Hollywood verärgert Spanien

Im Film zum Bösewicht: Spaniens frühere Tennis-Königin hadert mit „King Richard“

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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In Spanien löst der neue Hollywood-Streifen mit Oscar-Gewinner Will Smith Ärger aus. Arantxa Sánchez Vicario wird als fiese Betrügerin dargestellt. 

Barcelona – Als bad guy der Tennislandschaft galt ja lange Richard Williams, Vater und eisenharter Förderer der Wunderkinder Venus und Serena Williams. Doch nun bringt ein Film das Image des 80-Jährigen zum Glänzen: „King Richard“ mit (dem derzeit hochumstrittenen) Oscar-Gewinner Will Smith in der Hauptrolle. Mit viel Gefühl und Verständnis werden die Hintergründe von Williams’ Erfolgs- und Kontrollwahn gezeigt. Zu Bösewichten – solcher bedarf es in Hollywood – werden dafür andere: Etwa Spaniens Tennis-Königin früherer Tage.

Arantxa Sánchez Vicarioehemalige spanische Tennisspielerin
Geboren: 18. Dezember 1971 (Alter 50 Jahre), Barcelona
Eltern: Marisa Vicario Rubio, Emilio Sanchez

Spaniens Tennis-Königin wird im Film „King Richard“ zum Bösewicht

Arantxa Sánchez Vicario (dargestellt von Marcela Zacarías) tritt in einer zentralen Stelle des Films „King Richard“ (spanischer Titel: „El método Williams“) auf die Bühne. Venus Williams hat mit gerade 14 Jahren das Profi-Tennis gestürmt. Ihre Rivalin im Finale des Turniers: Eine hochklassige, aber auch mit allen Wassern gewaschene, feurige Latina aus Spanien. Ein 1A-Narrativ für die Hollywood-Filmwerkstatt also. Zumal der dunkelhäutige Teenie die Weltranglistenerste fast in die Knie zwingt. Mit 6:2 gewinnt Venus Williams den ersten Satz und führt im zweiten 3:1, als die Gegnerin - ganz Bösewicht - ein fieses Ass aus dem Ärmel zieht:

„Ich hatte eine brillante Karriere, in der mir niemand etwas geschenkt hat.“

Arantxa Sánchez Vicario, Spaniens frühere Tennis-Königin

Minutenlang verschwindet Arantxa Sánchez Vicario auf der Toilette. Die junge US-Amerikanerin kommt total aus dem Tritt, verliert elf Spiele hintereinander und letztendlich auch das Match. Fabelhaft inszeniert der Film „King Richard“ das Tennis-Drama des Youngsters. Eine Ohrfeige sind die Szenen aber für eine Zuschauerin aus Spanien: Die wahre Arantxa Sánchez Vicario. Denn die Wirklichkeit war eine andere. So handelte es sich 1994 um kein großes Finale, sondern um eine Zweitrundenpartie in Oakland. Sánchez Vicario war nicht die Erste der Welt, sondern Steffi Graf. Williams lag mit 6:2, 3:1 vorne, aber der Klo-Moment kann allein aus Regelgründen nur beim Stand von 3:2 (also schon zu Beginn von Sánchez Vicarios Drangphase) passiert sein.

Spaniens Tennis-Königin wird in „King Richard“ zum Bösewicht: 1994 war sie nicht Weltranglistenerste, sondern Steffi Graf

Oscar-Ohrfeige: Chris Rock beleidigte auch Pärchen aus Spanien

Dokumentiert sind vom damaligen Tennis-Duell respektvolle O-Töne der Spanierin, des US-Teenies und sogar von „King“ Richard. Mit Familie Williams habe sich Arantxa Sánchez Vicario bisher immer gut verstanden, bekundete sie nach längerem Schweigen zum Film erst in diesen Tagen. „Ich hatte eine brillante Karriere, in der mir niemand etwas geschenkt hat“, so die Spanierin. „Überrascht“ habe sie der Hollywood-Streifen, den sie im Übrigen allerdings durchaus lobte. Dass Venus Williams in einem Match (US Open 1998) selbst minutenlang auf dem Klo verschwand, bevor sie das Ruder herumriss, ist im Film übrigens nicht zu sehen. Es würde vielleicht nicht ganz ins aufpolierte Williams-Image passen.

Übrigens sorgte auch der Ohrfeigen-Moment auf der Oscar-Verleihung für besondere spanische Beachtung. Ein hässlicher, unangemessener, zu verurteilender Ausraster war auf der Bühne Will Smith Schlag ins Gesicht von Chris Rock. Aber: Irgendwie hatte sie der Moderator auch wohlverdient. Denn nicht nur hatte er Will Smiths Ehefrau Jada Pinkett Smith beleidigt, indem er über ihre wegen Erkrankung kurzgeschorenen Haare witzelte. Sondern er verstörte auch ein berühmtes Pärchen aus Spanien, das vor Ort war: Javier Bardem und Penélope Cruz waren beide Oscar-nominiert. Wenn er gewinne und sie nicht, werde er „heute Nacht“ nicht gewinnen, scherzte Chris Rock. Hö, hö. Die Krönung: Auf Cruz bezog sich der Komiker nur als „Frau von Javier Bardem“.

Der Spanier blieb, anders als Smith, jedoch ruhig sitzen: Vielleicht, weil er Cruz schon auf dem Roten Teppich als „großartige Frau, klug, mutig, großzügig, liebenswert“ gelobt hatte. Vielleicht aber auch, weil er weiß, dass sie sich selbst verteidigen kann.

Rubriklistenbild: © dpa/Gerry_Penny

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