Aufbruch ins deutsche Leben

0
459
Foto: Manuel Iglesias/Archiv/EFE

at. Angel Alava und Chari Bautista sprechen perfekt Deutsch, haben deutsche Partner, leben und arbeiten in Deutschland. Doch ihre Wurzeln, dass zeigen nicht nur ihre Namen, sondern auch ihre Geschichte, liegen in Spanien. Die Eltern der beiden heutigen „Ruhrpottler“ gehören zu den insgesamt rund 600.000 Spaniern, die zwischen 1960 und 1973 nach Deutschland emigrierten.
„Andere lernten als erstes Schimpfwörter auf Deutsch, bei unseren Vätern waren es die Straßenbahnhaltestellen“, sagt Angel Alava lachend. Sowohl seinen Vater als auch den von Chari Bautista verschlug es im Jahr 1962 nach Duisburg, wo sie als Straßenbahnfahrer bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) anheuerten – und da waren die Namen der Haltestellen zunächst einmal wichtiger als deutsches Vokabular.
Angel Alava kam fünf Jahre, nachdem sein Vater nach Duisburg ausgewandert war, in Deutschland auf die Welt. Chari Bautista war ein Jahr alt, als ihre Mutter mit ihr und den Geschwistern dem Vater nachfuhr. Gemeinsam mit María Frieros, auch sie Migranten-Tochter, organisierten die beiden für 2010 die Ausstellung „Españoles in Duisburg. 50 Jahre spanische Migration“, in der Vertreter ihrer Elterngeneration zu Wort kamen und die ihnen, der zweiten Generation, die Möglichkeit gab, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen (siehe Kasten Seite 32).
Eine Geschichte, die mit einem wahren Einwanderungsboom begann, den Deutschland damals aus Richtung Spanien erlebte. Gefördert wurde er von beiden Staaten, die jeweils ihren Vorteil in dieser Bevölkerungsverschiebung suchten. „Spanien war vor allem ein Agrarland“, sagt der Historiker Joaquín Riera, der 2018 das Buch „Maletas de cartón. 50 años de emigración española a Alemania, 1960-2010“ (Koffer aus Pappe. 50 Jahre spanische Emigration nach Deutschland) veröffentlichte. Während es in Spanien wenig Industrie und viel Arbeitslosigkeit gab, und das Land in politischer Isolation verharrte, boomte die Wirtschaft in Deutschland. Hinzu kam eine niedrige Geburtenrate. „Deutschland brauchte billige Arbeitskräfte“, fasst es Riera zusammen.

Mehr in der Printausgabe

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.