Autor von „Der Schatten des Windes" an Krebs gestorben

Autor Carlos Ruiz Zafón gestorben: Keiner für den Friedhof der vergessenen Bücher

  • vonStephan Kippes
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Carlos Ruiz Zafón galt als einer der populärsten Schriftsteller der Gegenwart. Seine Barcelona-Romane machten ihn weltberühmt. Am 19. Juni starb der 55-Jährige an Krebs.

  • Carlos Ruiz Zafón stirbt in Los Angeles mit 55 Jahren an Krebs.
  • „Der Schatten des Windes“ verkaufte sich 15 Millionen mal.
  • Zwei Jahre lang kämpfte Zafón gegen die Krankheit.

Barcelona - Der wohl erfolgreichste spanische Schriftsteller der Gegenwart, Carlos Ruiz Zafón („Der Schatten des Windes“), ist am 19. Juni im Alter von 55 Jahren in Los Angeles gestorben. Der Autor sei an Krebs erkrankt gewesen, meldete die Nachrichtenagentur Europapress unter Berufung auf seinen Verlag Planeta am Freitag. „Heute ist ein sehr trauriger Tag für alle bei Planeta, die ihn kannten und mit ihm in den vergangenen 20 Jahren zusammengearbeitet und dabei eine Freundschaft geschlossen haben, die über das Berufliche weit hinausgeht“, stand in einer Erklärung seines Verlags. „Aber durch seine Bücher wird er unter uns allen lebendig bleiben.“

Autor Carlos Ruiz Zafón verliert den Kampf gegen Krebs - Ruhm und Erfolg halfen nicht

Carlos Ruiz Zafón habe zwei Jahre lang gegen den Krebs gekämpft, berichtete die Zeitung „La Vanguardia“. Nach ersten Symptomen in London 2018 habe der Autor sich in seiner Wahlheimat Los Angeles behandeln lassen. Vor allem sein 2001 erschienenes Buch „La sombra del viento“ („Der Schatten des Windes“) habe auch viele Menschen, die sonst weniger mit Büchern zu tun haben, zum Lesen gebracht, schrieb die Zeitung. Mit 15 Millionen verkauften Exemplaren avancierte der Roman aus dem Barcelona der 1940er bis 1960er Jahre nach „Don Quijote“ zum meistverkauften spanischen Roman aller Zeiten. Zafón‘s Werke wurden in 14 Sprachen übersetzt.

Mit seinen verschlungenen Handlungssträngen und seinen morbiden-symbolischen Schauplätzen wie „dem Friedhof der vergessenen Bücher“ hat Carlos Ruiz Zafón Werke geschrieben, die man verschlingen musste. Sogar der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer konnte das Buch nicht mehr weglegen und verhalf dem relativ unbekannten Autor zu seinem Erfolg beim deutschen Publikum.

Der Schatten des Windes" und seine drei Folgewerke der Sage des Friedhofs der verlorenen Bücher zählten über Jahre hinweg zur beliebtesten Strandlektüre in Spanien. Die Bücher von Carlos Ruiz Zafón nehmen die Leser mit auf eine Zeitreise in das dunkle Barcelona der Franco-Diktatur. Auf den Spuren der Romanhelden Daniel Sempere und Fermín Romero de Torres sind in den vergangenen Jahren Heerscharen von Fans des Autors durch die Altstadt von Barcelona gepilgert. Es gibt sogar geführte Touren zu den Schauplätzen von „La sombra del viento“.

Zafon ist im Alter von 55 Jahren in Los Angeles gestorben.

Carlos Ruiz Zafón bewegte sich in seinen Werken gerne in der Literatenwelt. Buchhändler treten auf, Schriftsteller und Liebhaber der Lektüre, auch der Friedhof der vergessenen Bücher ist zu finden, jener mysteriöse Ort, an dem sich die Reichtümer der Literatur den ungewollten Blicken Außenstehender entziehen. Die Mischung aus Fantasy, Schauerroman und Kriminalstory stimmt, und die gibt den Büchern des Autors schließlich das, was sie auf die Bestsellerlisten katapultiert.

Carlos Ruiz Zafón strickte Schauergeschichten über Barcelona der Franco-Diktatur

In seinen Schauergeschichten ähneln die Storys den „Gothic Novels“ der englischen Romantik. Den Autor prägte Erlebnisse aus seiner Jugend. Es war in Barcelona, wo Carlos Ruiz Zafón gleichsam seine Liebe zur Lektüre und Architektur entdeckte. Es waren die alten Mauern der Jesuitenschule im Stadtviertel Sarrià, hinter denen er sich als Junge Geschichten erdachte. Oder die seltsam anmutenden Formen der Sagrada Familia die engen Gassen des historischen Viertels Raval – all diese Bilder saugte Carlos Ruíz Zafón in sich auf, um sie viele Jahre später in seinen Romanen wieder zum Leben zu erwecken.

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