Comic-Oscar für Spanien

Valencia: „Das Haus“ holt Eisner-Preis nach Spanien - Paco Roca, Comics vom Altern

  • vonStefan Wieczorek
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Paco Roca aus Valencia gewann mit "Das Haus" den US-Preis für einen Comic übers Altern. Zuletzt malte er in der U-Bahn in Madrid ein Wandbild für Senioren in der Corona-Zeit. Warum treiben ihn alte Menschen so um?

  • „Das Haus" von Paco Roca aus Valencia gewinnt 2020 Eisner-Preis mit Geschichte über das Altern:
  • Im Haus, das drei Spanier zum Verkauf vorbereiten, erinnern sie sich an ihren verstorbenen Vater.
  • Paco Roca begann in „Arrugas“ (2007 Buch, 2011 Film) sich in Comics mit dem Altern zu beschäftigen.

Valencia - Ein spanisch gefärbter Eisner-Preis war es am 24. Juli 2020. In drei Kategorien der „Comic-Oscars“ gewann Spanien. Neben Emma Ríos für ihr Werk „Bella Muerte“ und der Bücherei Nostromo aus Sevilla holte Paco Roca aus Valencia mit „La casa“ - das Haus - für die beste US-Ausgabe („The House“) eines internationalen Werks. 2020 ist definitiv das Jahr des Paco Roca und damit auch des Kollektivs, das der Zeichner in seinen Werken immer wieder voranstellt: Die alten Menschen. Auch „Das Haus", das nun den US-Preis gewann, handelt von ihnen, beziehungsweise von der Erinnerung an sie.

Paco RocaComic-Zeichner aus Valencia
Geburtsdatum1969 in Valencia
Bürgerlicher NameFrancisco Martínez Roca
Wichtige WerkeArrugas (2007), El invierno del dibujante (2010), Los surcos del azar (2013), La casa (2015)
Webseitewww.pacoroca.com

„Das Haus“ aus Valencia: US-Preis für Comic über Erinnerungen an den verstorbenen Vater

Die Geschichte, mit der Paco Rocas „Das Haus" den amerikanischen Comic-Preis nach Valencia holte: Drei erwachsene Söhne eines gerade gestorbenen Vaters kehren in Spanien ins Haus ihrer Kindheit zurück, um es zu entrümpeln und zum Verkauf vorzubereiten. Doch einmal dort, merken sie, wie jedes vermeintliche Stück Abfall Erinnerungen in ihnen weckt. Längst vergessene Anekdoten werden im altbekannten Haus lebendig. Mit viel Herz und in zauberhaften Bildern stellt der Zeichner die Vergänglichkeit des Lebens und den Wert der Erinnerung dar.

Paco Roca aus Valencia gelingt es mit „Das Haus" 2020 schon zum zweiten Mal so unbequeme Themen wie Alter und Tod ins Gespräch zu bringen. Zuerst war das Werk 2015 in Spanien en vogue, als "La casa" zum besten Comic des Jahres gekürt wurde. Welchen Rang der Valencianer in Spanien innehat, zeigte er am Wochenende des „Comic-Oscars.“ Für den 26. Juli, den Tag der Großeltern in Spanien, malte Paco Roca in der U-Bahn in Madrid ein gewaltiges Wandbild. Ganz verschiedene Facetten des Alterns sind auf dem acht Meter breiten und 1,90 Meter hohen Comic-Bild zu finden (siehe Tweet oben).

Paco Roca aus Valencia malte in Madrid Wandbild für Senioren in Coronavirus-Zeiten

Der Comic-Zeichner aus Valencia stellte in Madrid aktives und zärtliches Altern, aber auch Behinderung und Gebrechlichkeit dar. Das Wandbild in der Station Plaza Castilla ist zudem eine Widmung an die vielen älteren Coronavirus-Opfer in Spanien. Ja, das Virus hat eines mit Paco Rocas Comics gemeinsam: Es brachte die Senioren in die vorderste Front der Aufmerksamkeit. Und das in einer Gesellschaft, die immer mehr meint, alte Menschen wegpacken zu können wie das Gerümpel in „Das Haus“. 2007 nahm schon Rocas preisgekröntes „Arrugas“ - „Falten" -, das 2011 exzellent verfilmt wurde, das Thema Altern auf.

Haus in Valencia: In Paco Rocas Comics mischt sich Realität mit Fiktion.

In „Arrugas“ stellt Paco Roca einen älter werdenden Mann dar, der auf Drängen seiner Familie aus seinem Haus in ein Altersheim zieht. Was er dort erlebt – Freundschaften, Herausforderungen, Abenteuer – erzählt der Comic, dessen deutscher Titel „Kopf in den Wolken“ lautet. Ein besonders rührender Handlungsstrang im Buch und im Film macht deutlich, wieviel Würde auch in einem Menschen mit sehr geringem Vermögen an Erinnerung noch steckt. (Siehe Video-Ausschnitt: „Was machst du eigentlich, um ihn zum Lächeln zu bringen?“). „Arrugas“ ist vielleicht der ideale Einstieg in die Comic-Welt des Autors von „Das Haus“.

Im Haus aus dem Comic: Paco Roca aus Valencia im Interview mit Costa Blanca Nachrichten

Paco Roca aus Valencia bewohnt heute übrigens das Haus seines Vaters, das für den Comic, der den Eisner-Preis gewann, Modell stand. Von dort aus beantwortete der Zeichner einige Fragen im Interview mit den Costa Blanca Nachrichten.

COSTA BLANCA NACHRICHTEN: Wie ist es, für das fünf Jahre alte Werk „Das Haus“ nun erneut einen Preis zu gewinnen?

PACO ROCA: Alle meine Comics verändern mich irgendwie, „Das Haus“ tat es am meisten. Ich schrieb das Buch, um meine Gefühle zu ordnen. Mein Vater starb, meine erste Tochter wurde geboren. Nun sehe ich den Moment aus neuer Sicht, als Vater einer zweiten Tochter, und schreibe diese Zeilen aus dem Haus, das mir heute viel bedeutet.

COSTA BLANCA NACHRICHTEN: In "Das Haus" behandeln Sie wieder das Altern. Wieso kommt es so oft in Ihren Werken vor?

PACO ROCA: Mein Interesse am Altern erwachte schon lange vor „Das Haus“ - mit „Arrugas“. Meine Eltern waren sehr alt, und ich wollte wissen, was sie in jenem Moment ihres Lebens fühlten. Ich bemerkte, dass das Altern selten Protagonist ist, ob Comic, Roman oder Kino. Aber die Senioren sind eine wichtige Säule unserer Gesellschaft und eine Quelle des Wissens, der Erfahrung und Erinnerung. Sie anzusehen führt uns dazu, uns selbst besser kennenzulernen.

Paco Roca aus Valencia wohnt im Haus aus dem Comic „La casa“.

COSTA BLANCA NACHRICHTEN: Trotz „Das Haus“ bleibt „Arrugas“ Ihr prägendes Werk zum Thema Altern. Warum?

PACO ROCA: Für mich persönlich ist „Arrugas“ das Buch, mit dem viele meiner Leser begannen, meine Arbeit zu verfolgen. „Arrugas“ ist ein Werk, das vom Altern handelt, aber ganz besonders auch von der Einsamkeit.

Der Verlag Reprodukt bietet Paco Rocas Werke auf Deutsch mit Leseproben online.

Rubriklistenbild: © Paco Roca

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