Original und Restaurierungsversuche des Gemäldes „Virgen Inmaculada“ von Murillo.
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Nicht wiederzuerkennen: Wieder ging in Spanien eine Restaurierung mächtig schief, diesmal von Murillos Jungfrau. Glück im Unglück: Es war „nur“ eine Kopie aus dem 19. Jahrhundert.

Valencias „Ecce Homo“

Jungfrau von Murillo: Restaurator in Spanien verpfuscht Gemälde

  • vonMarco Schicker
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Ein Sammler in Valencia beauftragt einen Fachmann für Möbel mit der Restaurierung eines Gemäldes: Was soll da schon schief gehen? Murillos Jungfrau sieht jetzt aus wie die Tochter ihres Sohnes.

  • Restauration verpfuscht: Murillos „Virgen inmaculada“ war zum Glück „nur“ eine Kopie.
  • Von Ecce homo bis zur Maria: Entstellungen von historischen Gemälden passieren häufiger als man denkt.
  • Jeder darf sich mal versuchen: Verband der Restauratoren bedauert Fehlen von Normen für Restaurierung.

Valencia - Die Meisterleistung von Cecilia Giménez, einer besorgten und sich künstlerisch berufen fühlenden Kirchgängerin in dem Örtchen Borja bei Zaragoza, ging 2012 um die Welt. Ein kleines Wandgemälde des Lehrers Elías García Martínez aus der Mitte des 19. Jahrhundert, ein Jesus-Abbild, „Ecce Homo“, betitelt, war über die Zeit abgeblättert, aber niemanden schien das zu kümmern. Da griff Cecilia zu Pinsel und Farbe und schuf - oder zerstörte - was mittlerweile als Legende einzustufen ist: eine völlig absurde Entstellung des Kunstwerks, eine Art Mon Chi Chi als Fresco. Aber sie hatte es lieb gemeint...

Murillo-Restaurierung: Der Möbelmacher gab sein Bestes

Diesmal ging es indes dem Werk eines viel namhafteren Künstlers an den Kragen, Bartolomé Esteban Murillo, dem Stolz Sevillas und einem der führenden Maler des spanischen Barock und Ehre einer jeden Gemäldegalerie. Ein großes Glück für die Kunstwelt, dass seine „Unbefleckte Jungfrau“ nur eine der im 19. Jahrhundert gängigen Kopien war, die jetzt in Valencia einer „Schönheitsoperation“ unterzogen wurde, wie das Netz spottet. Allerdings eine sehr schöne und handwerklich hochwertige Kopie wurde da zerstört.

Die Geschichte ist so kurz wie grausam: Ein privater Sammler aus Valencia gab ein paar alte Möbel und Spiegel an einen Restaurator für Möbel (!) in Auftrag und fragte ihn, ob er bei der Gelegenheit auch das zierliche Gemälde mitreinigen könnte. Konnte er, so der Schreinermeister, und sogar noch mehr.

Die Überraschung des Auftraggebers war enorm, als er die Kopie des Barockgemäldes zurückerhielt und quasi der Tochter des „Ecce homo“ von Borja in die schielenden Augen schaute, obwohl sie bekanntlich dessen Mutter sein sollte. 1.200 Euro hatte der Spaß gekostet. Aber davon wird der Sammler ein Leben lang etwas haben. Als der Sammler den Restaurator - oder Terminator - zur Rede stellte, sagte dieser, „naja, ich hab halt versucht, das Problem zu lösen“.

Die Vizepräsidentin der Gesellschaft der Restauratoren und Konservatoren Spaniens, Acre, María Borja, berichtet, dass „solche Ergebnisse leider viel häufiger sind als man glaubt“. Nur: „Die Scham der geschädigten Kunstbesitzer, bringt sie selten ans Licht der Öffentlichkeit“, erklärt sie. Der Grund dafür sei einfach: Die Sammler wollten Geld sparen und übergeben die Arbeiten an Leute, die dafür gar nicht qualifiziert sind.

Löcher im Gesetz: Wer darf an Kunstwerke in Spanien Hand anlegen?

Doch dahinter steckt ein systemisches Problem, denn „der Beruf des Restaurators ist nicht reguliert, und außerdem fehlt eine gesetzliche Anordnung, wer an Objekte von kulturellem Interesse Hand anlegen darf und wer nicht“, so Borja. Das bedeutet, dass nicht nur Kunstwerke in Privatbesitz, sondern auch solche im öffentlichen Raum in Gefahr sein könnten. Bei registrierten Kulturdenkmälern (Bien de Interés Cultural, BIC), die sowohl in öffentlicher als auch in privater Hand sein können, gibt es zumindest eine Vorschrift, die den Eigentümer verpflichtet, das Landeskulturministerium zu informieren, was, wie und von wem restauriert werden soll.

Vom Unfall zum Business-Modell: „Ecce homo“ machte Karriere

Vom Unfall zur Legende: Der „Ecce homo de Borja“ von 2012 in seiner erzwungenen Metamorphose.

Der Eigentümer der nunmehr „Befleckten Jungfrau“ Murillos hat sich jetzt an einen echten Restaurator gewandt, der wohl vor der Arbeit seines Lebens steht, die Jungfräulichkeit der María wiederherzustellen oder zumindest glaubhaft vorzutäuschen. Doch Experten geben Bild und Jungfrau verloren, der Schaden sei irreparabel.

Der „Ecce Homo“ in Borja übrigens machte eine steile Karriere. Das „Gemälde“ schaffte es in die Rankings internationaler Kunstzeitschriften als Nummer 52 der wichtigsten Kunstwerke des 21. Jahrhunderts und das Museum of Modern Art New York wollte es sogar kaufen, der britische TV-Sender Sky hat eine Reportage darüber geschrieben. Das Werk hat Markenschutz, zieht Touristen nach Borja und das Merchandising mit T-Shirts, Reproduktionen und bedruckten Kaffeetassen wirft Geld ab. Nicht irgendwo, sondern im eigenen Ausstellungszentrum „Ecce Homo“, das mehrere Zehntausend Menschen im Jahr besuchen. Das „Original“ in der Kirche sollen bereits 250.000 Menschen besucht haben.

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