Karikatur aus Spanien im 19. Jahrhundert.
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Prim und Serrano „versteigern Spaniens Krone an den Meistbietenden“. Zeitgenössische Karikatur aus „La Flaca“.

Spaniens Könige

Spaniens König - ein Italiener! 150 Jahre Amadeo, der Unglückselige

  • vonMarco Schicker
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Ein letzter Grappa in Madrid: Amadeo von Savoyen war Spaniens einziger gewählter König. 1871, vor 150 Jahren, setzte Spanien „Il Cavaliere“ als Staffage auf den Thron. Amadeos aberwitziger Albtraum mündete in der Ersten Republik.

Madrid - Als Amadeo I., König von Spanien, am 11. Februar 1873 im Madrider Café de Fornos sein Mittagsmenü bestellen wollte, überbrachte ihm ein Bote eine knappe, handschriftliche Mitteilung. Er sei abgesetzt. Anstatt des menú del día orderte der König von Spanien einen Grappa, "einen doppelten, per favore" und rief - auf Italienisch, denn Spanisch hatte er nie richtig gelernt - aus: "Beim Bacchus, verstehe einer die Spanier, dieses Land ist ein Käfig voller Narren!". Dann sammelte er seine Frau und die drei Kinder im nahen Königlichen Schloss von Madrid ein und reiste noch am gleichen Tage ab. Der Italiener hatte seine Schuldigkeit getan, der Italiener durfte gehen.

Amadeo I. von Spanien, Gemälde von Vicente Palmaroli y González, im Prado von Madrid.

An dem Tag endete nicht nur seine Regentschaft und gründete sich die Erste Spanische Republik, sondern es war auch das Ende des kurzen Zwischenspiels des Hauses Savoyen in Spanien, das am 2. Januar 1871, also vor 150 Jahren begann. Amadeo war der erste und einzige gewählte König Spaniens, was für ihn den klaren Nachteil brachte, dass man ihn auch wieder abwählen konnte. Doch das war gar nicht nötig, wie wir sehen werden, der Zettel im Café de Fornos genügte völlig. Die gut zwei Jahre, die man ihm, dem zweitälstesten Sohn des ersten Königs von Italien, Victor Manuel II., als Staffage auf dem spanischen Thron zugestand, musst er sich vorgekommen sein wie im falschen Film.

Spanien um 1870: Jeder gegen Jeden

Denn so Knall auf Fall wie sein Abgang, verlief auch sein Auftritt auf der spanischen Komödienbühne, hinter der sich eigentlich mehrere Tragödien abspielten. 1868 wurde die völlig zu Unrecht verklärte Königin Isabel II. nach 35 Jahren Regentschaft durch eine Mischung aus Militärputsch und bürgerlicher Revolution entthrohnt und von ihrem Ferienort San Sebastián ins französische Exil getrieben. Es war die zweite Vertreibung der Bourbonen aus Spanien, nach Isabels Vater Fernando VII. durch Napoleon. Ferdinand holte sich seinen Thron blutig in einem Feldzug gegen das eigene Volk aus Frankreich kommend zurück. Die Bourbonen hatten selbst erst rund 150 Jahre zuvor, mit dem Erbfolgekrieg den Thron erklommen. Isabels Exil sollte nicht das letzte eines Bourbonen-Königs bleiben.

Isabel versuchte in "viktorianischer" Manier die Wunden zu kitten, die ihr grausam-absolutistischer Vater, Ferdinand VII. geschlagen hatte, der alles Liberale und Republikanische konsequent unterdrückte. Isabel regierte die Geschicke Spaniens, ohne den von Adel und Kirche dominierten Ständestaat anzutasten, obwohl die Industrialisierung längst neue Klassen und Schichten schuf und so auch völlig neue Anforderungen an das Staatswesen stellte. Als sie den Afrika-Feldzug verpfuschte sowie die Unabhängigkeitsbewegung in Kuba nicht zur Ruhe brachte, wurde es eng für sie. Die Zuckerbarone machten Druck, sie waren eine Macht in Spanien.

Erbe der Borbounen: Spanien in der Wirtschafts- und Verfassungskrise - Isabel im Exil

Ab 1866 kam eine schwere Wirtschaftskrise des sich gerade in der Industrialisierung befindlichen Spaniens hinzu. Etliche Unternehmer, die in Eisenbahn- und Ölgesellschaften der USA investiert hatten, gingen wegen des US-amerikanischen Bürgerkriegs Pleite und rissen Spaniens Wirtschaft mit. Das Bürgertum und die durch Verstädterung neu entstehende Arbeiterklasse, deren Elend Ausmaße annahm, das nach Veränderung schrie, wollten mehr Mitsprache und garantierte Grundrechte. Nicht zuletzt lieferten die Kommune-Bewegung beim Nachbarn Frankreich und das Marxsche "Gespenst des Kommunismus" allerlei Ideen, die das uralte Machtgefüge des Landes gefährden konnten. Bevor das geschah, griffen die Machteliten ein.

Juan Prim: General, Aufständischer, Ministerpräsident, Konstitutionalist und einer der einflussreichsten Strippenzieher Spaniens. Die Wahl Amadeos zum König bezahlt er mit seinem Leben.

Isabel bekam auch Feuer von reaktionärer Seite, denn die Carlisten, auch Legitimisten genannt, die noch eine unrühmliche Rolle in unserer Geschichte spielen werden, beharrten noch immer darauf, dass nicht sie, Tochter von Fernando VII., sondern dessen Bruder, also ihr Onkel, Carlos María Isidro, auf den spanischen Thron gehörten. Sie erkannten die pragmatische Sanktion, das sogenannte Ley Sálica nicht an, das seit 1713 eine weibliche Thronfolgerschaft in direkter Erblinie in den Königreichen des Heiligen Römischen Reiches ermöglichte - und so z.B. Maria Theresia auf den Thron der Österreicher verhalf. Den Carlisten verdankt Spanien am Ende drei Bürgerkriege und noch an der Seite der Franco-Faschisten kämpften sie für ihre Erblinie in der reaktionären Tradition Ferdinands.

Republikaner und Carlisten: Aufstände in Spanien als Alltag

1868 brachen in Spanien die Aufstände los, zunächst in Cádiz, wo schon einmal, 1812 die Fanfaren - oder waren es Gitarren - der Freiheit erklangen und die Idee einer liberalen, wirklichen Demokratie für Spanien geboren wurde. Hier wiederholte sich, was einst schon Ferdinand VII. ins Exil trieb. Doch die als Revolution "La Gloriosa" oder auch September-Revolution und "sextenio liberal" überhöhten Ereignisse wurden bald in Richtung eines bürgerlich-nationalistischen Ständestaates getrieben, die Mitwirkungsrechte des Volkes beschnitten, um es ja nicht übermütig werden zu lassen. Dass Isabel gehen musste, war ein taktisches Zugeständnis.

Damals profilierte sich eine Person, der katalanische General und Adelige Juan Prim y Prats, Graf von Reus und Herzog von Castillejos. Er hatte alles mitgemacht: Afrika-Feldzug, Carlistenkrieg und Parlamentsschlachten und wurde in der Zeit des Interregnums zum einflussreichsten Strippenzieher des Landes sowie mehrfach Ministerpräsident. Nach all den Schlachten, die zu einer fortwährenden Unregierbarkeit Spaniens führten, wollte er Ruhe ins Land bringen und suchte einen möglichst weitgefassten Kompromiss zwischen den maßgeblichen Kräften. Sein Plan war es, die Kräfte der Mitte zu bündeln um die "freien Radikalen", also Republikaner, Anarchisten und Carlisten entweder zu integrieren oder im Abseits zu isolieren.

Juan Prim, Spaniens großer Strippenzieher: Konstitutionelle Monarchie als Ausweg?

1869 stellte eine nur von privilegierten Ständen gewählte, verfassungsgebende Versammlung fest: Spanien braucht wieder einen König als Integrationsfigur, eine konstitutionelle Monarchie sollte her und wurde so in der Verfassung verankert. Diese sollte dann durch Wahlen auch die provisorische Regierung beenden, in der viele Generäle des Aufstandes noch das Sagen hatten, deren Interessen aber so gar nicht in eine Richtung marschierten.

Präsident Prim und der damalige Premier Francisco Serrano Dominguez, ein alter Kampfgefährte Prims, begaben sich europaweit auf eine Art "Casting". Bismarck in Preußen wurde hellhörig und positionierte Leopold, Fürst von Hohenzollern, für den Posten. Für Frankreich ein Faux pas extraordinaire: Ein Hohenzollern auf Spaniens Thron würde eine preußische Zange für Frankreich bedeuten, zumal Preußen nach dem Krieg gegen Österreich 1866 gerade zur Hegemonialmacht aller deutschen Lande aufgestiegen war.

Bismarck wird hellhörig: Wie Spanien den Deutsch-Französischen Krieg auslöste

Spanien wählt sich den König, der ihm genehm ist - ein Zirkusäffchen. Zeitgenössische Karikatur der Zeitschrift „La Flaca“.

Frankreich forderte von Bismarck eine öffentliche Entschuldigung für die Anmaßung, einen preußischen Prinzen auf den spanischen Thron setzen zu wollen. Die bekam es in Form der berühmten Emser Depesche im Juli 1870, die derart herabwürdigend formuliert war, dass Frankreich Preußen den Krieg erklärte. Spaniens Suche nach einem Thronfolger war so zwar nicht die Ursache, aber doch der willkommene Auslöser des Deutsch-Französischen Krieges, gefolgt von der Deutschen Kaiserreichsgründung in Versailles 1871, den Konflikten um das Rheinland, Erster Weltkrieg - der Rest ist Geschichte.

Spanien sucht den Super-König: Bloß die Füße stillhalten

Amadeo von Savoyen gewann letztlich die Wahl zu "Spanien sucht den Super-König", als Kandidat, der den europäischen Großmächten am wenigsten auf die Füße tritt. Die Füße stillhalten, das sollte ja auch im Inneren seine erste Königspflicht werden. Als Sohn des ersten Königs von Italien, Victor Manuel II., kam er aus gekröntem aber nicht sonderlich mächtigem Hause, war katholisch, wurde dem aufgeklärten Adel zugerechnet und seine Mutter, Maria Adelaida von Österreich, war die Urenkelin von Carlos III., Amadeo somit - der Adelsinzest machte das spielend möglich - mütterlichseits der Ururenkel eines spanischen Königs aus dem Hause Bourbon, wenn auch dem Zweig der Zwei Sizilien, dem übrigens auch Juan Carlos I. entstammt.

Am 16. November 1870 stimmten 191 Abgeordnete in Madrid für Amadeo, 60 für eine föderale Republik, 27 für Antonio von Orleans sowie mehrere für andere Kandidaten und Regierungsformen. Parlamentspräsident Manuel Ruiz Zorrilla konstatierte knapp: "Zum König der Spanier ist gewählt der Herr Herzog von Aosta", das war der damals offizielle Titel von Amadeo.

Spaniens italienischer König: Ein Präsidenten-Mord zum Auftakt

Hätte Amadeo damals bloß mehr spanische Zeitungen gelesen, den Amtsantritt würde er sich vielleicht nochmal überlegt haben. Denn eigentlich waren bis auf die Zentrumsliberalen alle gegen ihn: Die Carlisten und mit ihnen der unter den Bourbonen herrschenden "alten" Adelsfamilien bestanden auf der Linie Borbón-Parma und damit ihren exklusiven Privilegien. Die erstarkten Republikaner wollten gar keinen König mehr. Die Kirche lehnte ihn ab, weil sein Vater den Kirchenstaat aufgelöst hatte und sich weigerte, die Beschlagnahme des Kirchenbesitzes zu entschädigen und das gemeine Volk machte sich über den italienischen Kasperl lustig, der nicht einmal Spanisch sprach und daher kam wie ein Galán zum Ball.

Auch das war eigentlich nichts Neues, der Habsburger Carlos I., der den Spaniern quasi als Reichsgründer gilt, kam aus Burgund zwar mit der Kaiserkrone, aber mit wenig Spanischkenntnissen und auch die Bourbonen hatten ihren Stammsitz tief in Frankreich. Mit Amadeo kam nun eben ein ahnungsloser Italiener. Der Beiname Amadeo "Il Cavaliere" war so auch mehr Satire als Ehrentitel. Eine Anekdote berichtet, dass er einmal in einer Kutsche durch Madrid fahrend von seinem Sekretär auf das Wohnhaus von Cervantes aufmerksam gemacht wurde. Amadeo soll gesagt haben: "Ich hatte noch keine Gelegenheit ihn zu treffen, aber ich werde ihn bald einmal begrüßen".

Dass sein Amtszeit, von Herrschaft wird man nicht reden können, unter keinem guten Stern stand, sollte der erst 24-jährige Amadeo mit seiner 22-jährigen Gattin María Victoria dal Pozzo, der neuen Königin von Spanien, spätestens merken, als er am 30. Dezember 1870 in Cartagena im Hafen einlief, Spaniens Schicksalshafen, der mit Hannibal, römischen Kaisern und Cervantes schon ganz andere Gestalten abfertigte. Am gleichen Tag nämlich, als Amadeo seinen Fuß auf spanischen Boden setzte, starb General Juan Prim, sein wichtigster Förderer und Präsident der provisorischen Regierung, an den Folgen eines Attentates zwei Tage zuvor, das sich also auch gerade zum 150. Male jährt.

"Besser, Sie gehen wieder": Republikaner bedrohen Spaniens König

Angeblich hätten ein Dutzend Anarchisten seine Kutsche umstellt und ihn angeschossen, doch eine spätere Obduktion legte offen, dass Prim stranguliert wurde. Noch bis ins 20. Jahrhundert befassten sich Historiker und Kriminalisten mit dem Mord an diesem bemerkenswerten Mann. Die wahrscheinlichste Version ist ein Komplott im inneren Zirkel der Macht, von Kräften, die Prim den Verrat an der Bourbonen-Dynastie nicht verzeihen mochten und Amadeo von Anfang an zu schwächen suchten. Doch auch radikale Republikaner stehen bis heute auf der Liste der "üblichen Verdächtigen". Noch 2012 ordnete das spanische Parlament eine erneute Obduktion der Überreste an, die die These von der Strangulation erhärtete.

Amadeo von Savoyen, Fotografie um 1870, jurz bevor er Spaniens erster und einziger gewählter König wurde.

Amadeos erster Termin in Madrid war sodann auch ein Gebet am aufgebahrten Leichnam Prims in der Basílica de Nuestra Señora de Atocha, also praktisch noch am Bahnhof. Danach legte er vor den Cortes, dem Parlament, seinen Schwur ab: "Ich erkenne die Verfassung Spaniens an und schwöre die Gesetze des Königreichs zu schützen und schützen zu lassen." So wurde aus dem zweiten Sohn des italienischen Königs, König Amadeus I. von Spanien. Der Führer der Republikaner, Emilio Castelar y Ripoll, begrüßte den neuen König unmissverständlich: "Ihre Majestät, Sie sollten lieber wieder gehen, denn wir wollen ihnen ein Ende wie König Maximilian I. von Mexiko ersparen." Der Habsburger Maximilian wurde 1867 standrechtlich von den Männern des Aufständischen Benito Juárez in Mexiko erschossen.

Amadeo, der Grüßaugust: Spanien verbrauchte sechs Regierungen in zwei Jahren

Das ging ja gut los. Amadeo tat gut daran, zu tun, wie ihm geheißen. Also nichts. Er wurde in den kommenden Monaten als Grüßaugust zu Messen und Brückeneinweihungen geschickt, unterschrieb ein bisschen was und machte vornehme Miene zum Spiel, das nicht seins war. Ein paar Geliebte trösteten ihn über die Unbill des Amtes und lieferten der Klatschpresse Stoff. Also fast so, wie die spanische Königsfamilie heute. Seine Frau María Victoria, die übrigens fast akzentfrei spanisch gesprochen haben soll und daher naturgemäß eine bessere Presse als ihr Gatte bekam, übte sich in Mildtätigkeit und Stiftungen und handelte sich - mit Anfang 20 - den Beinamen "Mutter der Armen" ein.

Die spanische Politik lief oder besser gesagt torkelte an Amadeo vorbei, fasste aber keinen Tritt. In den zwei Jahren Regentschaft Amadeos verbrauchte das Land sechs Regierungen, wobei absehbar war, dass die Konstitutionalisten von Carlisten und Republikanern allmählich zerrieben wurden. Der Integrator Juan Prim fehlte, vor allem aber die Lösung der drängendsten Probleme des Landes. "Io non capisco niente", - ich verstehe gar nichts - soll Amadeo ausgerufen haben, als sich die Prim-Partei in ihre Einzelteile zerlegte, die Carlisten ihren dritten Krieg (eigentlich wieder ein Putsch) anfingen und der zehnjährige Krieg in Kuba (seit 1868) beachtliche Opfer brachte. Es sollte auch einer von dreien werden und erst 1898 mit dem Verlust praktisch aller Übersee-Territorien Spaniens enden.

Am 19. Juli 1872 wurde ein Mordanschlag auf den König verübt, angeblich habe er danach, dem Mord äußerst knapp entgangen, das oben wiedergegeben Zitat vom Käfig voller Narren geäußert. Da aber die Äußerungen nicht belegbar sind, befand der Autor es als dramaturgisch wirksamer, sie dem Monarchen beim Abgang in den Mund zu legen.

Putsch per Zettel: Amadeos Ende und Abrechnung mit dem "unregierbaren" Spanien

Der Schlussakt hob mit einem Streit zwischen Prims altem Gefährten Ruiz Zorrilla, inzwischen Ministerpräsident, und den Militärs an: Zorilla wollte eine bestimmte Einheit auflösen, die als Hort des Ungehorsams identifiziert war, den Cuerpo de Artilleros. Dazu brauchte er die Unterschrift des Königs. Eine Formsache, die sich die Militärs aber zu Nutze machten und Amadeo austricksten. Sie ließen ihm durch ihre parlamentarische Hausmacht in das oben erwähnte Lokal den Absetzungsbescheid zukommen, ohne jede Legitimation.

Der König, der von Anfang an wie bestellt und nicht abgeholt wirkte, nahm dankend an und dankte am 11. Februar 1873 dankend ab. Versuche der Liberalen, ihn von dem "Missverständnis" zu überzeugen, dass er gar nicht abgewählt und somit auch nicht offiziell abgesetzt war, fruchteten nicht. Amadeo wollte nur noch weg. An den Congreso richtete er eine Abdankungsrede, die bei aller monarchischen Contenance und Naivität doch einige Wahrheiten aussprach, die seinen liberalen Geist einmal für kurze Zeit freiließen. Spanien sei unregierbar, heißt es da, ein "tiefgründig aufgewühltes" Land, es zu regieren sei lebensgefährlich, sein Volk, "das sein Land so liebt", verblute durch lange nicht endende Kriege und habe ein Recht auf Freiheit.

Er, Amadeo, erkenne an, dass er nicht leisten könne, worauf er geschworen habe, nach "zwei langen Jahren lebt Spanien immer noch im dauernden Kampf." Was ihn besonders irritiere, sei, dass alle, "ob sie mit der Feder oder mit dem Schwert kämpfen, "das Vaterland für sich reklamieren", worauf es "unmöglich ist, herauszufinden, wer die wahren Patrioten sind". Er könne sie weder "innerhalb noch außerhalb des Rechts" ausmachen. Er setze die Krone ab, aber er entledige sich nicht "dieses Spaniens, so edel und undankbar". Die "größten Feinde Spaniens sind die Spanier selbst", soll er später noch nachgetreten haben.

Erste Republik in Spanien: Aller guten Dinge sind drei?

Amadeo floh am 11. Februar 1873 mehr als er reiste zunächst nach Lissabon, im Gepäck hatte er "seinen" Ministerpräsidenten Manuel Ruiz Zorrilla, der eine Weile ins Exil musste. Amadeo, nun den Beinamen "der Unglückselige" und der "Schlechtbehandelte" tragend, ging zurück nach Turin. Das Leben hatte nicht mehr viel Gutes mit ihm vor. Schon 1876 starb 29-jährig seine Frau María Vittoria an Tuberkolose, Amadeo selbst starb, nur 45 Jahre alt, 1890 an einer Lungenentzündung. In Madrid aber wurde, am gleichen Tag als es Amadeo verließ, die Republik ausgerufen. Es war der erste Versuch, der nach gut einem Jahr kläglich, aber längst nicht so blutig scheiterte wie die Zweite Republik. Im Vertreiben von Königen hatten die Spanier mittlerweile einige Übung, nur danach wussten sie bisher nie so recht weiter. A la tercera va la vencida, wie der Spanier sagt: Aller guten Dinge sind drei.

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