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Tauben, Stiere, Tänzerinnen: Picasso Geburtshaus in Málaga erfindet sich neu

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Von: Marco Schicker

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Picasso Geburtshaus in Málaga
Runderneuert zeigt sich das Picasso Geburtshaus in Málaga zum Picasso-Jahr 2023. © Javier Ramírez/Ayuntamiento de Málaga

Das Picasso-Geburtshaus in Málaga wurde runderneuert und zeigt viel mehr Werke als zuvor. Sie verschmelzen mit Dokumenten aus Picassos Jugend und der Welt, in der er aufwuchs, werfen einen Blick auf seine Talente, Inspirationen und Obsessionen.

Málaga - Picassos Geburtshaus an der Plaza de Merced in Málagas Zentrum ist eine der Perlen der Stadt und auch von selbiger sowie einem Freundeskreis betrieben. Gemeinsam mit der umfangreichen Werkschau des Museo Picasso mitten in der Altstadt ehrt das Museo Casa Natal Picasso den größten Sohn der Stadt nicht nur würdig, sondern hält durch zahlreiche Symposien, Konzerte, Lesungen, Gastausstellungen, aber auch Aktivitäten für Kinder das Erbe des genialen Zampanos der Bildenden Kunst lebendig.

Die Schau war allerdings in die Jahre gekommen, das Haus selbst auch. Mehrere Monate wurde es renoviert, es gibt eine neue Klimaanlage, einen modernen Aufzug, ein zeitgemäßeres Beleuchtungskonzept. Vor allem aber wurde das Erlebnis für die Besucher neu konzipiert, sie sollen sich dem Meister nun noch näher fühlen. Die gesamte Ausstellung wurde nicht nur neu geordnet, sinnlicher gemacht, sondern auch um etliche Werke, vor allem Drucke und Zeichnungen Picassos bereichert, die bisher nur bei Sonderschauen zu sehen, sonst aber im Depot verwahrt waren. Jetzt, zum baldigen Picasso-Jahr 2023, anlässlich des 50. Todestages fahren sie alles auf, was das Lager hergibt.

Viele Frühwerke Picassos im Geburtshaus in Málaga zu sehen

Die Verbindung zwischen Leben, Werk und Wirkung herzustellen, das will Picassos Geburtshaus-Museum ebenso erreichen, wie die Verbindung zur Stadt herstellen. So führt uns gleich der erste Saal in die Malschule de Bellas Artes de Málaga, wo Picassos Vater, José Ruiz Blasco, nicht nur seinem Sohn Zeichenutnerricht gab. Die Kindheit in Málaga wird mit Werken der Zeit illustriert, darunter Künstler, die den späteren Meister nachweislich inspirierten. Die Säle zwei und drei widmen sich Picasso Arbeit mit und an Modellen, seiner Obsession für den nackten Frauenkörper, die sich durch alle Schaffensperioden zieht. Etliche originale Studien sind hier zu sehen, ein Atelier nachgestaltet, eine Video-Wand zeigt weitere Werke wie im Zeitraffer.

Picasso-Gemälde in Museum in Málaga.
Ein Picasso-Frühwerk mit Tauben. Die Tiere wurden später sein Markenzeichen. Zu sehen im Picasso-Geburtshaus in Málaga. © Wikimedia/Palickap

"Ich wurde von einem weißen Vater und einem Gläschen andalusischen Schnapses gezeugt", spottete Picasso in einem seiner Gedichte. In der Belletage des Hauses erfahren wir mehr über das Familienleben der Picasso-Ruiz in Málaga, anhand von persönlichen Gegenständen, Einrichtung, Fotos, einem Stammbaum und gezeichneten Portraits, fast Karikaturen, die der 14-jährige Picasso von seiner Familie machte. Ein weiterer Raum lässt die bürgerlich-intellektuelle Ästhetik des ausgehenden 19. Jahrhunderts erkunden, anhand von Gemälden und Möbeln, die der Familie gehörten. Ein Flair, das die Plaza Merced unter dem Fenster teilweise erhalten konnte.

Stiere, Tauben, Tänzerinnen: Málaga will Picassos Werk mit seinem Leben verbinden

Ausgetretene Schuhe, die Taufurkunde, Klamotten des jugendlichen Picasso warten im sechsten Saal, auch Fotos der Familien-Finca, die eigentlich seinem Taufenpaten gehörte, in den Montes de Málaga. Hier sehen wir auch die ersten Tauben, jene friedensbringenden Vögel, die Picasso später weltberühmt machten und bis heute sozusagen sein Wappentier sind. Sie waren schon das Lieblingsmotiv seines Vaters und das Museum zeigt uns eine Zeichnung des nur neunjährigen Picasso mit einem Taubenschlag. Die pazifistischen Aktionen des späteren Meisters flimmern als Doku an einer Wand.

im Picasso-Geburtshaus in Málaga
Mehr Originale, wie diese Taurino-Serie sind jetzt im Picasso-Geburtshaus in Málaga zu sehen. © Javier Ramírez/Ayuntamiento Málaga

In weiteren Sälen werden Picassos Beziehung zum mediterranen Raum, seine Affinität zum Stierkampf, zur Mythologie, zu Ballettänzerinnen behandelt, mit Statuen, Radierungen, Drucken, über 100 Werken, die bisher nicht oder nur zeitweise zu sehen waren. Tatsächlich waren Szenen der Stierkämpfe, zu denen der Vater Picasso mitnahm, mit die ersten Werke überhaupt. Den Kuratoren gelang es sogar, eine zerstückelt geglaubte Druckserie zum Thema wieder zusammenzufügen. Freunde kommen zu Wort, Exilkollegen, Picassos Heimweh nach Spanien aus dem Exil wird thematisiert. Die spanische Fahne, in die ein Freund den Toten 1973 einwickelte, ist als Reliquie in Málaga zu sehen. Ein gesprochener Gruß des Dichters Rafael Alberti an Picasso wird dem Besucher am Ende mit auf den Weg gegeben.

Das Museo Natal de Picasso, Plaza Merced, Málaga, öffnet täglich, einschließlich an Feiertagen, von 9.30 Uhr bis 20 Uhr. An Sonntagen ist der Eintritt ab 16 Uhr frei. Weitere Infos: www.museocasanatalpicasso.malaga.eu

Zum Thema: Andalusiens Seele in Öl - Sammlung Museum Thyssen Málaga.

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