Gischt und kühle Drinks

0
710
Die Zehen im Sand – oder in dem Fall im Kies: Im Chiringuito direkt am Strand ist das Urlaubsfeeling im Getränkepreis inbegriffen. Fotos: Ángel García

Spanien – se. Die Sonne zaubert Abermillionen Glitzerlichtchen aufs tiefblaue Meer und ihre Strahlen malen durch das Strohdach Muster auf den Tisch, auf dem kühles Bier oder fruchtige Cocktails stehen. Eine leichte Brise sorgt für Kühlung und die salzige Gischt mischt sich mit dem Duft von gegrillten Sardinen, Paella oder frisch zubereiteten Hamburgern: Eine Strandbar hat ihren besonderen Reiz. Nirgends fühlt man sich so im Urlaub, nirgends entspannt man sich so mühelos und sammelt so schöne Erinnerungen.

Sonnige Bars im ganzen Land
Da sind die endlosen Sanddünen, der Sonnenuntergang hinter dem Berg Montgó und die träumerische Stimme einer Soulsängerin im Chiringuito Olibaba bei Oliva, das für seine großen Figuren ähnlich denen auf den Osterinseln berühmt ist. Da ist das stürmische Spiel der Wellen an der bekannten Strandbarmeile Primer Montañar in Jávea, das zusammen mit den Tuffsteinfelsen dafür sorgt, dass immer wieder Wasserfontänen aufsteigen. Und da sind die geschickten Camereros im Tintorera in Málaga, wo man keine Karte bekommt, sondern die Kellner auf jeder Hand verschiedenste Gerichte balancieren und sie wortgewandt anpreisen. Der Gast sucht spontan aus, was er möchte. Abgerechnet wird dann nach dem Essen durch das Zählen der Teller – alle der gleichen Größe und Form haben nämlich auch den selben Preis.
Chiringuitos gehören in Spanien einfach zum Sommer wie die Sonne und das Meer – und das schon seit fast 150 Jahren. Als erste Strandbar Spaniens gilt das Chiringuito Gran parada am Strand des Fischerviertels El Palo in Málaga. Miguelito – besser als „Der mit den Sardinen“ bekannt – baute es 1882 erstmals auf. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte: König Alfonso XII. soll das Lokal 1885 besucht haben und Miguelitos Nachfahren führen bis heute das bekannte Restaurant Casa Pedro.
Miguelito war Fischer und Cenachero. Das heißt, er verkaufte seinen frischen Fisch auf der Straße in zwei Strohkörben, die mit einem Seil an seinen Ellbogen befestigt waren und die er rechts und links von seinem Körper tanzen ließ, um Aufmerksamkeit zu erregen. Eine Statue an Málagas Plaza de la Marina erinnert an dieses ausgestorbene Gewerbe.
Das typische an einer Strandbar in Málaga waren und sind nämlich die Sardinen, so genannte Espetos, die am Spieß langsam über dem offenem Feuer gegrillt werden. Und zwar normalerweise in einem ausgedientem Boot, das mit Sand gefüllt wird, in den man die Spieße steckt.
Die Malageños beanspruchen also, die Erfinder der Strandbar zu sein – und sie spielt immer noch eine große Rolle im Leben der Küstenprovinz, wie der Tag des Chiringuitos beweist, der an jedem 26. Juni begangen wird. Sie nannten diese Lokale aber merenderos – die merienda ist eine kleine Zwischenmahlzeit, die der Spanier etwa gegen fünf Uhr Nachmittags einnimmt.

Mehr in der Printausgabe

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.