Die Kunst auf Reisen

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Rafael Durancamps malte 1945 dieses kleine Stillleben und stimmte mit Rotwein und Gitarre auf spanisches Ambiente ein. Fotos: Katalog

Clementine Kügler – Madrid. Da sitzen drei Gestalten, die Gewehre bei Hand, auf den Felsen vor schneebedeckten Gletschern, eine erlegte Ziege mit stattlichem Gehörn liegt bei ihnen. Der Betrachter sieht nicht aus dem Fenster des Paradors von Gredos, sondern auf die Bilder, die an den Wänden hängen. Der Maler Adelardo Covarsi aus der Extremadura erhielt 1928 den Auftrag, fünf große Gemälde mit Jagd- und Landschaftsszenen für den neu erbauten Parador in Gredos zu malen. Den ersten Parador überhaupt.
Inzwischen sind es 94. Manche dieser staatlichen spanischen Luxushotels sind in historischen Palästen, Klöstern oder Burgen untergebracht, anderen wurden eigens errichtet. Als einer der letzten 2012 der ultramoderne Parador in Cádiz.
Anfang November, auf dem World Travel Market in London, machte der Minister für Industrie, Energie und Tourismus, José Manuel Soria, die Ankündigung, dass die spanische Hotelkette Paradores keine weiteren Häuser im Inland eröffnen wird. Man wolle lieber die Qualität der 94 bestehenden erhöhen. Das schlug wie eine Bombe ein, immerhin sind acht Luxushotels noch im Bau oder Umbau, darunter Ibiza und Morella.
Die würden alle fertiggestellt, aber keine neuen mehr geplant, versuchte das staatliche Institut für Tourismus, Turespaña, die Worte des Ministers zu klären. Der ibizenkische Podemos-Ableger hat daraufhin Soria als „schlechtesten Tourismusminister der Demokratie und Ibizas Staatsfeind Nummer eins“ bezeichnet: „Erst versucht er, unsere Insel zu zerstören, indem er die Erdöl-Sondierungen fördert und applaudiert, jetzt ‚bestraft‘ er Ibiza und lässt es ohne Parador.“ Ibizas Altstadt-Anlage gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. Bei den Bauarbeiten zum Parador, die 2009 begannen, wurden Reste eines Tempels entdeckt, das Projekt wurde gestoppt und erst Ende November 2015 mit einem neuen Plan wieder genehmigt. Der Parador wird der erste – und vermutlich einzige – auf den Balearen sein und das Sahnehäubchen für das Image, das parallel zu dem der Party-Insel gepflegt wird: Ibiza soll für Luxus stehen.

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