Freud und Leid mit Valenciano

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In öffentlichen Büchereien können heute Bücher und Medien auf Valenciano ausgeliehen werden. Foto: Ángel García

Valencia – sk. Drei Generationen, vier Sprachen und alles unter einem Dach in einer Urbanisation in Jávea. Chinesisch, Englisch, Deutsch und Spanisch – wenn seine vier Enkel und deren Eltern loslegen, muss Helmut Jutzi die Ohren spitzen. Dabei beherrscht der Unternehmer sechs Sprachen. Vor einer aber verschließt er sich und seinen multikulturellen Haushalt – dem Valenciano.
Mit seinem Buch „Katalonien – Ein Konflikt wird exportiert. Einsichten eines Zugereisten“, mit seinem Internetblog www.katalonien konflikt.eu und für die Organisation „hablamos español“ wehrt er sich, dass die Regionalsprache weiten Teilen der Gesellschaft „aufgezwungen“ wird. Für die kulturelle Förderung, Sprachunterricht oder das umstrittene Regionalfernsehen a Punt macht er sich dagegen stark. „Grundsätzlich habe ich gar nichts gegen das Valenciano, nur gegen den Zwang“, sagt er. Vor der Kommunalwahl hat er allen Parteien in Jávea einen Fragebogen zugeschickt, um deren Haltung in der Sprachpolitik zu eruieren. Wie kommt er als Ausländer auf so eine Idee?
Acht Jahre sprang die Reform der valencianischen Landesverfassung über juristische und legislative Hürden, bis sie endlich im März mit dem Segen des Verfassungsgerichts in Kraft treten konnte. Das überarbeitete Estatuto de Autonomía de la Comunitat Valenciana räumt der Region weitreichendere Autonomierechte ein. Der Artikel 6 bezeichnet das Valenciano als Landessprache. Über ihr Verhältnis zum Spanischen heißt es im zweiten Absatz. „Die valencianische Sprache ist die offizielle Sprache der Comunitat Valenciana, genauso wie die kastilische Sprache, die die offizielle Staatssprache ist.“
Da ist sie also die Zweisprachigkeit, auch wenn sie in dem verqueren Nebensatz wie ein unliebsames Eingeständnis daherkommt. Diese Regional-Verfassung beauftragt die valencianische Regierung, über den „normalen und offiziellen Gebrauch“ beider Sprachen zu wachen, wobei die „Wiederherstellung“ des vielerorts in Wort und Schrift nicht fest verankerten Valenciano besonderen Schutz und Respekt genießen soll.
Die Familie Jutzi konnte für ihr jüngstes Familienmitglied in Jávea aber gar keine Vorschule finden, in der Spanisch fiftyfifty unterrichtet wird. 65 Prozent der Lehrinhalte bekommen die vierjährigen Knirpse auf Valencianisch vermittelt. Da es Englisch ja auch noch gibt, fließt die Staatssprache in der Infantil laut Helmut Jutzi „praktisch nur in Sport und Musik“ ein. Spanisch wird in Vorschulen eher wie ein Fach denn als Unterrichtssprache behandelt. Und das in Jávea, wo der Ausländeranteil etwa bei fiftyfifty liegt.
Helmut Jutzi sieht in dem Unterrichtsmodell der Mehrsprachigkeit ein Programm zur Durchsetzung von Valencianisch und einen Verstoß gegen die Menschenrechte, konkret gegen Artikel 26, Absatz 3 der UN-Resolution. Darin heißt es: „Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteil werden soll.“ Deswegen geht er gegen die Regionalsprachen auf die Barrikaden.
Barbara Hoffmann dachte zuerst, an der Costa Blanca spricht man Spanisch. Von Valencianisch hat sie erstmal nichts mitgekriegt. Dabei lebte die frühere Landtagsabgeordnete der Grünen zu der Zeit sogar in Pedreguer, einer Hochburg des valencianischen Nationalismus. „Etwas abseits vom Dorfleben halt, unter Ausländern, und wenn einem als Neuankömmling alles spanisch vorkommt, fällt es schwer, ein geschlossenes von einem offenem O zu unterscheiden“, lacht sie.
Inzwischen lebt sie unter Spaniern in Villajoyosa, lernt seit vier Jahren Valenciano, besucht Kurse in der Volkshochschule, tut sich die komplexe Grammatik an, verfolgt die Sendungen der valencianischen Rundfunkanstalt a Punt und macht deutsch-valencianischen Sprachaustausch mit dem Hotelangestellten Pepe.

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1 KOMMENTAR

  1. zu „Katalonien – Ein Konflikt wird exportiert. Einsichten eines Zugereisten“
    Wunderbar, dass sich jemand gegen den Dialekt Valenciano wehrt. Ich versuche seit 40 Jahren Castellano zu lernen, habe mehr als ein Jahr in Madrid gelebt und fahre seit 40 Jahren nach Denia. Es ärgert mich jedes Jahr auf’s Neue, wenn ich vieles nicht lesen kann und verstehe. Was würde ein Valenciano denken, wenn er nach Deutschland/Schwabenland kommt und alles auf schwäbisch geschrieben würde?! Kein Wort würde er verstehen! Einen Dialekt sprechen ist ok, aber einen Dialekt zu einer offiziellen Landessprache machen ist einfach Ignoranz! So eine Denke gehört nicht zu EINEM Europa! Arme Kinder, die diesen Dialekt auch noch in der Schule lernen müssen! Wie sollen sie später mal in Madrid studieren, wenn sie einen Dialekt beherrschen, aber die Muttersprache Spanisch vernachlässigt haben!

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