Ein 17-Jähriger wurde in Bielefeld niedergestochen und starb.
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Ein 17-Jähriger wurde in Bielefeld niedergestochen und starb.

Verbrechen in Bielefeld

Grausame Messer-Tat an Haltestelle: Tödliche Attacke war wegen Corona erst möglich - neue Details

In Bielefeld stirbt ein 17-Jähriger nach einer Messer-Attacke. Der mutmaßliche Täter konnte nur töten, weil sein Prozess wegen Corona nicht stattfand.

  • In Bielefeld wird ein 17-Jähriger an einer Straßenbahnhaltestelle niedergestochen.
  • Der Jugendliche stirbt, ein Tatverdächtiger wird kurz darauf verhaftet.
  • Zu der Tötung hätte es eigentlich gar nicht kommen dürfen.

Update vom 8. Mai 2020: Nach einer Messer-Attacke an einer Straßenbahnstelle in Bielefeld kommen immer mehr tragische Details zu dem Fall ans Licht. So entwickelt sich die Tat mittlerweile offenbar zu einer Justizpanne. Der bereits mehrfach bekannte Intensivtäter soll erst fünf Wochen vor der Tat aus der Haft entlassen worden sein - weil die zuständige Richterin Zweifel hatte, dass Mindestabstände im Gerichtssaal, die wegen der Corona-Krise* vorgeschrieben sind, eingehalten werden können. Das berichtet unter anderem Bild

Doch kurz darauf stellte sich heraus: die Einhaltung der Corona-Regeln wäre kein Problem gewesen, der Saal sei für dieses Vorhaben groß genug gewesen. Wie das Westfalen Blatt berichtet, soll der 18-Jährige vom 31. Oktober bis zum 26. März in Untersuchungshaft gesessen haben, da bei dem jungen Mann von einer Wiederholungsgefahr ausgegangen werden musste. 

Die Staatsanwaltschaft habe insgesamt sechsmal Anklage gegen den 18-Jährigen erhoben. Ob die Entscheidung der Jugendrichterin, den Haftbefehl aufzuheben, richtig war, will laut Westfalen Blatt nun die Bielefelder Justiz überprüfen. Wie Jens Gnisa, Amtsgerichtsdirektor, gegenüber dem Portal erklärt, habe die Richterin ihre Entscheidung mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft getroffen. 

Grausame Messer-Tat an Haltestelle: Tödliche Attacke war wegen Corona erst möglich - neue Details

Ursprungsmeldung vom 6. Mai 2020: Bielefeld/München - In Bielefeld starb am 30. April ein 17-Jähriger nach einer Messer-Attacke an einer Straßenbahnhaltestelle. Der Jugendliche war zuvor im Streit von einem 18-Jährigen, der ihn ausrauben wollte, niedergestochen worden. Der 17-Jährige erlag später im Krankenhaus seinen schweren Stichverletzungen.

Tödliche Messer-Attacke in Bielefeld: Tatverdächtiger wegen Corona aus U-Haft entlassen

Zeugen hatten den Vorfall im Stadtteil Baumheide beobachtet und konnten Angaben zum Aussehen des mutmaßlichen Täters machen. Kurze Zeit später spürten Fahnder ihn in einer nur 300 Meter vom Tatort entfernten Wohnung auf und nahmen ihn fest. Ein Richter erließ einen Haftbefehl. Seitdem befindet sich der 18-Jährige wegen Totschlags und versuchten Raubes mit Todesfolge in U-Haft in der Jugend-Haftanstalt Herford. Ebenfalls nach einem Streit kam es auch in München zu einem schweren Verbrechen. Zudem wurde eine Frau mit einem Messer niedergestochen, wie *tz.de berichtete.

Doch das Schlimme: Die Tötung hätte nie geschehen dürfen. Jetzt sind neue Details ans Licht gekommen, die das Verbrechen noch erschütterlicher machen, als es sowieso schon ist. Denn der Tatverdächtige ist nicht nur polizeibekannt, er wartete wegen früherer Delikte noch bis Ende März in der gleichen JVA auf seinen Prozess. Er soll im Oktober 2019 ebenfalls an einer Straßenbahnhaltestelle einen Mann mit einem Nothammer aus einer Stadtbahn niedergeschlagen und beraubt haben. Zudem soll er versucht haben, eine 15-Jährige zu vergewaltigen, berichtete die Bild.

Zweifel an Einhaltung von Corona-Abständen: Richterin bläst Prozess ab 

Doch zum Prozess am 3. April kam es nicht. Weil die zuständige Richterin Zweifel hatte, dass Mindestabstände im Gerichtssaal, die wegen der Corona-Krise* vorgeschrieben sind, eingehalten werden können, blies sie den Termin ab. Sie hatte zudem Zweifel, dass Zeugen aus Angst vor einer Ansteckung* nicht erscheinen könnten. Der Angeklagte wurde daraufhin aus der Untersuchungshaft entlassen. Knapp einen Monat später beging er offensichtlich das nächste Verbrechen.

Doch laut einem Amtsgerichtssprecher hätte der Prozess durchaus stattfinden können. „Der Gerichtsaal, in dem das Verfahren hätte stattfinden sollen, wäre aber groß genug gewesen, um die erforderlichen Sicherheitsabstände einzuhalten“, sagte Dr. Roland Pohl der Bild. Der Tod des 17-Jährigen wäre demnach vermeidbar gewesen.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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