40 Jahre verlorene Schätze

Indiana Jones in Spanien: Film-Schätze in Cartagena, Drehorte in Andalusien

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Ab April bietet Spaniens „Hafen der Kulturen“ Cartagena eine spektakuläre Ausstellung mit hundert Stücken aus den „Indy“-Filmen. 2023 wird der neue Film erwartet. Andalusien lockt indes mit vielen kultigen Drehorten.

Cartagena - Schon bei der Eröffnung der „Indiana Jones“-Saga vor 40 Jahren mischte Spanien mit. 1981, im Film „Jäger des verlorenen Schatzes“, begeisterte ein junger Alfred Molina, der vom Vater her aus Murcia stammt. Spanische Akzente im neuen Film, der 2023 ins Kino kommt, setzt dagegen ein Darsteller aus Andalusien: Antonio Banderas. Spanien und „Indy“ - das passt. Denn auch viele Reiseziele zu kultigen Drehorten schenkte das Land dem Abenteurer mit Hut und Peitsche. Im April bis September 2022 bietet der „Hafen der Kulturen“ Cartagena eine spektakuläre Ausstellung: Hundert Schätze aus den „Indiana Jones“-Filmen sind im Museum Muralla Púnica zu bewundern.

Cartagena Stadt in Spanien, Region Murcia
Adresse Museum Muralla PúnicaAdresse: C. San Diego, 25,
Webseitehttps://puertodeculturas.cartagena.es/ficha_muralla_punica.asp

„Indiana Jones“ in Spanien: Reiseziele zu kultigen Drehorten

Kaum ein Darsteller wird mit einer Film-Figur so identifiziert wie Harrison Ford mit Indiana Jones. Sogar mit 79 Jahren schlüpft der US-Amerikaner im neuen Film in die Rolle des Action-Archäologen. An seiner Seite spielt Antonio Banderas mit. Welche Rolle es ist und für welchen verlorenen Schatz „Indy“ diesmal auf Reisen geht, ist noch streng geheim. Für den Dreh musste der 61-jährige Banderas jedoch Spanien verlassen. Drehorte in seiner Heimat sind diesmal nicht vorgesehen. Anders im kultigen dritten Teil „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“: überraschend viele Szenen entstanden in Andalusien. Wahre Schätze sind diese Reiseziele für „Indy“-Fans:

Gleich mehrere Teile der Welt stellt Spanien im Film, in dem Indiana Jones sich mit den Nazis ein Wettrennen um den Heiligen Gral liefert, dar. Ob der Abenteurer mit seinem Vater quer durch die Türkei, den Balkan oder sogar Wälder in Österreich rast - in Wirklichkeit befanden sich die Darsteller Harrison Ford, Sean Connery und Co. in Andalusien. Nehmen wir die legendäre Verfolgungsjagd im Motorradgespann auf der Flucht aus dem österreichischen Schloss Brunwald: Einen Nazi nach dem anderen fegt das Jones-Duo von der Straße - allerdings nicht in Mitteleuropa, sondern im Süden Spaniens. Das erste unserer Reiseziele.

„Ganz plötzlich fiel mir Karl der Große ein: Lass meine Armeen Bäume und Felsen und Vögel am Himmel sein“

Sean Connery, 1988 auf der Playa de Monsúl in Andalusien

Gebirge und weißes Dorf: Spanische Ohrfeige für „Indy“

In der andalusischen Provinz Granada, im überraschend grünen Gebirge Sierra de Huetor, schüttelten Indiana und Henry Jones die Verfolger ab, um sich am Ende vor dem schicksalhaften Schild „Venedig - Berlin“ wiederzufinden. Als hier Vater Jones seinen Sohn ohrfeigt, befinden sie sich am Drehort im Gebiet Sierra de la Alfaguara. Zugleich ist in der Handlung des Films Uni-Professor Marcus Brody auf Reisen in der Republik Hatay. Doch anders als das Schild „Iskenderun“ am Bahnhof vermuten lässt, wurde nicht im Süden der heutigen Türkei gedreht. Sondern in Guadix, einem der weißen Dörfer Andalusiens, auch im Raum Granada.

1988 entstanden beim Dreh in Guadix auch Szenen mit Harrison Ford und Sean Connery. Jedoch strichen die Macher sie im fertigen „Indiana Jones“-Film. Dennoch gelten die Szenen mit Denholm Elliott alias Marcus Brody, in denen sich andalusische Bewohner in spanischer Kluft in das arabische Volk mischten, unter Bewohnern als legendär. Der kultige Drehort in Andalusien beging 2018 ein großes Fest zum Gedenken an den „Indy“-Dreh 30 Jahre zuvor. Noch heute reisen ins Dorf in Spaniens Süden immer wieder Film-Fans aus aller Welt, mancher sogar mit Hut und Peitsche - auf der Jagd nach ihrem verlorenen Schatz.

Spanien in „Indiana Jones“: Der kultige Drehort Guadix stellte im Film die heutige Türkei dar. 2018 feierte es die Dreharbeiten vor 30 Jahren.

Alhambra fiel aus: Der Rolls-Royce im alten Kloster von Almería

Große Teile von „Indiana Jones und der letzte Kreuzzung“ wurden auch an der Küste von Andalusien, in der Provinz Almería aufgenommen. Regisseur Steven Spielberg soll bei einem Flug von der wüstenhaften Landschaft beeindruckt worden sein. Hier startete 1988 auch der Dreh des kultigen Abenteuer-Films. Eine der ersten entstandenen Szenen spielt in der Stadt Almería, auch wenn Spielberg lieber die weltberühmte Alhambra von Granada als Drehort verwendet hätte. Letztendlich erhielt dafür aber selbst ein weltbekannter Archäologe wie Indiana Jones keine Erlaubnis.

Es geht um die Film-Szene, in der die Nazis mit dem Sultan von Hatay vor der Expedition zur Bergung des Heiligen Grals verhandeln. Am Ende lässt sich der Sultan durch ein Rolls-Royce Phantom überzeugen und stellt ihnen Panzer und Waffen zur Verfügung. Der Drehort dieser kultigen Verhandlung war letztendlich nicht die Alhambra, sondern die Kunstschule Escuela de Artes, das ehemalige Dominikaner-Kloster in Almería. Als Bühne für die Expedition, in der es zu spektakulären Kämpfen der Nazis mit den Grals-Beschützern und Indiana Jones kommt, diente dagegen ein echtes Juwel der Filmkultur - die Wüste Tabernas in Andalusien.

Kenner dieser für zahlreiche Film-Klassiker berühmten Wüstenlandschaft erkennen im Film „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ solch emblematische Schluchten (Ramblas) wie Trujillo, Benavides oder Lanujar. In der Rambla del Búho („Uhu-Schlucht“) stopft Indiana Jones den Steinbrocken in eine Kanone und setzt so den Panzer außer Gefecht. In der Zone Las Salinillas fährt das monströse Kriegsgerät einer ungeheuerlich tiefen Schlucht entgegen. Der Abhang befindet sich in Wirklichkeit im Bereich der trockenen Thermalbäder Baños de Alfaro - und ist am Drehort nur fünf Meter tief.

Almerías Badlands: Die als Western-Kulisse prädestinierte Wüste von Tabernas weist das trockenste Klima in ganz Europa auf.

Mit Hut und Regenschirm: Karl der Große am Strand von Almería

Doch auch eine im Film früher stattfindende Verfolgungsjagd wurde an der Küste von Almería gefilmt. Als Indiana und Henry Jones nach ihrer Zeppelin-Flucht mit dem Flugzeug notlanden, befinden sie sich allem Anschein nach irgendwo im Balkan. Auf sensationelle Weise holt das Duo zwei Nazi-Flugzeuge vom Himmel. Das erste locken sie in einen Tunnel: Diese explosive Szene spielt in den andalusischen Goldminen von Rodalquilar bei Níjar. Das zweite Flugzeug stürzt in einem ikonischen Moment am Strand ab, als der Vater Jones mit einem Regenschirm einen Schwarm von Vögeln gen Himmel scheucht.

 „Ich erinnerte mich plötzlich an Karl den Großen: Lassen Sie meine Armeen die Felsen und die Bäume und die Vögel am Himmel sein.“ Diese kultigen Zeilen gibt ein verschmitzter Darsteller Sean Connery auf einem Strand in Andalusien zum Besten, auf der Playa de Monsúl im Naturpark Cabo de Gata von Almería. Den Strand erkennt man sofort an den charakteristischen Fels-Formationen. Schade, dass nach der Wüsten-Episode das letzte Kapitel der Jagd nach dem Heiligen Gral von Spanien Abschied nimmt. In den finalen Szenen von „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ reisen die Helden unbemerkt nach Jordanien.

In der antiken Stadt Petra befindet sich die im 1. Jahrhundert vor Christus in den Fels geschlagene Grabstätte Khazne al-Firaun. Im Film stellt sie die Gralsburg dar, in der die letzten Prüfungen vor der Bergung des Heiligen Grals warten. Doch setzt auch hier „Indiana Jones“ auf unverkennbare Akzente aus Spanien. Schon im Mittelalter war die Grals-Legende von einem in die Berge gehauenen Unterschlupf verbreitet, in dem der Becher versteckt wurde, mit dem einst Jesus Christus das letzte Abendmahl feierte. Ein solches Versteck gibt es tatsächlich: Das Kloster San Juan de la Peña im Norden Spaniens.

Spanien in „Indiana Jones“: Kloster San Juan de la Peña gab die Vorlage zum Mythos von der Gralsburg.

Nach Valencia wäre die Reise nicht so weit gewesen wie nach Petra

Bei Jaca, am Rande der Pyrenäen, wurde in der einmalig gelegenen Kultstätte seit dem 11. Jahrhundert 300 Jahre lang ein besonderer Kelch vor den Mauren versteckt. Das Gefäß, das heute in der Kathedrale von Valencia als „heiliger Gral“ ausgestellt wird. Studien bestätigten, dass es sich unter der goldenen Hülle tatsächlich um einen im Mittleren Osten hergestellten Becher aus dem 1. Jahrhundert handelt. Durchaus hätte Indiana Jones also den Heiligen Gral auch in Spanien finden können. Dann wäre die Reise aus Andalusien nicht so weit gewesen wie nach Jordanien.

Folgte der Film den historischen Spuren des Grals von Valencia, wäre vielleicht das Felsen-Kloster San Juan de la Peña heute für Reisen von Filmfans aus aller Welt ähnlich begehrt wie das jordanische Mausoleum von Petra. Doch die Macher von „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ vermieden wohl bewusst einen direkten Verweis auf den Kelch aus Spanien. Möglicherweise, um keine zu klare Antwort auf die Frage zu liefern, welcher Gral der Welt nun der echte ist. Doch ob Jordanien oder Valencia: Die drei Prüfungen, mit denen Indiana Jones sich den Fund des Grals am Ende verdient, sind schließlich allgemein gültig.

Keine Rolle spielte Spanien 2008 im vierten Teil der Saga, im „Königreich des Kristallschädels“. Wegen der eher miesen Handlung und Machart ist dieser Film für viele Fans aber sowieso kein richtiges „Indy“-Abenteuer. Schade, dass sich Steven Spielberg nicht lieber in Spanien umgeschaut hatte. Würden doch viele spanische Artefakte und Mysterien Stoff für Schatzsuchen mit dem Action-Archäologen bieten. „Indiana Jones“- Fans von der Costa Blanca drehten sogar einen Kurzfilm über die Dama de Elche, die als „Indy“-Schatz eine großartige Figur macht, siehe Film auf Youtube (auch auf Englisch).

Spanien in „Indiana Jones“: Kultiger Fan-Film über die Dama de Elche.

Vielleicht der Stoff für einen „Indiana Jones 6“? Zumindest verspricht der neue Film 2023, anders als sein Vorgänger, wieder ein voller Erfolg zu werden. Schließlich sind diesmal alle wichtigen Zutaten für eine großartige „Indy“-Reise im Gepäck: Der Hut, die Peitsche, Harrison Ford und - in Person von Antonio Banderas - auch Spanien.

Zum Thema: Einen Hauch „Indiana Jones“ entdeckte costanachrichten.com im Goldschatz von Villena, den „Spaniens Schliemann“ fand, oder auch in einem Naturwunder an der Costa Blanca. Sean Connery dagegen verband mehr als „Indiana Jones“ mit Andalusien. Und neben ihm drehten auch große Stars wie Brigitte Bardot Filme an der Costa del Sol.

Rubriklistenbild: © Rathaus Cartagena

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