Im Namen der Herren

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Es geht drunter und drüber: Formen für Kruzifixe in einer Gießerei in Alcoy. Fotos: Ángel García

Madrid – ck. Nach anfänglichem Zögern griff der Papst durch und entließ zwei des Missbrauchs überführte chilenische Bischöfe – der eine lebt in Deutschland – aus dem Klerikerstand. Das ist die höchste Strafe, die das Kirchenrecht vorsieht. Auch in Spanien steht die katholische Kirche wegen des Totschweigens von Missbrauchsfällen in der Kritik. Es gibt 70 Diözesen, 23.000 Pfarreien und 18.000 Priester. In den vergangenen 30 Jahren haben spanische Gerichte 33 Strafen wegen Missbrauchs von 80 Minderjährigen für Geistliche verhängt, deckt die Zeitung „El País“ in einer Serie über kirchliche Missbrauchsfälle auf.
33 Verurteilungen sind wenig und könnten eine falsche Schlussfolgerung zulassen. Spanien ist keinesfalls eine Ausnahme. Die geringe Zahl bekanntgewordener Fälle zeigt ganz im Gegenteil, wie eng die Kirche zusammenhält, wenn es um die Verschleierung von Untaten geht. Und das ist, trotz des Kinderschutzgesetzes von 2015 und päpstlich verordneter Protokolle der Diözesen auch immer noch möglich.
Für Aufsehen hatte Ende 2014 der Brief eines jungen Mannes aus Granada an Papst Franziskus gesorgt, der von wiederholtem sexuellen Missbrauch durch mehrere Geistliche berichtete. Der Papst rief den jungen Spanier an und bat ihn im Namen der Kirche um Vergebung. Der Fall ging als Caso Romanones in die Justizgeschichte ein. Das Landgericht von Granada sprach den Hauptangeklagten, Pater Román, im April 2018 schließlich frei, weil dem vermeintlichen Opfer nicht geglaubt wurde. Das Opus-Dei-Mitglied sei für Machtkämpfe innerhalb der Kirche benutzt worden, konterten Kleriker.
Ein Brief des inzwischen erwachsenen Francisco Javier an den Papst hat jahrelangen Missbrauch am Jungeninternat Seminario Menor in La Bañeza, in der Provinz León, denunziert. Der 13-Jährige, sein Zwillingsbruder und zwei andere Jungen waren 26 Jahre zuvor Nacht für Nacht vom Priester José Manuel Ramos Gordón sexuell missbraucht worden. Die Hilferufe der Kinder wurden ignoriert. Der Klagebrief an den Papst führte zu einem Kirchenprozess, der nicht publik gemacht wurde. Der Bischof von Astorga verurteilte den Priester 2016 zu einem Jahr karitativer Aufgaben ohne Kontakt zu Kindern und ohne Priestertätigkeit, Rom hatte das Urteil ratifiziert

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