Säulen-Gänge in der Moschee Kathedrale von Cordoba.
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So leer war die Moschee von Córdoba wohl seit der Reconquista nicht mehr. Fremdenführer versauern hinter den 800 Säulen.

Reisen unter Corona-Regeln

Córdoba unter Tränen: Reiseskizzen aus der „neuen Normalität“ in Spanien

  • vonMarco Schicker
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Als dieser Artikel fertig geschrieben wurde, war er schon veraltet. Denn die beschränkte Reisefreiheit in Spanien ist wegen des Coronavirus im November wieder aufgehoben worden. Doch die surrealen Erlebnisse und provokanten Erkenntnisse des Autors bei seinem Abstecher ins fast menschenleere Córdoba behalten ihre Gültigkeit. Sein selbstkritisches Fazit: Wir Wohlstandsmenschen sind zu unerträglichen Jammerlappen verkommen.

Córdoba - „Ich glaube, du bist seit Tagen der erste Ausländer, der hier hereinschneit, es ist jetzt immer so leer, obwohl wir gerade die Woche der offenen Patios haben. Selbst zum Brückenwochenende waren kaum mehr Leute da.“ Der Täschner, der seine kleine Verkaufswerkstatt direkt neben der Moschee-Kathedrale in einem 500 Jahre alten Häuschen in Córdobas Alstadt betreibt, nutzt den Leerlauf zur Produktion und zur Deckung seines ungestillten Gesprächsbedarfs.

Weisheiten aus Córdoba: Der alte Täschner und die Esel

„Ich arbeite jetzt auf Vorrat und mein Sohn hilft mir, ein Internet-Geschäft aufzubauen“, nuschelt er auf Nachfrage über die Lage der Nation durch seine Maske. Feinstes Ziegen- und Kalbsleder, so geschmeidig wie Seide, verarbeitet der alte Meister, wie wohl schon 20 Generationen vor ihm. „Die Wenigen, die kommen, kaufen einen Schlüsselanhänger oder ein Armband, die Leute haben kein Geld oder horten es lieber. Man weiß ja nicht, was noch kommt.“

Die Patios offen, die Kneipen zu. Die riesige Altstadt von Córdoba ist dieser Tage nahezu verwaist.

Fast eine Stunde philosophieren wir über die Zeitenwende, über Nachhaltigkeit, wie wir Menschen es übertrieben haben mit dem touristischen Jet Set, dem Konsum, der Umweltverschmutzung. Wir sind uns sicher, dass uns das Coronavirus zurück in Gepflogenheiten der 60er oder 70er Jahre zwingt, nur beim Jahrhundert werden wir uns nicht einig. Kein Kunde stört unseren Plausch der Hobby-Philosophen. „Es geht auch mit weniger, nur mit Nichts geht es nicht.“

Er glaubt, die Leute brauchten „nur Zeit, sich zu gewöhnen; wir Spanier sind doch wie alte Esel, wir bleiben lieber stur im Dreck stehen, schauen auf das Hinterteil des Vordermanns und wiehern genervt, als dass wir von einem gewohnten Pfad abweichen“, improvisiert er eine glänzende Quijotiade, die nicht nur nach Spanien passt. Vorfahren von Cervantes waren in diesen Gassen Córdobas über Generationen Tuchmacher. Das hat wohl abgefärbt. Seine Weisheiten stecke ich mir in eine seiner Taschen und nehme sie mit.

Mailand oder Córdoba? Hauptsache Spanien - Das Abenteuer Zugfahrt oder: "Bitte mal selbst recherchieren"

Die Bahnstation von Albacete zur „Rush hour“. So leer sieht es in fast ganz Spanien derzeit aus.

Reisen in Corona-Zeiten. Wenn man uns lässt: Vorsicht und Humor gehören dabei ins Gepäck. Mailand oder Córdoba? Hauptsache Spanien! Auf renfe.com, der Webseite der spanischen Eisenbahn, legt man sich, um Schlangestehen in den Reisecentern zu umgehen, heute am besten ein Kundenkonto an, mit E-Mail und N.I.E., ohne die man in Spanien nicht mal ein Glas Wasser bekommt. Die Verbindungssuche bei Renfe ist vorsintflutlich. Anschluss- und Umsteigeverbindungen sind Neuland. Sucht man zum Beispiel die Verbindung Alicante-Córdoba, bekommt man die Auskunft, dass es „derzeit keine solche Verbindung“ gibt. Es gibt gar keine direkte Verbindung zwischen der Comunidad Valenciana und Andalusien.

Da man Madrid, über das alle AVEs fahren, meidet wie der Teufel das Weihwasser, sucht man sich auf der Strecke selbst einen Knotenpunkt. Albacete. Spaniens Hannover. Von dort fährt, von Barcelona über Valencia und Xátiva kommend, ein Zug, der „Torre de Oro“, bis Sevilla mit Halt in der alten Kalifatshauptstadt Córdoba.

Da fällt mir ein, dass ich vor einem Jahr noch für 19 Euro hin und zurück Alicante-Sevilla geflogen bin. Die Welt musste ja irgendwann vor die Hunde gehen. Die Bahntickets kauft man einzeln pro Hin-und-Rück-Verbindung. Hinweise über Corona-Beschränkungen bleiben kryptisch, man möge „sich informieren“. Im Netz sieht man ja, wohin das führt, wenn die Leute „mal selbst recherchieren“. Bezahlt wird unkompliziert über Kreditkarte, Sofortüberweisung oder Paypal und das Ticket gibt es per PDF zum Druck, als SMS mit Link auf einen QR-Code oder auf die praktische App Passbook, wo sie sortiert aufscheinen und offline verfügbar sind.

Vom Hannover Spaniens ins karmesinrote Andalusien

Eine Stunde im leeren AVE von Alicante nach Albacete, freundliche Renfe-Hostessen verteilen 70-prozentige Alkohollösungen in kleinen Fläschchen. Einen Kurzen auf den Weg. Ab Albacete geht es gen Norden durch Don Quijote-Land, die südliche Mancha und ihre Steppen, goldene Weizen- und Baumwollfelder, dicht vorbei an den Windmühlen von Villarrobledo und Alcázar de San Juan. Es folgen das buschige Weinland von Valdepeñas, das Logo-Mädchen des Ölproduzenten „La Española“ lächelt uns von ihrem Hauptsitz nach. Die Erde färbt sich allmählich ins Karmesinrot Andalusiens, endlose Reihen Olivenbäume und die wilden Schluchten der Sierra Morena. 380 Kilometer durch Spaniens Herz und Eingeweide in gemütlichen viereinhalb Stunden.

Fahrt durch die Mancha, Quijote-Land. Die Windmühlen bei Alcázar de San Juan auf der Fahrt nach Córdoba laden zu jeder Menge Gleichnissen ein.

Renfe findet zwar keine Umsteigeverbindungen, vergibt dafür aber Sitzplätze doppelt, obwohl nur ein Dutzend Menschen im Zug reisen. Der geballte Volkszorn degradiert den Zugbegleiter zum Komparsen. Ein 80-jähriger Landwirt weist den Reisenden selbst die Plätze zu, wie seinen Manchego-Schafen die Melkplätze.

Cervantes' Großvater: Grund- und Menschenrechte im Angesicht der Inquisition

Angekommen in Córdoba geht es zunächst auf die Plaza de la Corredera, die mächtige und einzige rechteckige Plaza Mayor Andalusiens, fast so groß wie der Markus-Platz in Venedig und so leer wie Stuttgarts Innenstadt an einem Samstagabend. Ich bin der einzige Gast auf einer Kaffeehausterrasse und übe den traditionellen Beruf eines spanischen Adeligen aus: Sherryschlürfendes Nichtstun. Meine Blicke schweifen ungebremst von Lebenszeichen über den Platz.

Nur selten gönnt sich ein Tourist noch eine Fahrt im sanitär vorbildlich ventilierten Fiaker durch Córdoba.

1504 starben genau hier 107 Menschen im Feuer. Bei einem Autodafé, wie die Spanische Inquisition ihre pädagogisch wertvollen Hinrichtungen als Glaubensbekenntnis (auto=selbst, da=gibt, fé=Glauben) der Zaungäste umschrieb. Großinquisitor Diego Rodriguez de Lucero hatte über Wochen „falsche Konvertiten“ zusammengetrieben und mürbefoltern lassen, vor allem „Kryptojuden“, denen man unterstellte, heimlich weiter ihren Kulten nachzugehen, Brunnen zu vergiften und kleiner Mädchen Blut zu trinken. Dazu kamen Ketzer und Morisken, also vom Islam konvertierte Cordobeser, Opfer der Denunziation ihrer verblendeten, dummen, verrohten Mitbürger.

An Luceros Seite arbeitete damals ein gewisser Juan de Cervantes, Notar und Vollstreckungsbeamter, der Großvater des berühmten Miguel. Er wurde aktenkundig dafür, sich die Besitztümer der Ungläubigen unter den Nagel gerissen zu haben.

Diese armen Seelen hätten sich damals über eine Diktatur beschweren mögen, denke ich mir, denen hat man wirklich Grundrechte genommen, zu denen heute offenbar schon gehört, sich und andere nach Lust und Laune den Darwinschen Ausleseregeln auszusetzen. Der Täschner hatte wohl recht, wir Menschen in den Wohlstandsländern sind zu einem Haufen verhätschelter Weicheier verkommen.

Verhungern auf Damast gebettet: Spaniens Hotels in der "neuen Normalität"

Ein Hotel zu buchen ist im verseuchten Spanien gerade eine Lust. 5-Sterne-Häuser balgen sich mit Sonderangeboten um den Gast, man wird umworben, als käme der Kalif selbst zurück nach Córdoba. Aber Obacht: Sie können zwar ein Luxus-Hotelzimmer zum Preis einer Jugendherberge bekommen, vielleicht in einem der Häuser, die auf fünf Schichten iberisch-römisch-gotisch-islamisch-christlicher Geschichte gebaut sind, mit einem Innenhof zum Götter zeugen, doch sie werden darin verhungern wie in einem Kerker der Inquisition, nur auf Damast gebettet.

Die alte Römerbrücke über den Guadalquivir in Córdoba hat in ihren 2.000 Jahren schon ganz anderes gesehen als „Corona“. Die Bögen 14 und 15 sind übrigens noch original.

Das Restaurant geschlossen, die Bar verwaist, selbst den Kaffeeautomaten, den sonst nur das Personal benutzte, hat man abgeklebt. „Wenn wir den in Betrieb nehmen, bräuchten wir eine Extrakraft, die das Gerät nach jedem Espresso desinfiziert“, heißt es entschuldigend. Die Reisebibliothek ist geräumt, jemand könnte ja ein Buch anfassen – eine unwahrscheinliche Gefahr heutzutage. Auch das angepriesene Spa ist geschlossen, die Sitzlandschaft der Lobby wurde durch Aluminium-Konferenzstühle im Mindestabstand ersetzt. Booking.com empfahl den Schnell-Check-in, ein Foto des Passes und man verhindert, dass die Rezeptionistin ihn anfassen muss. So tasten wir uns berührungslos ins neue Leben. Die App zeigt bei der Buchung Häuser an, die eine kostenlose Stornierung bis kurz vor Anreise ermöglichen, bei dieser Wanderseuche ist das nützlich.

Córdobas leere Moschee-Kathedrale: Eintrittskarten in die "neue Banalität"

Für die Alhambra in Granada, wo Al-Ándalus einst glänzend mit den Nasriden unterging, musste man früher bis zu drei Monate im Voraus Tickets online bestellen. Für die Mezquita-Catedral von Córdoba, wo 750 Jahre zuvor alles mit den Omeyaden begann, galt das Gleiche. Zwei Millionen Menschen besuchten die Moschee mit der hineingerammten Kathedrale 2019. Heute gibt es hier wie dort keine Schlangen mehr.

Ich habe das Ticket zwar online gebucht (mezquita-catedraldecordoba.es), aber war zur Aufrufzeit um 10 Uhr mit einem genauso verirrten Japaner der einzige Gast, der das Weltwunder sehen wollte. Das soll seit Abderramán III. nicht mehr vorgekommen sein. Vor uns huschten ein paar Fremdenführer in die Moschee und warben um eine „individual guided tour“. Zehn Euro pro Person, „wenn sich noch zwei finden, können wir starten“, hieß es. Ich glaube, der arme Mann wartet heute noch auf mich an einer der 800 Säulen.

Christoph Columbus verhandelte in Córdoba mit den Katholischen Königen seine Reise in die „Neue Welt“. In der „neuen Normalität“ gibt es für uns nicht so viel zu verhandeln.

Der Eintritt in den Real Alcázar, seit dem 13. Jahrhundert Königsresidenz, mit den uralten Gärten sowie ins Archäologiemuseum und das Museum der Schönen Künste ist kostenlos. In die Letztgenannten spaziert man einfach hinein, für Ersteren braucht man hingegen eine cita previa, also eine Terminvereinbarung im Irrgarten der Webseite des Rathauses (citaprevia.cordoba.es). Hätten die Mauren die cita previa eingeführt, keine Christenseele hätte je ihre Burggräben überwunden!

Und so zieht die „neue Banalität“ in unseren Alltag ein. Man steht an den königlichen Stallungen und bucht das Ticket über einen QR-Code. An der Stadtmauer warten ein Dutzend Pferdedroschken auf Passagiere. Jeden Tag stehen sie hier in der gleichen Reihenfolge, die Kutscher auf einer Bank, eine nach der anderen rauchend, das Kreditkarten-Lesegerät auf dem Schoß.

Blasen im Flaschenhals: Der Restaurantbesuch

Ohne Termin überwindet man in Spanien dieser Tage keinen Burggraben mehr. Eingang zum Alcázar de los Reyes cristianos in Córdoba.

Als ich in Córdoba ankam, war die Gastronomie bis 24 Uhr geöffnet, als ich abreiste noch bis 22 Uhr. Womöglich gibt es nächste Woche nur noch Frühstück, schon dräut eine Ausgangssperre. Auf den Terrassen spazieren Hinterteile anderer Touristen nur Zentimeter am eigenen Tisch vorbei. Es hat etwas Absurdes: All die Planung, Verbote, Stufenpläne, Zertifikate verenden im Flaschenhals einer mittelalterlichen Gasse. Der einzigen, die überhaupt belebt ist dieser Tage.

Gespräche unter Gästen fremder „Blasen“ gibt es nur noch selten, man beäugt sich, spricht aber mit sich selbst. Man nimmt die sanitäre Maske ab und setzt die Maske der Unnahbarkeit auf. Masken als treue Reisebegleiter, beim Einkauf, auf dem Weg zur Arbeit noch notwendiges Übel, sind sie im Urlaub auf Dauer so amüsant wie ein Schwarm Wespen. Ich reise zwei Tage früher aus der Kalifen-Stadt ab. Es war schön, aber unerträglich.

Pferdchen mit Reinheitsgebot: Das Event

Am Abend vor der verfrühten Rückreise gönne ich mir ein Abschlussfest. Es geht in die Caballerizas Reales, die Königliche Reiterei, die König Felipe II. ab 1570 als großartige Stallungen neben die Residenz bauen ließ. Sie wurde zur Wiege der „pura raza andaluza“, dem Reitpferd mit Reinheitsgebot und Stolz Spaniens. Unwissentlich weile ich der ersten Show seit Corona bei, eine Flamenco-Band spielt auf, ihre Flamenco-Tablaos sind fast alle geschlossen, man platziert mich nach Fiebermessen und Belehrung auf einen mit purpurnem Samtimitat bezogenen quietschenden Plastikstuhl. Eine abwaschbare VIP-Lounge, Potemkin wäre stolz.

Es gibt für die etwa 100 locker verteilten Besucher keine Gastronomie, ein Glas Wein zur erhabenen Dressur-Show wäre wohl zu viel der guten Laune geworden. Neben mir sitzt die Kulturchefin der Cordobesischen Provinzverwaltung, die Zeit hat, alle Kulturevents dieser Tage persönlich abzuklappern. Alle beide.

Die Lichter wechseln von Weiß auf Rot, die Türme des Alcázars im Hintergrund erstrahlen dunkelgold, Fackeln flattern und Picadores mit ihren prächtigen Pferden vollführen erst ihre eleganten Dressur-Mätzchen, um dann Flamencotänzerinnen im leichten Galopp zu mystischen Gitarrenklängen zu umgarnen. Enger werdende Kreise ziehen sie im Sand um die kleinen, wie Embutidos in ihre roten Kleider gepressten Schönheiten – es war wohl die Zweitbesetzung. Stolz, wenngleich sich schmachtend verzehrend, verneinen sie kokett die unzüchtige Werbung von gezüchteten Hengsten herab, um ihnen nach dem uralten Drehbuch dann doch zu verfallen.

Aufgalopp und Krokodilstränen der Rührung: Abschied von der alten Zeit

Und da gibt es kein Halten mehr: Den Zuschauern rinnen dicke Tränen auf die Designer-Steppjacken, als wenn der Druck der letzten Monate auf einmal abfällt. Die Tränen sind so echt wie jene, die sie auch bei den Osterprozessionen vergießen, wenn die Heiligenfiguren aus den Kirchen wanken, was sie dieses Jahr ja nicht durften. Sie wollen nun raus, diese Tränen, doch warum sie sie weinen, ist vielen wohl noch nicht klar. Es ist nicht nur aus Rührung, ihre alten Traditionen in den mit Zauberwerk zur berittenen Kathedrale verwandelten Stallungen wieder live erleben zu dürfen, sondern es sind Tränen des Abschieds.

Abschied von einer Zeit, die nie wiederkommen wird und die schon vergangen war, bevor uns allen das bewusst wurde, weil wir von uns selbst berauscht taub und blind geworden sind und jetzt durch ein Virus vom Event Mensch auf unser nacktes Ich reduziert wurden. Die große Leere, die wir da erblicken, ja, ist die denn nicht zum Heulen?

Das ansteckende Lachen der Super-Spreader

Jetzt dreht er durch, der Autor, werden Sie denken, aber nein, lassen Sie mich das jetzt sagen. Da ich kleiner Systemschreiberling derbald wahrscheinlich sowieso auf einer Plaza Mayor in Flammen aufgehen werde, wie sich das doch viele von Ihnen wünschen, möchte ich hier wenigstens noch Zeugnis ablegen von diesem spontanen Autodafé in Córdoba im Oktober 2020, auf dass dieser Artikel dereinst als Schlüsseltext zur neuen Normalität angemessen gewürdigt werden kann. Hätte Cervantes noch Stoff für eine allerletzte Komödie gesucht, hier, in der königlichen Reiterei zu Córdoba, – ja es muss hier „zu“, nicht „in“ heißen – hier wäre er fündig geworden!

20 Meter entfernt, in Corona-Maß also direkt neben mir, tollen minderjährige cordobesische Super-Spreader herum. Im Unterschied zu unseren andalusischen Pferdchen bleiben die Kinder unzähmbare Fohlen, mit Maske, aber sorgenfrei lachend und um die krokodilstränenden Alten herumtobend, als würde es uns gar nicht mehr geben. Für sie ist die neue Normalität nicht neu, für sie ist sie normal. Ihr Lachen ist genauso gelöst wie es in der „guten alten Zeit“ war, damals, als wir auch noch lachen konnten. Es ist zum Glück ansteckend.

Epilog: Columbus und Corona

Hier in den alten Gärten des Alcázar de los Reyes Cristianos, seit der Eroberung Córdobas 1248 die Residenz der christlichen Könige, bekommt alles plötzlich einen Sinn. An Wasserspielen, zwischen streng getrimmten Lebensbäumen und sorglos ausschlagenden Oliven, finden wir das berühmteste Denkmal der Stadt. Die Katholischen Könige, Isabel I. und Fernando II., stehen stocksteif einem bittstellenden Christopherus Kolumbus gegenüber, der mit ihnen über seine Reisepläne verhandelt. Sie wollten eine Abkürzung nach Indien finden und stießen auf die „Neue Welt“. Sie wollten Pfeffer und bekamen Gold. Auf welchen Kontinent wird uns die Reise in die „neue Normalität“ führen? Wird sie auch so ein überraschendes Ende finden?

Nun gut, als Tauschware für die Reichtümer des neuen Kontintents lieferten die Spanier damals Bibeln, Seuchen, Sklaverei. Was für wenige das Goldene Zeitalter wurde, blieb für die meisten die Hölle auf Erden und am Ende war Spanien mehrmals bankrott und landete, als der Rest Europas in die Neuzeit aufbrach, wieder im Mittelalter. Aber so muss es ja nicht werden. Bankrott und Sklaverei. Das blüht uns nach Ansicht der in der Youtube-Uni graduierten Widerstandsbewegung ohnehin bald wieder. Vielleicht eignen sich Kolumbus und die Reyes Católicos doch nicht so ideal als mutmachendes Gleichnis? Um das herauszufinden, müssten wir unsere Reise auf den unbekannten Kontinent erst einmal beginnen.

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