Spuren eines Samurais

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Jedes Jahr besuchen Tausende von Japanern die Stadt Coria del Río, um sich auf die Spuren des Samurai Hasekura Tsunenaga zu begeben. Antonio Bizcocho Pacheco vom Tourismusbüro versorgt auch dieses japanische Paar aus Tokio mit Informationen. Fotos: Lena Kuder

Coria del Rio (Sevilla) – lk. Mit glasigen Augen starren zwei greise Männer auf die Schenkel zweier Gewichtheberinnen im Fernsehen. Aus der Küche hinter der Bar dringt der Geruch nach Frittieröl und gebratenem Rinderfilet. „Ach ja, die Japaner, die nehmen uns den ganzen Thunfisch weg“, kräht der Mann mit Schirmmütze und rotweingetränktem Atem. Ob hier jemand mit Nachnamen „Japón“ heiße? „No“, hier heiße keiner Japón.
„Ach ja, der Juan Francisco Japón, der wohnt hier oben drüber im dritten Stock“, sagt der Wirt. „Der kommt immer mit den Japanern und bestellt dann etliche Tapas. Die wollen ja alles probieren und dann sag ich ihnen immer die spanischen Namen. Nett sind die, aber `un poco timidos´.“
Die Redakteurin lässt sich das Bocadillo mit Hähnchen, Fritten und viel Mayonnaise einpacken und geht in den dritten Stock des Hauses. Juan Francisco Japón öffnet die Tür und bittet, am Tisch Platz zu nehmen. Vor ihm steht ein Teller mit Lachsfilet und Salat. Seine Bewegungen sind kontrolliert, er isst und spricht langsam und ist auch „un poco timido“. Die Augen hinter den Brillengläsern sind etwas mandelförmig. Durchbrochen wird die Ruhe nur durch die Stimmen der japanischen Zeichentrickfiguren. Seine beiden Kinder lernen Japanisch. Japón stammt vom Samurai Hasekura Tsunenaga ab, der 1614 in der am Guadalquivir gelegenen Stadt Coria del Río ankam. Heute tragen noch etwa 650 der rund 31.000 Einwohner den Nachnamen Japón.
Juan Francisco Japón ist der Präsident der Vereinigung Hasekura, die sich darum kümmert, dass Coria del Río auch heute noch eine enge, freundschaftliche Beziehung zu Japan pflegt und die Erinnerungen an dieses besondere Erbe in den Köpfen der Einwohner von Coria del Río wach bleiben.
1613 brachen der Samurai Hasekura Tsnunenaga und der ranziskanermönch Luis Sotelo gemeinsam aus Japan auf. Mit dem Papst und der spanischen Krone wollten sie über die Eröffnung einer neuen Seestraße als Alternative zum Seeweg nach Indien verhandeln.

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