Tragödie in der Meerenge

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Diese Immigranten sind am 10. Dezember, dem Tag der Erklärung der Menschenrechte, von der Seenotrettung in den Hafen in Málaga gebracht worden. Der skeptische Blick des Flüchtlings zwischen den maskierten Sicherheitskräften spricht Bände. Foto: dpa

Los Caños de Meca – lk. Durch seine verspiegelte Ray-Ban- Sonnenbrille blickt der Surfer Richtung Afrika. Direkt unterhalb des Faro de Trafalgar in Los Caños de Meca hat er seinen Jeep geparkt. Ein kurzer Blick auf die Wind-App seines Telefons, dann schnappt er sich sein Brett und wird sogleich auf den Wellen reiten. Denselben Wellen, die fünf Stunden zuvor einen weiteren leblosen Körper an die Playa de Marisucia gespült haben. Als in der Nacht vom 4. auf den 5. November vor der Küste von Los Caños de Meca ein Boot mit über 40 Immigranten gegen einen Felsen rammte, schafften es nur einige mit Mühe und Not an das 150 Meter entfernte Ufer. Nicht alle trugen Rettungswesten, nur wenige konnten schwimmen.
Nach dem Unglück fanden Spaziergänger die Toten und riefen die Guardia Civil. Bis zum heutigen Tag sind 24 Leichen geborgen worden. 24 Tote mehr in der Statistik. In diesem Jahr kamen nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur 80 Prozent weniger Migranten über die zentrale Mittelmeerroute zwischen Libyen und Italien nach Europa.
Seenotretter unter Druck
Seit in Italien eine neue Regierung und mit ihr der rechte Innenminister Matteo Salvini an der Macht ist, fährt Rom eine rigorose Antiflüchtlingspolitik. Spanien hat Italien dadurch in Europa als Hauptziel von Migranten abgelöst, gefolgt von Griechenland. Die Menschenschlepper schicken die Boote nun vermehrt durch die Meerenge. Längst hat sich der Wind gedreht und in der Migrationsfrage geben die Sicherheitspolitiker den Ton an. Mauern werden hochgezogen, Fluchtrouten verlagern sich vermehrt. Oft schlägt denen, die helfen wollen, Schweigen oder Hass entgegen.

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