Der Schauspieler Timothy Spall steht in einer Szene des Films „It snows in Benidorm“ auf Benidorms Partymeile.
+
Wenn in Benidorm Schnee liegt: Timothy Spall spielt die Hauptrolle in dem Film von Isabel Coixet.

Drama von der Costa Blanca

Schnee in Benidorm: Neuer Film von Isabel Coixet im Kino

  • vonJudith Finsterbusch
    schließen

Isabel Coixets neuer Film „Es schneit in Benidorm“ ist Drama und Romanze - und steckt voller Kontraste.

Benidorm - Unzählige Hochhäuser neben der wild-romantischen Natur der Sierra Helada, Alkoholleichen neben einem Rentner-Chor, Neonlicht über Elektro-Rollstühlen, leere Straßen bei Tag, kaum ein Durchkommen bei Nacht: Benidorm ist einzigartig und Benidorm steckt so voller Kontraste wie kaum eine andere Stadt in Spanien. Eine Stadt, die auf Briten eine ebenso große Anziehungskraft auswirkt wie auf spanische Senioren, in die Basken vor dem ETA-Terror genauso flohen wie homosexuelle Paare auf der Suche nach einem ungestörten Urlaub an der Costa Blanca. Und eine Stadt, die schon immer auch Filmemacher faszinierte – Drehorte gibt es zweifelsohne mehr als genug. Nur Schnee gibt es normalerweise nicht in Benidorm - normalerweise.

Schnee in Benidorm: Isabel Coixets Film mit Timothy Spall in der Hauptrolle

In die Liste der Regisseure, die Benidorm für sich entdeckten, hat sich nun auch Erfolgsregisseurin Isabel Coixet eingereiht. „It snows in Benidorm“ (Deutsch: Es schneit in Benidorm) heißt das britisch-spanische Drama der Katalanin, das im Dezember in allen gängigen spanischen Kinos angelaufen ist. Die mehrfache Goya-Preisträgerin Isabel Coixet schickt nach Filmen wie „Der Buchladen der Florence Green“ oder „Mein Leben ohne mich“ dieses Mal einen männlichen Protagonisten ins Rennen. Peter Riordan, gespielt von Timothy Spall, ist Einzelgänger, manisch, Wetterphänomene sind seine Obsession. Als seine Bank in Manchester ihm kündigt, stürzt er sich zum ersten Mal in seinem Leben in ein Abenteuer – für seine Verhältnisse. Der Banker reist nach Benidorm, um seinen Bruder Daniel zu besuchen, den er seit Jahren nicht gesehen hat.

Vor Ort stellt Peter in „Es schneit in Benidorm“ fest, dass sein Bruder nicht nur eine Burlesque-Bar in Benidorm betrieb, sondern auch verschwunden ist. Eine der Frauen aus dem Club, die mysteriöse Alex, gespielt von Sarita Choudhury, macht sich mit Peter auf die Suche nach dessen Bruder. Helfen sollen ihnen dabei ein Fleischer, eine Putzfrau und eine Polizistin, die besessen ist von Sylvia Plath und dem Aufenthalt der amerikanischen Poetin in Benidorm.

Schnee in Benidorm: Film-Hommage an Sylvia Plath

Tatsächlich verbrachte Plath 1956 ihre Flitterwochen in Benidorm, und Isabel Coixet widmet der Schriftstellerin eine kleine Hommage. Ebenso wie Benidorm seine Hommage bekommt – Coixet filmt die Stadt mit Humor, ohne sich über sie lustig zu machen, hält trotz der offensichtlichen Hässlichkeit der Häuserschluchten auch die versteckte Schönheit fest, die sich erst auf den zweiten Blick offenbart. Und wenn in Benidorm Schnee liegt, ist sowieso alles möglich.

Erfolgsregisseurin Isabel Coixet hat ihren neuen Film in Benidorm gedreht.

Isabel Coixet erzählt die Geschichte von Peter und Alex, die selbst so kontrastreich sind, dass sie sich nie über den Weg gelaufen wären, wenn nicht in Benidorm. Und sie erzählt in „Es schneit in Benidorm“ die Geschichte eines Mannes, der erst nach Benidorm reisen musste, um sich selbst zu finden. „Wir sind erst dann jemand, wenn uns jemand anschaut, oder besser gesagt, uns sieht. Genau das hat mich so an dem Film gereizt: Die Möglichkeit einer zweiten und dritten Chance, wenn du glaubst, dass du niemals auch nur eine erste Chance gehabt hast“, meinte Timothy Spall in einem Interview mit „El País Semanal“.

Schnee in Benidorm: Wie die Costa Blanca 1956 aussah

Übrigens schrieb Sylvia Plath 1956 in einem Brief an ihre Mutter: „Nach einer Stunde Fahrt im Bus durch wüstenartige Berge mit roter Erde, Olivenplantagen und Büschen, alles so typisch, sah ich das funkelnd blaue Meer, die saubere Kurve der Strände, die unberührten Häuser und Straßen – all das mit einer kleinen und glänzenden Stadt wie aus dem Märchen.“ Schnee lag damals offensichtlich nicht und Plath beschreibt ein Benidorm und eine Costa Blanca, die es heute so nicht mehr gibt. Die den Eindrücken von Sylvia Plath aber vielleicht jetzt, mitten in der Corona-Pandemie, am nächsten kommen. Ganz ohne Junggesellenabschiede oder singende Rentner, ein Benidorm, das wegen der ausbleibenden Touristen ums Überleben kämpft. Ein Benidorm, das ohne all die Kontraste, die Isabel Coixet in „Es schneit in Benidorm“ auf die Leinwand bringt, gar nicht Benidorm ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare