Ein Mann mit Bart und Lanze hält sich in Spanien Rohr ans Ohr.
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Spaniens beste Weihnachtslieder: Zum Mitsingen - „Stille“ Nacht?!

Spanische Weihnachtslieder

Weihnachten in Spanien: Die schönsten Lieder für die Feiertage

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Kein Weihnachten in Spanien ohne Villancicos: Weihnachtslieder, die zum „Pandereta“-Rütteln einladen und manches Rätsel aufgeben. Die besten Lieder zum Mitsingen - natürlich auch unter Corona.

Alicante - Mit „Stiller Nacht“ hat Weihnachten in Spanien ja nicht ganz so viel zu tun, obgleich das berühmteste Weihnachtslied der Welt natürlich auch als „Noche de paz“ auf Spanisch erklingt. Vor allem in den Städten des Südens, wo keine Kälte die Leute im Haus hält, fallen die Festtage knallig und grell aus. Selbst die Villancicos, Spaniens Weihnachtslieder, laden mit flotten Rhythmen und Ohrwurm-Melodien eher zum lautem Mitsingen und wilden Rütteln der „panderetas“ (Tamburie) ein statt zu andächtiger Stille. Auch im Coronavirus-Jahr werden die festlichen Schlager in Spanien nicht verstummen - notfalls per Video.

Spaniens beste Weihnachtslieder: Zum Mitsingen mit Videos, auch unter Corona

Eigentlich, muss man anmerken, waren die Villancicos in Spanien zwar einst die Lieder des einfachen Volkes („villanos“), nahmen aber durch Komponisten wie Juan del Encina ab dem 15. Jahrhundert durchaus anspruchsvolle Formen an. Die heutigen Gassenhauer kamen erst im 20. Jahrhundert in die gesangliche Hit-Rotation – und blieben bis heute. Zwar werden sie an Weihnachten 2020 natürlich kaum live dargeboten werden können, aber umso öfter als Youtube-Video an Bildschirmen daheim. Wir stellen einige Weihnachtslieder vor, die Sie unbedingt kennen müssen. Lieder, die leicht zu lernen sind, Frohmut verbreiten – aber bei genauerem Zuhören auch spannende geographische Infos erteilen und manches Weihnachtsrätsel aufgeben.

Spaniens beste Weihnachtslieder: „La Marimorena“ - Die Brünette aus Madrid

Starten wir mit dem ersten Weihnachtslied aus dem Herzen von Spanien. In der Hauptstadt Madrid soll die Gutelaunenummer „La Marimorena“ entstanden sein. Ob im Umfeld einer Taverne oder eines Klosters (oder beides?!) steht in den Sternen. Neben kindlichen Reimen wie „luna“ (Mond) und „cuna“ (Wiege) beruht das Lied auf dem stetigen „Ande, ande, ande“, das eine gewisse Marimorena zum Aufbruch animiert. Dass die „brünette Mari“ eine reale Person war, und nicht etwa die dunkle Jungfrau aus Montserrat, die Moreneta, da sind sich Experten sicher. Weitere Details bleiben aber der Weihnachts-Fantasie überlassen.

Spaniens beste Weihnachtslieder: „Ay del chiquirritín“ - Die Brünette aus Madrid

Weiter in der Villancico-Hitliste von Spanien darf gerade bei den Allerjüngsten nicht „Ay del chiquirritín“ fehlen. Ein lustiges Weihnachtslied mit großartigem Tamburin-Rhythmus, den man vor allem im Norden des Landes singt, wo ihn die „villanos“, einfache Menschen des Volkes aus Navarra gedichtet haben sollen. Mit lustigen Reimen beschreiben die zweizeiligen Strophen die Krippe von Bethlehem und heben dabei – Vorsicht Zungenbrecher – den „chiquirritín“, also den Winzling im Heu hervor. Praktisch: Das folgende Youtube-Video lädt auch auf Englisch zum Mitsingen ein.

Spaniens beste Weihnachtslieder: „Los Peces En El Río“ - Arabisches Trinklied

Und nun zu Spaniens absolutem Mysterium: Warum haben Fische im Fluss an Weihnachten nichts Besseres zu tun, als zu „trinken, trinken und nochmals zu trinken“. Das tun die „Peces en el río“ (Fische im Fluss). Wo das Weihnachtslied entstand, weiß keiner, außer natürlich: an einem Fluss. Kurios ist der recht eindeutige arabische Einfluss der Melodie. Auch der Text tanzt bei den spanischen Villancicos aus der Reihe, weil er ganz profane Krippenszenen besingt, so die Wäsche waschende oder sich kämmende Jungfrau - siehe auch im Youtube-Video. Im Text sollen zig Symbole versteckt sein, etwa der Rosmarin, der für ewiges Leben steht. Selbst die Fische könnten für Christen stehen, da doch der Fisch ihr frühestes Erkennungszeichen war. Auch die Trinkfestigkeit?

Spaniens beste Weihnachtslieder: „Ya vienen los Reyes Magos“ - Abkürzung Amsterdam?

Ein weiteres ungelöstes Geheimnis von Spaniens Weihnachten lautet: Warum visieren die drei Heiligen Könige im ansonsten simpel gestrickten „Ya vienen los Reyes Magos“ („Schon kommen die königlichen Magier“) ausgerechnet „Holanda“ („Holland“) an?! Ist vielleicht das „Holy Land“ (Heiliges Land) gemeint? Hieß der Stern „Olanda“? Oder war König Balthasar Holländer? Niemand weiß es, auch nicht die, die das Weihnachtslied am lautesten mitsingen und ihre „panderetas“ durchschütteln. Vielleicht finden Sie im Youtube-Video einen Hinweis auf des Rätsels Lösung.

Spaniens beste Weihnachtslieder: „Campanas sobre campanas“ - Glocken mit Nachrichten

Vom Fluss und Holland zurück ins Herz von Spaniens Seele, nach Andalusien. Hier entstand vor hundert Jahren das Gute-Laune-Weihnachtslied, der selbst den tristesten Spanier zum Mitklatschen bewegt. „Campanas sobre campanas“, Glocken auf Glocken, ist ein absoluter pandereta-Hit für die kleinen Hirten von heute. Immer wieder ertönt die Frage: „Qué nuevas me traéis?“ – „Welche Nachrichten bringt ihr mir?“ Einfach zum Mitsingen in diesem schicken Sternenhimmel-Video auf Youtube.

Spaniens beste Weihnachtslieder: „Mi burrito sabanero“ - Wenn sie mich sehen...

Zum Abschluss ein tanzfreudiges Eselchen. „Mi burrito sabanero“ mauserte sich zum vielleicht beliebtesten Schlager der spanischen Weihnachten. Kreuz und quer durch Spanien erklingt „Si me ven, si me ven, voy camino de Belén“ („Wenn sie mich sehen, bin ich auf dem Weg nach Bethlehem“). Doch auch hier die Frage: Warum ein Esel „aus der Savanne“? Ausnahmsweise ist die Lösung hier bekannt: Der Song schildert die Landschaft von Venezuela. Von dort brachten ihn die vielen Migranten ins Land, das fröhliche Weihnachtslieder mit besonders offenen Armen empfängt. Ein Youtube-Video zum Mitsingen und fetzigen Abrocken.

Noch nicht genug von Weihnachts-Traditionen aus Spanien? Dann lernen Sie bei uns das Weihnachtsgebäck des Landes kennen, erfahren, was die spanische Weihnachtsgans ist oder lesen über kulturelle Parallelen zwischen Deutschland und Spanien.

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