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Internationales Film-Festival Torrevieja: Blitzlichter von Cannes, Schatten des Krieges

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Von: Stefan Wieczorek

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Frauen posieren auf Gala oder Film Festival mit gotem Teppich.
Linkes Bild: In Cannes traf Denisova (rechts) Stars wie Katherine Lanfort. Rechtes Bild: Denisovas Begleiterinnen auf dem Roten Teppich. © Tatiana Denisova

Ein freudiges Wiedersehen mit dem russischen Filmfest sollte es vom 1. bis 4. Juli werden. Dazwischen kam der Ukraine-Krieg. Nun findet das Event unter verändertem Namen statt.

Torrevieja - Aufgeregt blickt die russische Community an der Costa Blanca der Rückkehr ihres Kino-Events entgegen. Nach zwei Jahren Corona-Flaute findet vom 1. bis 4. Juli die achte Ausgabe des Sol International Film-Festivals statt. Erwartet werden Teilnehmer aus Ländern wie Spanien, Ukraine, Großbritannien, Armenien, Dänemark, Lettland, Russland, Kasachstan, Kirgisistan und anderen. Wohlgemerkt offiziell in dieser Reihenfolge. Die russischen Veranstalter sind dazu gezwungen, ihr Land, das seit Monaten mit dem Ukraine-Krieg für trauriges Aufsehen sorgt, weniger prominent erscheinen zu lassen. Auch das eigentliche Sol Russian Film-Festival von Torrevieja, dem „kleinen Russland“ in Spanien, wurde in „International“ umbenannt.

„Wir haben immer gesagt: Sie sind nicht ‚wie Geschwister‘ für uns, sondern ‚Sie sind unsere Geschwister‘“.

Tatiana Denisova, Festival-Organisatorin aus Torrevieja über die Menschen aus der Ukraine

Torrevieja: Russisches Film-Festival vom Krieg überschattet

Im angepassten Format soll das nicht mehr ganz so russische Film-Festival an der Costa Blanca also steigen. Die Vorbereitungen liefen in den vergangenen Monaten heiß. Und wo konnte man sich für ein Filmfest am Mittelmeer besser inspirieren lassen als ein Stück nordöstlich, in Cannes? Dort entschied sich die Organisation des 75. großen internationalen Filmfests, wegen des Ukraine-Krieges zwar Delegationen aus Russland auszuladen. Russische Filme und Vertreter der Branche wurden aber eingeladen, darunter auch eine Gruppe aus Torrevieja: Tatiana Denisova mit Gefolgschaft. Die Organisatorin des Sol International Festivals ist eines der prägenden Gesichter Russlands an der südlichen Costa Blanca.

Seit 20 Jahren ist Tatiana Denisova mit der Firma Globus im Immobiliensektor der Salinenstadt vertreten, betreibt Läden, Cafés und bringt Menschen zusammen. „In der Calle Murcia ist von 10 bis 18 Uhr täglich jemand da und berät zu allen Themen“, sagt sie uns im Telefongespräch, während sie in Cannes weilt. Selbstredend ist die Laune der russischen Film-Festival-Veranstalterin nicht so feierlich, wie sie es gerne hätte. Seit dem 24. Februar stehe sie „unter Schock“. Nie hätte sie die Eskalation des Krieges in der Ukraine erwartet. Gerade in Torrevieja, dem „Babylon, wo alle Nationen gleich sind“, sei ein so blutiger Konflikt „völlig unverständlich“. Doch mit ihren ukrainischen Freunden und Kollegen sei die Beziehung weiter intakt.

Russisches Film-Festival in Torrevieja: „Eher spanische und internationale Gäste auf der Liste“

„Wir haben immer gesagt: Sie sind nicht ‚wie Geschwister‘ für uns, sondern ,Die Ukrainer sind unsere Geschwister‘“, sagt die russische Wahlspanierin. Gerade an der Costa Blanca trage man einige Folgen des Krieges gemeinsam. „Banken etwa geben weder Russen noch Ukrainern Darlehen. Es gibt Probleme mit Überweisungen“, erklärt Tatiana Denisova. Das sechste EU-Sanktionspaket sorge in Sachen Immobilien für Unruhe in Torrevieja. „Kommt es in Kraft, können Russen ihre Häuser nicht verkaufen“, sagt die Russin, die aus Novorossiysk stammt, einer Stadt am Schwarzen Meer. Ganz ähnlich wie die Costa Blanca sei ihre Heimat in Russland, mit den Bergen, die man vom Strand aus sehen kann. Mit 28 Jahren zog Denisova nach Spanien. Ihre Tochter war damals acht.

Warum Torrevieja? „Weil es hier so international-freundschaftlich ist“, antwortet die Russin. Das habe der Familie immer gut getan. Im Juli feiert die Festivalorganisatorin neben dem großen Event ihren 50. Geburtstag. „In meinem Leben habe ich gelernt, wie man trotz Schwierigkeiten vorankommt.“ So soll das Film-Festival in Torrevieja trotz düsterer Kriegszeiten versöhnlich über die Bühne gehen. Auch deshalb wird es dieses Jahr als „internationales“ denn als „russisches“ Event angekündigt. „Viele Gäste aus Russland können nicht kommen, daher stehen eher spanische und internationale Gäste auf der Liste“, so Denisova. Vielleicht auch das eine oder andere Sternchen vom Roten Teppich aus Cannes? Auf der Webseite der Stadt Torrevieja gibt es Infos und Tickets.

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