Straße mit Bildern und Blumen in der Altstadt von Cordoba.
+
Viele Touristen wissen gar nicht, dass die schmucken kleinen Höfe in der Altstadt von Córdoba Teil des jüdischen Viertels waren.

Spanien auf den zweiten Blick

Jüdisches Spanien: Städtereisen auf den Caminos de Sefarad

  • vonMarco Schicker
    schließen

Córdoba, Sevilla und Toledo beherbergten die wichtigsten jüdischen Gemeinden in Spanien. Das Projekt „Caminos de Sefarad“ bemüht sich, die Spuren der vor 500 Jahren vertriebenen jüdischen Spanier wieder sichtbar zu machen. An 19 verschiedenen Orten.

  • Das Netzwerk „Caminos de Sefarad“ verbindet die jüdischen Viertel Spaniens und bereitet sie für Besucher auf.
  • Córdoba, Toledo und Sevilla haben die wichtigste jüdische Geschichte in Spanien und eine beeindruckende Vielzahl an Monumenten.
  • Jüdische Geschichte gibt es aber auch in der Region Valencia, in Katalonien und bis in die Extremadura und nach Murcia zu besuchen, wie die Synagoge im Castillo de Lorca.

Toledo - Dass man vor allem weltliche jüdische Baudenkmäler in Spanien nicht gleich erkennt, hat zwei Gründe. Zum einen gingen seit der Vertreibung der spanischen Juden über 500 Jahre ins Land, was viele Spuren zerstörte. Und zum Anderen lebten die Juden in Spanien als Spanier Seite an Seite mit Goten, Römern, Christen, Mauren. Ihre spezifische Formensprache floss mit der anderer Kulturen zu dem zusammen, was wir heute Spanien nennen. Vor allem die jüdischen Lebenswelten unter maurischer Herrschaft sind für den Laien kaum unterscheidbar, stammen beide Völker ja aus der gleichen Gegend, sprachen sogar beide semitische Idiome.

Jüdische Viertel vernetzt: Caminos de Sefarad durch ganz Spanien

Ein ambitioniertes Projekt, die „Caminos de Sefarad“, eine Route auf den Spuren des jüdischen Spaniens also, versucht sich daran, Besucher auf das speziell jüdische Erbe in den spanischen Städten hinzuweisen, die eine besonders reiche jüdische Vergangenheit haben. Es lädt zu einem zweiten Blick auf die pittoresken Altstädte ein. Dazu hat man das Netz der jüdischen Viertel in Spanien entwickelt, das Synagogen, Friedhöfe, Altstadtviertel und andere Monumente jüdischen Lebens ins Licht rückt. Dabei werden Führungen angeboten, es gibt Handwerks- und Musikfestivals sowie Hintergrundinformationen für Interessierte, Schulprogramme. Insgesamt 19 Orte stehen auf dem Programm. Jedes Jahr kommen welche hinzu.

Die Sinagoga de tránsito in Toledo. Eines der am besten restaurierten jüdischen Gebetshäuser in Spanien.

Als prominenteste Eckpunkte der Route seien genannt: Toledo mit seinem Jüdischen Museum, dem größten des Landes, das zudem noch in der prächtigsten erhaltenen – und restaurierten – Synagoge Spaniens untergebracht ist, der Sinagoga del Tránsito aus dem Jahre 1355. Hier war im 10. Jahrhundert eine der berühmten Übersetzerwerkstätten tätig, die das altertümliche Wissen für Europa aufbereitete und als Wiege der Idee von Universitäten gelten können. Und natürlich lädt man die Besucher in die mittelalterliche Altstadt, eine Stadt in der Stadt, die wie keine andere in Spanien ihr jüdisches Antlitz, zumindest das in Stein gehauene, bewahren konnte.

Mindestens so bedeutend ist das jüdische Leben in Córdoba gewesen, immerhin Hauptstadt des ersten Emirates unter Abderramán I., einer der Omeyaden-Herrscher, die sich mit jüdischer Gelehrsamkeit umgaben. Erzählt wird hier die Geschichte von Hasday Ibn Shaprut, Diplomat, Finanzminister und Arzt, der es zum Nasir brachte, dem Chef aller jüdischen Gemeinden im Kalifat.

Von Barcelona bis Segovia: Jüdische Baudenkmale in Spanien

Anhand von Dichtern und Gelehrten bietet so die Sefarden-Tour durch Córdoba eine lehrreiche Ergänzung und man betritt auch das Welterbe der Moschee-Kathedrale mit etwas anderen Augen. Die Routen laden außerdem ein zu Rundgängen durch Cáceres in der Extremadura, Ávila bei Madrid, Jáen, León, Lucena, Barcelona, Oviedo und Segovia.

Und natürlich führen alle Wege der spanisch-jüdischen Geschichte nach Sevilla, mit dem größten jüdischen Viertel Spaniens, mit seiner so spannenden wie tragischen Geschichte sowie nach Granada.

Am Seitenportal der Kirche Santa Maria la Blanca in Sevilla erkennt man noch, dass das einmal eine Synagoge war.

Auch in der Region Valencia blieb Sehenswertes erhalten. Weniger in Valencia Stadt, dem einstigen Balansyia, wo man das jüdische Erbe konsequent weggebaut hat, nachdem König Jaime I. sämtlichen muslimischen wie jüdischen Besitz plündern ließ, um seine Söldner zu bezahlen. In Sagunto aber, 30 Kilometer nördlich der Landeshauptstadt, blieben Teile der Judería, auch ein Bad, erhalten und sind die Geschichten der maßgeblichen Familien überliefert.

Schließlich sei ein Ausflug auf das Castillo de Lorca in der Region Murcia empfohlen, in dem sich eine Synagoge befindet. Das jüdische Leben vollzog sich hier unter dem Schutz kastilischer Könige lange im Grenzgebiet zu den maurisch beherrschten Regionen – natürlich auch nur bis 1492. Diese Synagoge, die erst seit einigen Jahren wieder sichtbar ist, wurde teils Museum, aber auch Veranstaltungsraum und sogar wieder Kultstätte einer kleinen jüdischen Gemeinde.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare