Eine Collage mit Fotos aus verschiedenen Filmszenen von Francisco Rabal aus Águilas.
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Hommage an Paco Rabal aus Águilas: Der Schauspieler wirkte in vielen sozialkritischen Filmen mit.

Erinnerung an einen geliebten Schauspieler

Verneigung vor Paco Rabal: In Águilas ist der Schauspieler unsterblich

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Die Region Murcia und Águilas erinnern an den Schauspieler Paco Rabal, der vor 20 Jahren starb. Rabal wurde nicht nur wegen seiner Erfolge, sondern auch als Mensch verehrt.

Águilas – Vor 20 Jahren am 29. August hat die Stadt Águilas an der Costa Cálida ihren wohl berühmtesten und beliebtesten Bürger verloren. 2001 starb der über die Grenzen von Spanien hinaus bekannte und verehrte Schauspieler Francisco Rabal, der in seiner Heimat nur Paco genannt wurde. Paco Rabal, der starker Raucher war, erlitt im Alter von 75 Jahren während eines Fluges von Montreal in Kanada nach Madrid nach einem Hustenanfall einen Atemstillstand und starb.

Franciso Rabal
Geboren8. März 1926, Águilas
Verstorben29. August 2001, Bordeaux, Frankreich
EhepartnerinAsunción Balaguer (verh. 1950–2001)
KinderTeresa Rabal, Benito Rabal
EnkelkinderLiberto Rabal, Candela Rabal, Luis Rodrigo Rabal, María Rabal

Die Stadt Águilas hat den herausragenden Schauspieler, der seine Wurzeln nie vergaß, mit einer Hommage geehrt, die sein Leben mit Filmen und Fotos aus den jeweiligen Zeitabschnitten Revue passieren ließ und mit einem Dokumentarfilm endete. Die Veranstaltung fand im Kulturzentrum der Stadt statt, das seinen Namen trägt.

Verneigung vor Paco Rabal aus Águilas: Verein zur Erinnerung an den Schauspieler hat einen besonderen Namen

Der Autor, Paco-Rabal-Freund und -Experte, Miguel Ángel Blaya, gründete kurz nach dem Tod des Schauspielers einen Verein zur Erinnerung an Paco Rabal und gab ihm einen besonderen Namen: Milana Bonita, womit wir bei einem der bedeutendsten der fast 200 Filme von Paco Rabal wären. In „Los santos inocentes“ (Die heiligen Narren, 1984) von dem spanischen Regisseur Mario Camus spielt Paco Rabal den geistig zurückgebliebenen Knecht Azarias, der sich rührend um seinen Vogel, eine kleine Dohle, kümmert und sie „Milana Bonita“ ruft, damit sie sich auf seine Schulter setzt.

In dem Film geht es um eine arme Bauernfamilie, die während des Franco-Regimes auf einem Feudalgut in der Extremadura von den Landbesitzern wie Sklaven ausgenutzt und gedemütigt wird. Als einer der Herrschaften bei einer Jagd „Milana Bonita“ mit einer Schrotflinfte erschießt, kommt es zu einer Tragödie.

Verneigung vor Paco Rabal aus Águilas: Hauptsächlich Rollen in anspruchsvollen, sozialkritischen Filmen

Der internationale Durchbruch gelang Paco Rabal schon früher, im Jahr 1959 mit dem mexikanischen Film „Nazarín“ von Luis Buñuel. Rabal stellt einen Pfarrer dar, der sich kompromisslos für die Armen einsetzt, sich dabei die obersten Kirchenvertreter zu Feinden und sich selbst zum Revolutionär macht. Erwähnenswert ist auch „Viridiana“ aus dem Jahr 1958, ebenfalls von Luis Buñuel, über eine junge Nonne, die Armen Asyl gewährt. Doch hinter ihrem Rücken kommt es zu einer Orgie. Paco Rabal verkörpert in dem Film den Frauenheld Jorge. Oder „Goya“ von Carlos Saura aus dem Jahr 1999 über das Leben des spanischen Malers Francisco de Goya, gespielt von Paco Pabal, der dafür mit dem Goya-Filmpreis ausgezeichnet wurde.

Paco Rabal wirkte oft in sozialkritischen und anspruchsvollen Werken mit und gewann zahlreiche nationale und internationale Preise, darunter Auszeichnungen bei Filmfestivals in Montreal, Cannes oder San Sebastián. Er arbeitete mit namhaften Regisseuren zusammen, neben Luis Buñuel, der auch ein enger Frend war, und Carlos Saura auch mit Pedro Almodóvar, dem Franzosen Claude Chabrol oder Luchino Visconti aus Italien.

Verneigung vor Paco Rabal: Seine Frau beschrieb ihn als witzig, bescheiden und großzügig trotz einer Reihe von Affären

Paco Rabal wird jedoch nicht nur wegen seiner beruflichen Erfolge als Schauspieler verehrt. Seine Familie beschreibt ihn als bescheidenen Menschen. Er sei nie eitel oder arrogant gewesen, so wie manche Schauspielerkollegen, die zu Ruhm kamen, sagte Asunción Balaguer, die Frau, mit der Rabal 50 Jahre lang bis zu seinem Tod verheiratet war. Er sei vital, witzig und großzügig gewesen, ein Mensch, dem es gefiel zu reisen und rauszugehen, um sich zu amüsieren, so Asunción Balaguer, die ebenfalls Theaterschauspielerin war, den Job jedoch aufgab, um sich um die beiden Kinder Teresa und Benito zu kümmern.

Ganz einfach war die Zeit für Asuncíon Balaguer, die im Gegensatz zu Paco Rabal aus gut bürgerlichen Verhältnissen in Katalonien stammte, wohl nicht. Dem gut aussehenden Rabal wurden zahlreiche Affären nachgesagt, die der Ehe aber scheinbar nichts anhaben konnten. Statt ihm Eifersuchtsszenen zu machen, wenn er erst spät nach Hause kam, beließ sie es bei Ermahnungen. Wenn er so weiter mache, werde es ihn das Leben kosten, soll Paco Rabal in Interviews erzählt haben. Asunción Balaguer starb am 23. November 2019 im Alter von 94 Jahren. Zuvor hatte sie mit 75 Jahren ein zweites Mal Karriere in Theater und Fernsehen gemacht.

Verneigung vor Paco Rabal aus Águilas: Absage an Hollywood, weil er keine Lust hatte, Englisch zu lernen

Paco Rabal wuchs mit zwei Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater war Bergbauarbeiter und die Mutter Müllerin. Nach dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs 1936 zog die Familie von Águilas nach Madrid, wo Paco Rabal als Straßenverkäufer von Sonnenblumenkernen und Bonbons mit für den Lebensunterhalt sorgte. Als 16-Jähriger bekam er einen Job als Gehilfe eines Elektrikers in den Filmstudios von Madrid. In den Pausen soll er Drehbücher auswendig gelernt und sich um kleine Rollen beworben haben. So kam es, dass er seinen ersten Auftritt 1942 in dem Liebesdrama „La rueda de la vida“ (Das Rad des Lebens) hatte und seine ersten Sätze 1947 sprach in dem Historienfilm „La Reina Santa“ (Die Heilige Königin) über die Königin Isabel de Aragón.

Der Grundstein für Rabals Erfolg war gelegt. Zu Anfang galt es noch als guter Tag, wenn er sich einen Kaffee und ein Brötchen leisten konnte. In den 1950er Jahren hatte er die Chance, nach Hollywood zu gehen. Doch er hatte keine Lust, Englisch zu lernen, blieb und machte trotzdem Karriere. Auch als berühmten Schauspieler zog es Paco Rabal immer wieder in seine Heimat nach Águilas in das Familienhaus in Calabardina direkt am Meer, das übrigens auch „Milana Bonita“ hieß. Heute trifft man Paco Rabal als Bronzestatue unter einem Mandelbaum sitzend bei einer Kapelle in dem kleinen Dorf Cuesta de Gos bei Águilas, wo er geboren und begraben wurde.

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