Ohne Pilz geht nichts

0
153
Der Südliche Ackerling ist essbar und wurde bereits von den Römern kultiviert. Foto: Mar Zamora

Murcia – sg. „Ein Leben ohne Pilze ist nicht vorstellbar“, sagt Asunción Morte, Professorin für Biologie an der Universität von Murcia. Sie widmet sich seit mehr als 25 Jahren der Erforschung dieser Lebewesen. „Ohne Pilze wäre die Welt ein großer Misthaufen, das sage ich auch immer meinen Studenten.“ Pilze räumen die Natur auf, indem sie tote organische Materie von Tieren und Pflanzen zersetzen und dafür sorgen, dass sich der Müll nicht anhäuft. Dabei kreieren sie einen Kreislauf der Wiederverwertung. „Pilze zersetzen einfach alles, Haare, Haut und Nägel.“
Aber das ist nur eine von vielen bedeutenden Funktionen. Pilze dienen auch als Lebensmittelquelle und -produzent, als Lieferant von Medikamenten, als natürliches Düngemittel und Umweltschützer.
In der Biologie wird ihnen eine eigene Klassifikationskategorie, ein sogenanntes Reich, eingeräumt. „Pilze sind keine Pflanzen“, betont Asunción Morte. „Sie sind – so wie Tiere und Pflanzen auch – ein eigenständiges Reich.“ Paläontologen vermuten, dass Pilze bereits seit 4,5 Milliarden Jahren existieren, was auf eine enorme Anpassungsfähigkeit an Veränderungen der Lebensbedingungen deutet. Dennoch werden sie erst seit 250 Jahren erforscht.

1,5 Millionen Pilz-Arten
Wie Asunción Morte widmet sich auch Mar Zamora der Welt der Pilze. Die Biologin aus Murcia ist Direktorin des Unternehmens Micosfera, das Beratungen und Lehrgänge zum Thema Pilzanbau anbietet. Beide Wissenschaftlerinnen haben an der Erstellung eines Atlas über Pilze in der Region Murcia mitgearbeitet. Das 616 Seiten starke Werk wurde kürzlich von der Landesregierung von Murcia präsentiert. 600 verschiedene Pilzarten werden dort aufgelistet und beschrieben, darunter Pilze mit Fruchtkörper wie Champignons und Einzeller wie Backhefe.
„Das sind natürlich nicht alle Pilze, die es in der Region gibt, sondern nur die Exemplare, die wir kennen“, sagt Asunción Morte. „Wenn es regnet, sprießen die Pilze aus dem Boden, und wir finden immer wieder neue Arten.“ In der Region Murcia existieren schätzungsweise 5.000 Spezies. Weltweit sollen es 1,5 Millionen verschiedene Arten sein. Davon sind noch nicht einmal 100.000 beschrieben. Experten kennen also nur fünf Prozent des Gesamtbestandes. „Das Reich der Pilze ist im Vergleich wenig erforscht“, sagt Mar Zamora. „Es gibt noch viel zu tun. Wir werden überrascht sein, was wir noch alles herausfinden“, da ist sich die Forscherin sicher und erinnert an die Entdeckung des Penicillins dank eines Schimmelpilzes. Der schottische Mediziner Alexander Fleming hatte 1928 eine Schale mit einer Bakterienkultur über die Sommerferien stehen gelassen. Bei seiner Rückkehr entdeckte er, dass sich ein Schimmelpilz gebildet hatte und sich in seiner Nachbarschaft keine Bakterien mehr vermehrt hatten. Fleming nannte den bakterientötenden Stoff Penicillin.
„Aus dem Schlauchpilz Cordyzeps wird der Wirkstoff des Medikaments Ciclosporin gewonnen. Das Arzneimittel bekommen Patienten bei einer Organtransplantation, um zu verhindern, dass das Immunsystem das neue Organ abstößt“, erklärt Mar Zamora. „Einige Champignon-Arten und die japanischen Shiitake-Pilze enthalten Beta-Glucane, die als Radikalfänger gegen den vorgezogenen Alterungsprozess von Zellen wirken und damit gegen Krebs vorbeugen können.“

Mehr in der Printausgabe

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.