Sönke Wortmann mit dunklem Shirt vor einer roten Wand
+
Nimmt auch schwierige Themen mit Humor: Sönke Wortmann.

Interview

Ein Herz für Lehrer: Sönke Wortmann über seinen Film „Eingeschlossene Gesellschaft“

Am 14. April kommt „Eingeschlossene Gesellschaft“ von Regisseur Sönke Wortmann in die deutschen Kinos. Mit uns spricht er über sein neustes Werk, das nicht durch Zufall wie eine Fortsetzung von „Frau Müller muss weg“ wirkt.

Eigentlich wollte Sönke Wortmann Profi-Fußballer werden. Bis in die Zweite Bundesliga kam er damals noch mit der Spielvereinigung Erkenschwick. Dann erschien das Regiestudium an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film doch etwas verlockender. Es lassen sich schließlich Filme wie „Das Wunder von Bern“ oder „Deutschland. Ein Sommermärchen“ drehen.

Außerdem kann der Beruf des Regisseurs auch mit inzwischen 62 Jahren noch problemlos ausgeübt werden. Ohne dass das Ergebnis irgendwie alt aussieht und ausgewechselt werden muss. Und das, obwohl sich Wortmann mit „Eingeschlossene Gesellschaft“ jetzt schon zum zweiten Mal nach „Frau Müller muss weg“ (2016) des Themas Schule angenommen hat, das bei Millionen von Betroffenen, egal ob Schüler, Eltern oder Lehrer, täglich und verlässlich für graue Haare sorgt.

Sie haben drei Kinder. Gab es jemals Anlass, mit Waffengewalt ein Lehrerzimmer in Geiselhaft zu nehmen, um deren Noten zu korrigieren?
Wortmann: Nein, die sind relativ schlau und waren eigentlich alle ganz okay in der Schule. Unsere Zwillinge haben vergangenes Jahr Abitur gemacht, daher ist das Thema jetzt innerhalb der Familie praktisch überstanden. Im Freundeskreis werden wir seitdem von allen mit jüngeren Kindern total beneidet. Aber ich sehe natürlich nach wie vor überall die Probleme, die es da so gibt. Schule ist einfach für jeden Menschen eine prägende Zeit, in der wahnsinnig viel passiert und auch schiefgehen kann. Der Druck ist heute auf alle Fälle wesentlich größer als noch in meiner Jugend.
„Eingeschlossene Gesellschaft“ wirkt wie eine Fortsetzung von „Frau Müller muss weg“.
Wortmann: Und das ist auch beabsichtigt. Bei „Frau Müller“ war es die Sicht der Eltern auf das System, jetzt ist es in erster Linie die Perspektive der Lehrer. Und das ist eine sehr konträre Sichtweise zu der vorherigen. Es gibt auch schon erste Rufe, die sagen, es müsste nun eine Trilogie werden, denn es fehlt noch die Sicht der Schüler auf das Dilemma. Und darüber denken wir gerade nach. Bildung ist einfach ein riesengroßes Thema für jeden, denke ich. Aber „Eingeschlossene Gesellschaft“ ist trotzdem in erster Linie eine Komödie. Schließlich habe ich mir immer auf die Fahnen geschrieben, Unterhaltungskino zu machen.
Man kann sich leicht von dieser luftigen Oberfläche Ihrer Filme täuschen lassen. Aber eigentlich argumentieren Sie darin immer sehr moralisch. Egal ob es sich wie in „Contra“ um Rassismus dreht oder jetzt um die deutsche Bildungspolitik.
Wortmann: Ich habe da schon meine Ambitionen, das ist richtig. Aber wenn man sich den eigenen pädagogischen Auftrag zu sehr anmerken lässt, verfehlt er sein Ziel und wird zu überambitioniert.
„Eingeschlossene Gesellschaft“ basiert auf dem gleichnamigen Hörspiel von Jan Weiler aus dem Jahr 2018. Kannten Sie das schon, als Ihnen das Filmprojekt angeboten wurde?
Wortmann: Nein, dieses Buch nicht. Aber er war mir natürlich schon vorher ein Begriff, spätestens seit seinem Roman „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ und der Kino-Adaption dazu. Er ist meiner Meinung nach einer der ganz wenigen Autoren, die richtig tolle Dialoge schreiben können. Für ein Kammerspiel wie unseren Film ist das Drehbuch einfach extrem wichtig. Daher war die Zusammenarbeit eine große Freude für mich. Mal ganz abgesehen davon, dass ich immer ein Fan jeder Debatte bin und es sehr genieße, wenn Argumente zugespitzt und in hohem Tempo ausgetauscht werden.

Kommentare