Nomaden mit Schürze

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Viel Arbeit, wenig Perspektive: Das Gastgewerbe beschäftigt in Spanien, dem Land mit der höchsten Bar-Dichte der Welt, 1,6 Millionen Menschen. Fotos: Ángel García

Alicante – mar. „Im August beginnt es immer zu brennen“, sagt Miriam. Sie meint weniger die Sonne oder die Wälder, auch nicht ihre Füße nach etlichen Kilometern täglich auf der großen Pool-Terrasse des Hotels in Benidorm. Sie spricht von ausgebrannten Kellnern und Köchen, blankliegenden Nerven zwischen Kollegen und nervös kalkulierenden Chefs. Im August beginnt sich das Karussell des großen Wanderzirkus Gastronomie an der Costa Blanca und in anderen Touristenhochburgen Spaniens von Neuem zu drehen.
Anfällige Branche
Während Urlauber nämlich entspannt ihren Rosado schlürfen oder das hoffentlich echte und nachhaltig gezogene Thunfischtartar genießen, spielen sich hinter den Kulissen der Restaurants und Herbergen und hinter den freundlich lächelnden Masken der Bedienungen jedes Jahr kleine und große Dramen ab, von denen nur wenige Gäste Notiz nehmen. Warum sollten sie auch, sie haben selbst ein Jahr hart gearbeitet, um ein paar Tage abschalten und sich bedienen lassen zu können.
Der Tourismus und das Gastgewerbe sind dominierende Branchen der spanischen Volkswirtschaft und durch ihren saisonalen Charakter und einen nicht gerade sozial ausgewogenen Gesetzesrahmen besonders anfällig für prekäre Arbeitsverhältnisse (siehe dazu Artikel Seite 29 und 30). In vielen, nicht in allen, Gastronomiebetrieben werden die Angestellten ausgepresst wie valencianische Orangen, arbeiten am gesundheitlichen Limit und oft außerhalb der Gesetze. Nach Saisonende werden viele dann regelrecht entsorgt.
Wir sprachen mit drei Gastro-Arbeitern. Ihre Geschichten offenbaren die Schattenseiten im Sonnenland Spanien, malen aber nicht Schwarz-Weiß. Wir trafen die Kellnerinnen María, eine Kämpferin, Miriam, den Hippie, und den jungen Wirt Ximo, der sich als sein eigener Sklave bezeichnet. Ihre echten Namen und auch ihre Fotos sollten wir auf die Bitten aller Drei für uns behalten.

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