Säulen des Herkules, Statue in Ceuta.
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Die legendären Säulen des Herkules. Hier als zeitgenössische Statue in Ceuta interpretiert.

Archäologie in Spanien

Tempel des Herkules in Spanien: Archäologen finden bei Cádiz Hinweise auf antikes Heiligtum

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Von Melkart zu Herkules: Archäologen der Uni Sevilla wollen bei Cádiz eine Unterwasserstadt mit dem sagenhaften antiken Tempel gefunden haben. Doch der Beweis, dass es jener des Herkules ist, steht noch aus und die Quellenlage ist kryptisch. Eine wahre Herkules-Aufgabe für die Forscher.

Cádiz - Die eigentlich griechisch-römische Sagengestalt Herkules ist auch in Spaniens Geschichte tief verankert. Die berühmten Säulen des Herkules schafften es sogar ins spanische Staatswappen, umschlungen vom Habsburger-Motto "Plus Ultra" und der Held selbst taucht auch auf der andalusischen Fahne auf. Der Kult um Herkules / Herakles war auch in Hispanien real, doch die historische Quellenlage macht es den Archäologen und Historikern wegen des Sagenhaften sehr schwer, reale Orte zu identifizieren. Die Säulen, angeblich einst die Beine einer riesenhaften Herkules-Statue, vermutet man mal im Hafen von Cádiz, mal eine am Felsen von Gibraltar und die andere bei Ceuta in Marokko.

Von Melkart zu Herkules: Tempel bei Cádiz Teil einer ganzen Stadt?

Jetzt fanden Archäologen bei Cádiz, dem über 3.000 Jahre alten Gadir, Reste, die auf eines der großen antiken Rätsel schließen sollen, den Melkart-Tempel der Phönizier bzw. deren Nachfolger, der Punier (Karthager), der bereits zu Zeiten Trojas, also 1.200 v. Chr., entstanden sein könnte und dann von den Römern zur Verehrung des Herkules umfunktioniert sein soll. Die wichtigste Quelle, allerdings von zweifelhafter Zuverlässigkeit, ist eine Aussage des griechischen Historikers Strabon (Estrabón) aus dem 1. Jahrhundert vor Christus, der von einem Herkules gewidmeten Sanktuarium in der Gegend schreibt und sogar die Entfernung der Anlage vom antiken Gadir angibt, in dem damals üblichen Längenmaß Stadion (etwa 180 Meter).

Die Küste der über 3.000 Jahre alten Stadt Cádiz in Andalusien, eine archäologische Fundgrube. Auch für den Tempel des Herkules?

Stutzig wurden die Forscher von der Universität Sevilla bei Gebäuderesten an den Lagunen zwischen den Stränden von Camposoto und Sancti Petri südlich von Cádiz auf den Gemeindegebieten von San Fernando und Chiclana. Mit Hilfe des Erdradars Lidar "stießen wir auf Indizien, die meisten davon unter Wasser, die auf große Strukturen schließen lassen, Gebäude, Wellenbrecher, Hafenanalagen und Grundrisse, die auf einen Tempel deuten", so die Feldforscher.

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Viele Völker übereinander: Spanischer Archäologen wollen Rätsel entwirren

Freilich brauche es Zeit, diese Strukturen zu identifizieren und der richtigen Zeit zuzuordnen, denn neben Griechen, Phöniziern, Karthagern und Römern, lebten in der Gegend nämlich auch Iberer bzw. Tardessianer, eine iberische Hoch- und Mischkultur (Tartessos), die sich zeitlich mit den Phöniziern und den Griechen überschnitt. Und auch die nachfolgenden Goten, Byzantiner, Mauren und natürlich die Christen, haben ihre Spuren hinterlassen und auf die alten Gebäude neue errichtet. So gilt auch das kleine auf einer inselartigen Landzunge gelegene Castillo de Sancti Petri als heißer Kandidat, unter dem Herkules` Tempel ruhen könnte. Einige Verehrer wie Alfonso X., der Weise, gingen sogar so weit, in Herkules den eigentlichen Gründer Spaniens erkennen zu wollen und das alte Atlantis liegt natürlich auch vor der spanischen Küste.

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Unweit des Castillo de Sancti Petri bei Chiclana vermuten Experten den Tempel des Herkules.

Suche nach Herkules-Tempel: Landesregierung Andalusien hilft mit

Belege, zumindest für einen Tempel zu seinen Ehren, fanden auch die Forscher aus Sevilla bisher keine, doch immerhin haben die Archäologen mit ihrer Arbeit das Interesse der Landesregierung geweckt. Denn einige der Strukturen unter Wasser sind nicht den üblichen römischen Zweckbauten zuzuordnen, wohl aber dem Grundriss bekannter Tempel. Die Junta de Andalucía verspricht die Finanzierung einer interdisziplinären Forschungsgruppe, die nun Belege finden soll, ob es sich um den lange gesuchten Herkules-Tempel handelt. Dabei müssen sich die Historiker nicht nur durch alte Schriften und die Erdschichten wühlen, sondern auch jede Menge archäologisches Seemansgarn von zeitgenössischen Hobby-Forschern richtigstellen, deren Bücher und Blogs beim Publizieren häufig schneller sind, als jede Schaufel auf archäologischen Ausgrabungsstätten.

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