Massengrab der Kultur wird exhumiert

Massengrab des Franco-Spaniens: Grube in Valencia geöffnet

  • Anne Götzinger
    vonAnne Götzinger
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Der Friedhof von Paterna bei Valencia gilt als das große Massengrab des spanischen Bürgerkriegs. Die Überreste von 2.238 Menschen, die in der Franco-Diktatur hingerichtet wurden, sollen hier in 60 Gruben verscharrt worden sein. Jetzt wird ein ganz besonderes Grab exhumiert.

Paterna – Es ist bekannt als das „Massengrab der Kultur“. Denn in der Fosa 114 auf dem Friedhof von Paterna in der Region Valencia werden die sterblichen Überreste von Lehrern, Journalisten, Bürgermeistern, und Personen des Rechtswesens vermutet, die nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs in den ersten Jahren der Franco-Diktatur in Spanien ermordet und verscharrt worden sein sollen. Der Friedhof von Paterna gilt mit mehr als 60 solcher Gruben als das „große Massengrab“ des Bürgerkriegs. Hier sollen die sterblichen Überreste von insgesamt 2.238 Menschen vergraben sein, die von Franquisten an den „Paredón de España“ gestellt wurden, wie die Friedhofsmauer genannt wird, an der die Exekutionen vollstreckt wurden.

PaternaGemeinde in Spanien
Autonome GemeinschaftValencia
ProvinzValencia
Fläche35,85 km²
Einwohner70.195 (Stand 2019)

Jetzt wurde das Massengrab der Kultur erstmals geöffnet. Mit fast 200 Opfern ist es das größte aus der Zeit der Franco-Diktatur, das bis dato in Spanien exhumiert wurde. Auf Initiative des Verbands der Familienangehörigen von Opfern der Fosa 114 in Paterna und mit Unterstützung der Provinzverwaltung von Valencia wurde am 3. Mai zunächst die Platte entfernt, die das Massengrab versiegelte. Nun sollen nach und nach die sterblichen Reste der Hinrichtungsopfer exhumiert werden.

Massengrab der Franco-Diktatur: Journalisten einer Satire-Zeitschrift hingerichtet

Zu diesen zählen etwa der Verleger und der Zeichner der Satire-Zeitschrift „La Traca“, Vicent Miquel Carceller und Carlos Gómez Carrera, sowie der Richter des Amtsgerichts in Valencia, Luis Cisneros. Sie wurden am 28. Juni 1940 mit rund 29 weiteren Personen erschossen und in der Fosa 114 verscharrt. „Jemand wollte den Vertretern der valencianischen Kultur und Politik, die Gedankengut verbreiteten, das sich gegen die Franco-Diktatur richtete, eine Lehre erteilen“, vermutet Matías Alonso, Vorsitzender des Vereins zur Wiederherstellung der historischen Erinnerung. Wenige Tage zuvor, am 14. Juni, seien in demselben Massengrab andere Personen begraben worden, die getötet wurden, „um zu feiern, dass die Nazis Paris eingenommen hatten“, berichtet Alonso.

Massengrab mit Franco-Opfern: Auf dem Friedhof von Paterna wurden über 2.000 Menschen hingerichtet und verscharrt.

Massengrab mit Franco-Opfern: Angehörige mussten lange warten

Die Angehörigen der 197 Opfer aus 66 valencianischen Dörfern hatten mehrere Jahre für die Öffnung des Massengrabs aus der Franco-Zeit gekämpft, deren Aufarbeitung lange auf sich warten ließ. „Nach all den Hürden und Jahren des Kampfes sind wir sehr froh und bewegt“, sagte Carlos Contreras, Sekretär des Verbands der Familienangehörigen von Opfern der Fosa 114 in Paterna. Er erwartet, in dem Massengrab die sterblichen Überreste seines Großvaters Manuel Contreras, Maler und Stadtrat aus Godella, zu finden. Gleichzeitig bedauerte er, dass viele nicht mehr miterleben können, wie die sterblichen Überreste geborgen werden, weil sie bereits gestorben sind. „Wir sind schon die Enkel, unsere Eltern können es nicht sehen, aber sie waren die Kinder derjenigen, die in diesem Massengrab liegen“, sagte Contreras. Auch an anderen Orten im Land Valencia wurden bereits Massengräber exhumiert.

Über 80 Jahre sind vergangen, seit auf dem Friedhof von Paterna Menschen an den Paredón de España gestellt und im Massengrab verscharrt wurden, weil sie die Ideen der Zweiten Republik verteidigten, wie etwa die Macher von „La Traca“. Die meisten Exemplare der Satirezeitschrift wurden vom Franco-Regime zerstört, doch 200 Exemplare blieben erhalten. In einer Ausstellung zeigte die Universität von Valencia im Jahr 2016 Karikaturen aus „La Traca“. „Das valencianische Lachen wurde exekutiert“, sagten seinerzeit die Leiter der Ausstellung über das Schicksal der Zeitungsmacher.

Rubriklistenbild: © Generalitat Valenciana

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