichtet.

Josef LammerzKomponist, Organist, Chorleiter
Geburtsjahr1930, Bonn
Todestag8. Januar 2014, Teulada
AusbildungRobert Schumann Hochschule

Was Josef Lammerz ausmachte, menschlich und musikalisch, weiß kaum jemand besser als sein ehemaliger Schüler und guter Freund, der mehrfach ausgezeichnete und international wirkende Pianist Markus Kreul, der, auch dank Lammerz, den Weg ganz nach oben schaffte. Den CN beantwortete er einige Fragen zu seinem Freund und Lehrer, der das musikalische Leben an der Costa Blanca so sehr prägte. „Er hinterlässt eine Lücke“, sagte Josef Lammerz‘ langjährige Freundin, Chorleiterin Edith Kühn, 2014 nach seinem Tod. In der vergangenen Woche folgte sie ihm im Alter von 91 Jahren. Und hinterließ eine weitere Lücke.

Schüler und Lehrer, gute Freunde: Josef Lammerz und Markus Kreul.
CN: Herr Kreul, wann haben Sie Josef Lammerz kennengelernt?

Markus Kreul: Das war 1986 in meiner Heimatstadt Bonn. Als Organist und Chorleiter an der dortigen Münsterbasilika war er ein wichtiger Teil des Musiklebens der Stadt und berühmt für sein freies Spiel am Ende der Gottesdienste. Zum Ausklang improvisierte er auf der großartigen Orgel und ließ so das liturgische Geschehen nachklingen. Dieses Ritual hatte damals in Bonn Kultstatus und hat mich sehr beeindruckt.

Als sein Schüler hatten Sie dann die Möglichkeit, sich noch mehr von ihm beeindrucken zu lassen.

Ja, ich wurde sein Schüler, als ich mich auf die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule vorbereitete. Den Unterricht in Gehörbildung, Kontrapunkt und Harmonielehre nahm ich meist gleich nach der Schule, zur Aufmunterung gab es immer erst einmal einen Espresso und dann ging es an die Arbeit. Der Unterricht dauerte oft mehrere Stunden, er hat sich immer sehr viel Zeit genommen. Josef war stets hochmotiviert, seine gute Laune wurde nur dann getrübt, wenn ich nicht optimal vorbereitet war. 1989 ging er nach Spanien und ich nahm mein Studium an der Musikhochschule in Köln auf.

Komponieren war eins der großen Talente von Josef Lammerz.
Wie hat er Ihre Laufbahn beeinflusst?

Er hat mich nicht nur in instrumentaler Fertigkeit unterrichtet, sondern mich auch als Musikerpersönlichkeit wahrgenommen. Er hat mich als 16-Jährigen angeregt, über den Sinn des Musikmachens nachzudenken, und hat mir auch die Augen für die Schattenseiten dieses Berufes geöffnet. Bei ihm habe ich die beiden wichtigsten Grundelemente des Musikerberufs gelernt: Hingabe und Disziplin. Um als Musiker musikalisch frei agieren zu können, muss das Handwerkszeug stimmen. Was nützt alle musikalische Fantasie, wenn man sie nicht umsetzen kann? In diesem Punkt war ich anfangs schon eher ein Träumer und so gab es manches Donnerwetter – und das war gut so!

Was haben Sie sonst noch von ihm gelernt?

Egal ob als Komponist, als Pianist in einem Konzertsaal, als Organist oder Chorleiter in der Kirche, es muss immer eine Idee, ein Gefühlskosmos transportiert werden, der die Menschen erreicht. Denn Musik bedeutet Kommunikation und ist nichts Abgehobenes. Dann habe ich von ihm gelernt, mich nicht mit einer sehr guten Leistung meinerseits auf dem Podium zufriedenzugeben, sondern wirklich etwas von mir mit hineinzulegen, echt zu sein.

Was schätzen Sie besonders an dem Menschen Josef Lammerz?

Josef Lammerz konnte sehr zurückhaltend sein, aber auch sehr temperamentvoll. Er hat seine Meinung gesagt, auch wenn sie nicht immer bequem war. Die Musik ist voller Facetten und Gegensätze, das sollten wir als Menschen vielleicht auch mehr kultivieren und ausleben.

Welches sind Ihre persönlichen Lieblingsstücke von Josef Lammerz?

2013 sind wir gemeinsam nach Würzburg gereist, um die Uraufführung seiner „Cantico de las Criaturas“ mit dem Monteverdichor zu hören, das war sehr bewegend. Besonders am Herzen liegen mir seine „Fünf Lieder nach Texten von Hermann Hesse“ für Singstimme und Klavier, die ich beim „Festival de música clásica de Teulada-Moraira“ 2006 uraufgeführt habe. Josef Lammerz hat in seiner Vertonung Einblick in seine Seele gegeben, die Musik ist so echt, so tief empfunden. Anlässlich seines 90. Geburtstags erscheint beim Verlag Brotons & Mercadal in Barcelona eine Druckausgabe der Lieder und ich habe die große Freude, ein Vorwort beisteuern zu dürfen. Eine kleine klangliche Kostprobe habe ich für die Leserinnen und Leser der Costa Nachrichten aufgenommen (Anm. der Red.: Das Video dazu finden Sie am Anfang dieses Artikels).

Was wollte Josef Lammerz mit seiner Musik bewirken?

Er wollte die Menschen berühren. Seine Musik ist klanglich oft sehr opulent und reich. Mir scheint es, als ob er sagen will: Hört mal her und macht die Augen und Ohren auf, das Leben ist eigentlich wunderschön.

Markus Kreul schaffte den Weg nach oben - auch dank Josef Lammerz.
Warum zog er schließlich nach Teulada?

Ich denke, dass er nach einem erfüllten Berufsleben in Deutschland eine Veränderung suchte, auch eine neue Inspiration, die ihn zu Kompositionen anregen würde. In Teulada hat er ja viel komponiert.

Was liebte er an dieser Gegend?

Josef hatte ja schon viele Jahre in der Region Urlaub gemacht und sich in die Costa Blanca verliebt. Ihm lag der Lebensstil, er schwärmte vom herrlichen Wetter, dem Meer, der sanft hügeligen Landschaft.

Wie hat er sich hier als Musiker engagiert?

Er hat an der Costa Blanca viele große Werke komponiert, die auch teilweise hier uraufgeführt wurden, unter anderem „Te deum“ (1993), „Cantata a Xàtiva“ (1994), „Fünf Lieder nach Hermann Hesse“ (2001) und das monumentale „Cantico de las Criaturas“. Aber auch als Chorleiter und Organist hat er sich in Spanien engagiert und begeistert. Er hat einen Chor immer sehr gefordert; gepaart mit seinem Temperament und seiner Begeisterung konnten so immer besondere musikalische Momente entstehen.

Wie oft haben Sie ihn in Teulada besucht?

Sehr regelmäßig, da ich die Zeit auch für meine Konzertvorbereitungen nutzen konnte. Unsere gemeinsamen Tage sahen meist so aus, dass ich tagsüber auf seinem schönen Steinway-Flügel geübt habe, der heute hier bei mir in Deutschland steht. Nach einem kurzen Strandbesuch, zum Beispiel in El Portet, inklusive Sundowner in Raco’s Bar, begann das Abendprogramm, oft gemeinsam mit Freunden.

An welche Begebenheiten an der Costa Blanca mit ihm denken Sie besonders gerne zurück?

Die Uraufführung der Hesse-Lieder in Teuladas Kirche war für mich etwas ganz Besonderes. Die Lieder entstanden in einer gesundheitlich schwierigen Zeit in seinem Leben, die er durch das Komponieren, also die Kraft der Musik, überwinden konnte. Und ich denke voller Dankbarkeit an die vielen gemeinsamen Abende zurück, an denen wir oft bis in die Nacht über Musik, aber auch viele andere Themen diskutierten. Wir konnten uns auch wirklich streiten, aber spätestens beim letzten Glas Wein vor der Nachtruhe waren wir wieder einer Meinung.

Wie hat Josef Lammerz Ihr persönliches Verhältnis zu Spanien beeinflusst?

Wenn ich heute die Region von Teulada-Moraira bereise, ist es für mich immer auch ein wenig ein Gefühl des Heimkommens.

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