Opfer der Naturgewalten

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René V., Liane T., deren Tochter Clara und Hundewelpe Alvin posieren vor ihrem blauen „Tiny House“. Fotos: Wiltrud Schwetje, René V.

Estepona – ws. Manchmal im Leben gibt es Ereignisse, die alles aus den Angeln heben. Alles, was man als gesetzt betrachtet hat, gerät aus den Fugen, nichts ist mehr wie zuvor. Es scheint, als habe eine höhere Macht die Kontrolle übernommen.
Liane T. und René V. wissen genau, wie sich eine solche Situation anfühlt. Vor etwas mehr als vier Monaten war ihr Leben noch in Ordnung. Dann fegte die Naturkatastrophe über sie hinweg. „Wir haben alles verloren, das Zuhause, den Job und unsere Lieblingskatze“, sagt Liane, und die Erinnerungen an die sintflutartigen Regenfälle, die im Oktober 2018 in der Provinz Málaga wüteten und Schäden in dreistelliger Millionenhöhe hinterließen, überwältigen sie immer noch. Gemeinsam mit Evelyn Weyhe, die den Flutopfern vorübergehend Unterschlupf in ihrem Haus gewährt hat, sitzt das deutsch-holländische Paar im Wohnzimmer der Casa Simba in Estepona. „Evi ist ein Engel, sie redet nicht nur, sondern macht“, betont Liane. René nickt zustimmend. Hätte Weyhe nicht geholfen, wären René, Liane, deren zehnjährige Tochter Clara und Hundewelpe Alvin jetzt obdachlos.

Mit dem 13-Tonner gen Süden
Die kleine Familie steht vor den Scherben ihres Auswanderertraums, den sie sich im August 2017 erfüllte. Damals hatten sie ihr wichtigstes Hab und Gut in einen umgebauten, zehn Meter langen Linienbus gepackt, grüne Nummernschilder angeschraubt und waren mit dem 13-Tonner von Hannover aus gen Süden gebraust. Clara war mit dem Flugzeug gereist und wartete bei ihrem in Estepona lebenden Vater auf die Ankunft der Abenteurer. „Der Bus sah Hammer aus“, erzählt René enthusiastisch, „auf unserer Tour haben wir tolle Sachen erlebt.“
Allein über die Anekdoten während der Fahrt könne man ein Buch schreiben, fügt er lachend hinzu. Das ungewöhnliche Gefährt erregte überall Aufsehen, ebenso wie Minka, die gescheckte Katze, die mit ihnen unterwegs war und sich gerne dekorativ hinter der Windschutzscheibe zusammenrollte und schlummerte.
„Die Leute sind immer stehengeblieben und haben die Katze fotografiert“, sagt Liane. Kleine Hindernisse und Pannen wurden mit Humor überstanden und mit Einfallsreichtum gelöst. Als beispielsweise in Barcelona die Lichtmaschine den Geist aufgab, rückte ein Serviceteam der dortigen Firmenfiliale von MAN an und behob das Problem. Und weil René den „Blauen Engel“, wie sie ihren Bus in Anlehnung an dessen knallige Farbe und Zuverlässigkeit tauften, mitten im Verkehrsgewusel der katalanischen Hauptstadt irgendwo ganz unkonventionell abstellen musste, erklärte sich die Polizei bereit, gut auf ihn aufzupassen.

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