Chronik einer Apokalypse

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Schlacht am Ebro, Belagerung des Alcázar von Toledo, Bombardierung von Guernica, Schlacht um Madrid, Schlacht um Belchite. Fotos: Nationalbibliothek, Collage: Bettyreategui

Alicante – mar. „In einem Krieg darfst du nie zugeben, dass alles verloren ist. Gibst du es zu, vernichten sie dich.“ Ernest Hemingway über Juan Negrín.
Der seit zweieinhalb Jahren in Spanien wütende Bürgerkrieg, Folge eines faschistischen Putsches gegen die Regierung des Landes, gilt militärisch und politisch schon längst als entschieden, als der republikanische Regierungschef, Juan Negrín, am 23. Januar 1939 die Generalmobilmachung anordnet. Doch viel zu mobilisieren gibt es nicht mehr. Am 26. Januar fällt Barcelona, lange Zentrum des republikanischen Widerstandes, bis 10. Februar der Rest Kataloniens. Negrín und viele militärische und politische Führer der Republik müssen zunächst nach Frankreich fliehen. Nur Madrid, die Mancha und die Levante-Küste von Valencia bis Almería sind noch republikanisch.
Am 18. Februar bietet Franco per Radioansprache einen „Frieden“ an, man werde „das Leben all jener schonen, die sich nicht direkt an Bluttaten beteiligt haben“, lügt er ins Mikrofon, während seine Soldaten und Geheimpolizei reihenweise Kriegsgefangene und Zivilisten abschlachten, zigtausende in Lagern verschwinden lassen. Ohne Prozesse. Ohne Rechte.
Negrín kehrt nach Spanien zurück, am 26. Februar versammelt er die Reste seiner Minister und Kommandeure in Llanos bei Albacete, viele waren allerdings in Frankreich geblieben. Ihm schlägt offene Opposition entgegen, fast alle Fraktionen sehen keinen Sinn mehr darin, angesichts der offensichtlichen Unterlegenheit weitere Menschen zu opfern. Sie fordern Kapitulationsverhandlungen um jeden Preis.
An Negríns Entscheidung, den Kampf dennoch weiterzuführen, reibt sich die Geschichtsschreibung bis heute. Er selbst sagte, dass er „über jeden Frieden verhandeln“ wolle, außer über jenen, „in dem Franco 500.000 Männer hinrichten lässt.“ Es gibt keinen Konsens darüber, ob er sich Stalins Moskau unterordnete oder als loyalster Verteidiger der Republik zu beurteilen ist. Jedenfalls waren die Kommunisten die treuesten und zum Schluss die einzigen Gefolgsleute des PSOE-Mannes und Arztes Negrín. 1947 wird der Exilierte aus der PSOE ausgeschlossen, und sollte erst 2006 zaghaft rehabilitiert werden.

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