Kulturkrise unter Corona

Spaniens Kunst leidet: Puppenspieler aus Barcelona bleibt nur Corona-Totentanz

  • vonStefan Wieczorek
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Ein Künstler aus Barcelona hat die Fäden verloren. Toni Zafra, von Beruf Puppenspieler, verlor unter Corona seine geliebte Werkstatt und hält sich als Schreiner gerade so über Wasser.

Barcelona - Ob eine mythische Dame, die auf einem Lichtstrahl zur Mondsichel balanciert, ein weißer Gorilla, der über die Bühne tobt, ein Skelett, das zu einem Totentanz abrockt, oder eine zarte Ballerina. Alle haben eines gemein. Den Mann, der ihre Fäden zieht: Toni Zafra. Der Puppenspieler aus Barcelona legte Anfang Dezember in der alten Zigarrenfabrik in Alicante einen beachtlichen Auftritt hin. Eigentlich Teil eines Kinderfestivals, waren anschließend gerade Eltern von der delikaten, aber ausdrucksstarken Kunst hin und weg. Was sie nicht ahnten: Wie tief der Künstler aus Spanien in der Coronavirus-Krise steckt.

BarcelonaStadt in Spanien
Fläche: 101,9 km²
Bevölkerung: 5,575 Millionen (2019)
Bürgermeisterin: Ada Colau

Spaniens Kunst leidet: Puppenspieler aus Barcelona hat wegen Corona keine Werkstatt mehr

Toni Zafras Problem: Der Puppenspieler aus Barcelona hat keine Ahnung, wann er wieder vor Publikum an den Strippen zieht. „Ich reise viel vor allem ins Ausland. Das ist unter Corona ja weg“, sagt der Kunst-Profi. Schwer erwischt hat die Krise ihn, wie viele Künstler aus Spanien. Seine Werkstatt, in der der 58-Jährige „praktisch das Leben lang“ seine Marionetten baute, musste er abgeben. Und er wohnt nun wieder im Elternhaus. „Aus dem, was ich retten konnte, habe ich dort immerhin eine kleine Werkstatt eingerichtet“, sagt der gebeutelte Zafra. Denn: „Ohne Werkstatt kann ich nicht leben.“ (Video der verlorenen Werkstatt hier)

Zum Glück hielten Toni Zafras Kenntnisse als Schreiner den Puppenspieler aus Barcelona halbwegs über Wasser. „Aber mein Beruf ist Marionettenspieler“, betont er. Das merkt man, wenn man seine Kunst live erlebt. Wie er jeder der in seiner Werkstatt selbst erschaffenen Figuren Leben verleiht. Wie zärtlich er sie anfasst, und mit kleinsten Regungen der Finger zu erstaunlichen Bewegungen führt. „Pasajes“, Passagen, nennt der Künstler aus Spanien die aktuelle Show, wo Protagonisten früherer Stücke eine Auswahl ihrer „Sketche“ präsentieren, wie Zafra sagt.

Spaniens Kunst leidet: Puppenspieler aus Barcelona in Corona-Krise.

Spaniens Kunst leidet: Puppenspieler aus Barcelona bleibt nur Corona-Totentanz

Die einzige Figur von Toni Zafra, die nach ihrem Teil nicht verschwindet, ist die Frau vom Mond, die die Show eröffnet (Video-Ausschnitt hier). „Sie ist meine neueste Figur, und stellt einerseits Lilith dar, die die erste Frau Adams gewesen sein soll“, erklärt der Puppenspieler aus Barcelona. „Doch sie steht auch für uns Künstler, die wir doch alle Mondsüchtige sind, und eigentlich ständig auf unseren Monden sitzen.“ Welche Figur die heutige Zeit am besten repräsentiere?, fragen wir.

„Der singende Tod natürlich“, antwortet der Puppenspieler aus Spanien sogleich. „Diese Darbietung verweist auf den mittelalterlichen Totentanz. In der Vergangenheit erinnerten sich Menschen gerade in Seuchen, wie gleich sie im Angesicht des Todes sind“, erklärt der Katalane, der fürs Leben gern für die unterschiedlichsten Figuren die Fäden zieht. Nun aber sitzt der Künstler in der Corona-Krise machtlos da und wartet darauf, dass das Schicksal ihn wieder zum Leben erweckt.

Vielleicht wollen Sie einen Auftritt für Toni Zafra organisieren? Den Puppenspieler aus Barcelona erreicht man per E-Mail unter tonizafra62@gmail.com, per Telefon unter 0034 649955376 oder per Facebook unter www.facebook.com/toni.zafraortiz. Sie wollen mehr über die Künstler-Krise in Spanien wegen Corona wissen? Dann lesen Sie auf costanachrichten.com über das Auditorium in Teulada, oder etwa über die tiefe Depression des Flamenco in Madrid, beziehungsweise über Künstler aus Calp, die in Schwierigkeiten stecken. Auch einen Überblick über die Kunst-Krise an der Costa Blanca finden Sie bei uns.

Rubriklistenbild: © Stefan Wieczorek

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