Eine sitzende Frau betrachtet Gemälde des Künstlers Joan Miró in einem Museum.
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Kunst der Klassischen Moderne: Bilder im Miró-Museum in Barcelona.

Picasso, El Greco, Miró

Kunst in Spanien: Das sind die zehn besten Museen von Bilbao bis Málaga

  • Judith Finsterbusch
    vonJudith Finsterbusch
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Ein Besuch des Prado-Museums gehört zu jeder Reise nach Madrid dazu, auch das Guggenheim in Bilbao ist weltbekannt. Doch Spanien hat noch mehr gute Kunst-Museen zu bieten, hier unsere Top Ten.

Goya malte Spaniens Royals den Stumpfsinn ins Gesicht. Albrecht Dürer wirkt auf einem Selbstporträt wie eine Melange aus Hippie und bärtiger Hofdame. Meisterwerke wie diese finden sich im Madrider Prado. Bei dessen Besuch verspürte der russische Revolutionär Leo Trotzki einst die „Gier eines Ausgehungerten“, um die „kostbaren Schätze“ zu bewundern. Derlei Kunsthunger lässt sich in Spanien mühelos stillen, ob in der Hauptstadt, in Barcelona oder andernorts. Zehn Empfehlungen.

Kunst in Spanien: Zehn besten Museen - Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid

Hier wartet das Who-is-who der Kunstgeschichte. In der Privatsammlung sind sie alle vertreten – übersichtlich angeordnet, aber gebäudemäßig getrennt in ein historisches Stadtpalais und den Erweiterungsbau von Architekt Rafael Moneo: die Rembrandts, Toulouse-Lautrecs, Munchs, Matisses, Monets, Gauguins, Kandinskys, Kokoschkas, van Goghs. Das Museo Thyssen-Bornemisza gehört zum magischen Madrider Kunstdreieck, zusammen mit dem Prado und dem Nationalmuseum Reina Sofía.

Zehn besten Museen Spaniens - Nationalmuseum Reina Sofía, Madrid

Jeder möchte im Museo Reina Sofía zuerst das berühmte Werk „Guernica“ von Pablo Picasso (1881-1973) sehen. Die 27 Quadratmeter große Monumentalanklage gegen Gewalt greift die Bombardierung der heiligen baskischen Stadt Guernica im spanischen Bürgerkriegsjahr 1937 auf - ohne Kämpfe, Soldaten und Flugzeuge zu zeigen. Gerade das, was nicht abgebildet wurde, steigert die Intensität. Dafür brüllt ein Pferd in Todesangst, eine Mutter hält ihr totes Kind in Armen, und ein Mann erhebt die Hände flehend gen Himmel. Gelegentlich wechseln die Museumsexponate bei einem Spaziergang durch die moderne und zeitgenössische Kunst. Doch das Aushängeschild „Guernica“ bleibt.

«Guernica» ist eines der bekanntesten Gemälde Picassos - zu sehen ist es im Nationalmuseum Reina Sofía in Madrid.

Kunst in Spanien: Zehn besten Museen - Museo del Prado, Madrid

Draußen sitzt er mit einem Pinsel in der Rechten auf seinem Denkmal, drinnen steht er als Selbstbildnis auf seinem berühmtesten Gemälde „Die Hoffräulein“ vor der Leinwand: Diego Velázquez (1599-1660). Die Atelierszene mit ihren perspektivischen Verschachtelungen gilt als Meilenstein der Kunst. Im 1819 eröffneten Prado-Museum fehlt unter den alten Meistern kaum ein prominenter Name – ob Fra Angelico, Hieronymus Bosch, Tintoretto, Tizian, Lucas Cranach der Ältere oder Anton van Dyck. Einzigartig ist der Querschnitt durch das Werk von Francisco de Goya (1746-1828). Der Hofmaler mit Hang zur Majestätsbeleidigung in Gestalt stupider Porträtierter war auch Schöpfer der „Schwarzen Bilder“ über die Abgründe des menschlichen Seins.

Zehn beste Museen: Real Academia de Bellas Artes de San Fernando, Madrid

Im Prado kann es wie im ebenbürtigen Louvre in Paris voll werden. Weniger frequentiert sind in der Innenstadtstraße Alcalá die Säle des sogenannten versteckten Prado – das Kunstmuseum der Königlichen Akademie der Schönen Künste San Fernando. Die Ruhe gibt Raum zur Betrachtung von Meisterwerken von Goya, Giuseppe Arcimboldo, El Greco und des Barockmalers Francisco de Zurbarán.

Kunst in Spanien: Zehn besten Museen - El-Greco-Museum, Toledo

Apropos El Greco: Spaniens großer Grieche hieß eigentlich Domenikos Theotokopoulos, stammte aus Kreta und arbeitete lange in Toledo, nicht allzu weit entfernt von Madrid. Dort beherbergt das Greco-Museum in seinem nachempfundenen Wohn- und Arbeitshaus eine fantastische Sammlung. Durchdrungen von religiöser Intensität, zeichneten sich die Kompositionen durch Raumtiefe, überlange Figuren und extreme, fast übernatürlich wirkende Licht-Schatten-Kontraste aus. Das verlieh ihnen eine derartige Ausdruckskraft, dass man unverändert glaubt, die Dargestellten seien nicht von dieser Welt.

Zehn besten Museen Spaniens - Fundació Joan Miró, Barcelona

„Alles kommt von allein, wie der Rhythmus der Natur“, ist von Joan Miró (1893-1983) überliefert. Eingefasst ins Grün von Barcelonas Hausberg Montjuïc, war die Standortwahl des Miró-Museums kein Zufall. Architekt Josep Lluís Sert, ein Freund des Künstlers, schuf den Rahmen für eine beeindruckende Werkschau.

Kunst in Spanien: Zehn besten Museen - Katalanisches Nationalmuseum, Barcelona

Bleiben wir auf dem Montjuïc in Barcelona. Dort plusterte sich Spanien zur Weltausstellung 1929 wie zu Kolonialzeiten auf. Geld spielte keine Rolle beim Bau eines pompösen Palastes. Später fand hier das Katalanische Nationalmuseum (MNAC) seinen Platz. Es beherbergt Schätze vom Mittelalter bis zur Moderne: von romanischen Wandmalereien über einen Abriss europäischer Kunst vom 16. bis 19. Jahrhundert bis zu Werken Picassos.

Spanien: Zehn besten Museen - Barcelona und Málaga: zweimal Picasso

Stichwort Picasso: Barcelona, wo der Künstler einige Zeit lebte, ehrt die Berühmtheit ebenso mit einem Museum wie seine Heimatstadt Málaga. Die Frage, welches besser ist, stellt sich nicht. Sowohl das Picasso-Museum in Málaga als auch das in Barcelona sind in renovierten Palästen untergebracht und Adressen der Extraklasse, die sich ergänzen. Das Picasso-Museum in Barcelona fußte zu Lebzeiten des Künstlers auf dessen Wunsch, obwohl er während der Franco-Diktatur „keinen Fuß“ mehr in seine Heimat setzen wollte. Übrigens: In Santander ist ab Mai eine besondere Picasso-Ausstellung zu sehen.

Spanien: Zehn besten Museen - Guggenheim-Museum, Bilbao

Das weltberühmte Guggenheim-Museum lehrt: Es kommt nicht immer darauf an, was drinsteckt. Die ständigen Exponate beschränken sich im Wesentlichen auf monumentale Stahlskulpturen von Richard Serra. Ein echter Blickfang ist der riesige Blumenhund „Puppy“ von Jeff Koons, während unten zum Fluss Nervión hin die Bronzespinne „Mama“ von Louise Bourgeois ihre Beine ausbreitet.

Nicht nur das Guggenheim-Museum in Bilbao selbst ist ein Hingucker, auch die Blumen-Skulptur davor zieht Blicke auf sich.

Der Reiz des Guggenheim-Museums liegt darin, die Architektur des gebürtigen Kanadiers Frank O. Gehry als Gesamtkunstwerk zu begreifen. Der von 1993 bis 1997 im Zuge der Stadtsanierung entstandene Avantgarde-Bau hat den Imagewandel Bilbaos bewirkt – von einer industriellen Dreckschleuder zum Touristenmagneten. Davon profitiert bis heute ganz Nordspanien. Nur ein Wunsch hat sich nie erfüllt, obgleich eigens ein Saal dafür freigehalten war: Picassos „Guernica“ ins Museum zu holen, weil das echte Guernica (baskisch: Gernika) nur 35 Kilometer entfernt liegt. Dazu müssen Reisende zurück nach Madrid. (dpa)

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