Wo man Bücher verbrennt…

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Die Gärten der Alhambra: Inspiration für Heines sprudelnde Fantasie. Foto: Wikiloc

Marco Schicker. Heinrich Heine war nie in Spanien. Auch Goethe und Schiller waren es nicht. Lessing wollte, aber er musste seine Europareise wegen des Siebenjährigen Krieges abbrechen. Die deutsche Klassik und Romantik hatte andere Sehnsuchtsorte. Griechenland, das man im Wortsinne vergötterte, den Orient, den man mystifizierte, Frankreich, an dem man sich rieb und vor allem Italien, nach dem man sich verzehrte. Nach den Idealen der italienischen Renaissance, der Wiedergeburt des antiken Geistes, sowohl in der Ideenwelt als auch in seiner manifesten äußeren Schönheit.
Die deutsche Dichtkunst und Schriftstellerei wies Spanien hingegen eine Nebenrolle zu. Vom Land wusste man nicht gar so viel, noch die Reiseberichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts lesen sich, als würde der Weg nicht durch Europa führen, sondern durch ferne, exotische Länder. Eine rückständige, bäuerliche Gesellschaft mit eigenartigen Traditionen. Ein trauriger, im finsteren Katholizismus hängengebliebener Torso eines einstigen Weltreichs, das Ozeane überwand und neue Welten eroberte, um sich mit fremdem Gold zu schmücken, aber die Kurve in die Neuzeit verfehlte.

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