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Bruno Jonas macht ernst: Die Wissenschaft vom Witz

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Von: Rudolf Ogiermann

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Der Ideengeber und der „wissenschaftliche Leiter“: Bruno Jonas (re.) und Germanist Friedrich Vollhardt.
Der Ideengeber und der „wissenschaftliche Leiter“: Bruno Jonas (re.) und Germanist Friedrich Vollhardt. © Oliver Bodmer

Kein Geringerer als Kabarettist Bruno Jonas ist einer der Gründer des „Zentralrats des deutschen Humors“, der bei einem „Humorsymposium“ in der Münchner LMU den Zustand des deutschen Humors wissenschaftlich untersuchen will. Das kann ja heiter werden.

Eine Pressekonferenz mit Bruno Jonas, und dann noch in den Räumen der Münchner Lach- und Schießgesellschaft – wer denkt da nicht automatisch an Werbung für ein neues Programm, inklusive ein paar kerniger Kracher? Doch bei dem, was der Kabarettist hier vorstellt, handelt es sich nicht um die Praxis, sondern um die Theorie. Jonas ist einer der Gründer des „Zentralrats des deutschen Humors“, der wiederum am 25. und 26. November im Großen Saal und im Audimax der LMU ein erstes „Humorsymposium“ veranstaltet.

Was als Name schräg klingt (und wohl auch genau so klingen soll), ist durchaus ernst gemeint. Der Humor, so Jonas bei der Vorstellung der zweitägigen Veranstaltung, solle „wissenschaftlich untersucht und beschrieben werden“, in allen seinen aktuellen Erscheinungen. Dieses Thema sei, so findet er, bisher „nachlässig behandelt“ worden. Künstler aus allen Genres, neben Kabarettisten auch Karikaturisten und Filmemacher, sollen nach dem Willen des 69-Jährigen bei der Tagung „ihre persönlichen Humorerfahrungen zur Sprache bringen“, Fachleute verschiedener Fakultäten sollen darauf antworten.

Und zwar nicht nur Literaturwissenschaftler, wie der Germanist Friedrich Vollhardt als „wissenschaftlicher Leiter“ ergänzt, sondern auch Vertreter anderer Disziplinen wie beispielsweise der Jurisprudenz (siehe unten). Schließlich gehe es nicht zuletzt auch um die Frage, was Satire dürfe – und was nicht. Fragen des Publikums sind erlaubt, „Seminarscheine können bei uns allerdings nicht erworben werden“, wie Jonas augenzwinkernd klarstellt. Ganze Kabarettnummern werde es auch nicht geben: „Es soll ja nicht das Übliche sein.“

Witzig über den Witz zu sprechen, sei schwer, ahnt der erfahrene Spötter, der die Idee zu dem Symposium hatte: „Ich sehe auch die Gefahr, dass das dröge werden kann, aber dann sind wir als Veranstalter aufgerufen einzugreifen.“ Allerdings – auch hitzig könnte die Debatte in der LMU werden, denn die „Empörungsbereitschaft“ sei in Deutschland in den vergangenen Jahren größer geworden. Dürfe man beispielsweise Witze über das Äußere von Grünen-Chefin Ricarda Lang („Früher waren Dick und Doof zwei Personen“) machen? Sein Zwerchfell habe reagiert, sagt das Humorzentralratsmitglied vorsichtig und verwendet dann das Bild von „der großen und der kleinen Trommel“ in jedem Menschen – je nach Größe dieses Instruments sei auch die Schwingung, sprich das Humorverständnis, stärker. Wissenschaftler Vollhardt verweist dazu auf die Anwesenheit einer Evolutionsbiologin beim Symposium, die zu den körperlichen Reflexen auf den Witz referieren werde, „ein boomendes Forschungsfeld“.

Das Symposium als Lehrveranstaltung, auf der man (wieder) das Lachen lernt? Tatsächlich gebe es einen Verlust an satirischer Kompetenz, hat Bruno Jonas festgestellt, neulich habe er in einer Vorstellung Applaus für eine Äußerung bekommen, die komplett ironisch gemeint war. Und fügt geheimnisvoll lächelnd hinzu: „Man kann Sprache zur Verständigung nutzen – aber ist es nicht naiv, es auch zu tun?“ Das ist dann am Ende doch noch eine Pointe.

Das Programm:

Am Freitag, 25. November, diskutieren die Kabarettisten Bruno Jonas und Mathias Tretter sowie die Karikaturisten Greser & Lenz mit Professoren der Germanistik, Kunstgeschichte und Rechtswissenschaft.

Am Samstag, 26. November, gehen dann Kabarettist Gerhard Polt, der Satiriker und Europaparlamentarier Martin Sonneborn sowie Regisseur Leander Haußmann unter anderem mit „FAZ“-Herausgeber Jürgen Kaube und dem Filmwissenschaftler Josef Früchtl dem Witz ganz ernsthaft auf den Grund.

Die Veranstaltungen finden jeweils von 13 bis 18 Uhr statt. Tickets gibt es unter zentralrat.lachundschiess.de. 

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