Experten wollen Wachrütteln

Virologe Drosten und Kollegen warnen in offenem Brief: „Sie müssen aufhören ...“

Mehr als 100 Ärzte schlagen in einem offenen Brief Alarm, kritisieren Giganten wie Google, Facebook und Twitter aufgrund der Verbreitung von Fake-News. Zwei Forderungen stehen im Fokus.

München - Während sich das Coronavirus* weltweit ausbreitet, kämpfen Menschen nicht nur tagtäglich für Menschenleben, sondern auch gegen Fake-News, die sich rund um das Coronavirus wie ein Lauffeuer verbreiten

Der bekannte Virologe Christian Drosten und mehr als 100 weitere Ärzte, Krankenpfleger/innen und Gesundheitsexperten/innen wenden sich nun in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit. Sie fordern: „Um Leben zu retten und das Vertrauen in die wissenschaftlich fundierte Gesundheitsversorgung wiederherzustellen, müssen die Tech-Giganten aufhören, die Lügen, Verdrehungen und Fantasien, die uns alle bedrohen, weiter anzufachen.“ Gemeint sind Plattformen wie Facebook, Twitter, Google und Co

Coronavirus: „Der tödlichen Verbreitung von Fehlinformationen entgegenzuwirken“

Technologieunternehmen würden sich „in einer unvergleichlichen Machtposition“ befinden und seien dafür verantwortlich, „der tödlichen Verbreitung von Fehlinformationen entgegenzuwirken, um zu verhindern, dass sozialen Medien unserer Gesellschaft kränker machen.“ Die Tech-Giganten müssten der weiteren Entfachung von Lügen, Verdrehungen und Fantasien ein Ende setzen. 

Anlass des Briefes war die aktuelle Coronavirus-Pandemie*. Dabei würden sich Berichte mit Falschmeldungen, dass Kokain ein Heilmittel für das Virus sei oder dass Covid-19* als biologische Waffe entwickelt wurde, schneller verbreiten als das Virus selbst.

Fake-News: „Teil eines globalen Problems“

Dennoch sei dies nur ein „Teil eines globalen Problems“, da in den sozialen Medien im Allgemeinen falsche Heilmittel angepriesen würden oder Postings „die Menschen von Impfungen und wirkungsvollen Behandlungen abbringen wollen.“ Eine große Rolle spiele dies, weil solche Beiträge in den sozialen Medien eine unglaubliche Reichweite erlangen. 

Zwar versuchten die Technologie-Firmen in Form von Beitrags-Löschungen bereits zu reagieren, die Anstrengungen werden in dem Brief jedoch als „bei weitem nicht genug“ kritisiert. So würden Plattformen nicht nur die Verbreitung erleichtern, sondern auch noch Profit daraus schlagen. Der offene Brief wurde bereits in den New York Times veröffentlicht.

Offener Brief während der Corona-Krise: Zwei Forderungen im Fokus

Aus diesen Gründen stellen die Unterschreiber des Briefes zwei Forderungen in den Fokus. Demnach müssten „die sozialen Medien“ vorangehen, in dem sie...

  • ... „Richtigstellungen zu den Gesundheits-Fehlinformationen veröffentlichen.“ So seien Plattformen wie Facebook zwar bereits dazu übergegangen, Beiträge mit Falschmeldungen zu kennzeichnen. Dennoch seien diese Beiträge immer noch für Millionen von Menschen zugänglich. „ALLE Nutzer“, die mit Falschmeldungen in Berührung gekommen sein, sollten deshalb gewarnt werden. 
  • ... „Algorithmen entgiften, die bestimmen, was den Benutzern angezeigt wird.“ Hierbei stehe im Vordergrund, Seiten und Gruppen die Fake-News verbreiten würden, in den jeweiligen Benutzer-Feed nicht herab-, sondern herunterzustufen. Auch „Wiederholungstäter“ sollten aus „inhaltsempfehlenden Algorithmen herausgenommen werden.“

Coronavirus: Facebook reagiert auf Forderungen des offenen Briefes

„In einer Krise wie dieser ist der Kampf gegen medizinische Fehlinformationen im Internet genauso wichtig wie Ausgangsbeschränkungen und Abstand halten“, betonte Rajeev Fernando, Spezialist für Infektionskrankheiten am Stony Brook Southampton Hospital, in einem den Brief begleitenden Schreiben. Auch die Melanie Brinkmann (Institut für Genetik an der TU Braunschweig) warnte, dass Fake-News „unnötig Angst verbreiten und Schäden anrichten“, könnten.

Indes teilte Facebook als Reaktion auf den offenen Brief bereits mit, dass aggressiv gegen Fehlinformationen über Covid-19 vorgegangen werde und bereits „Millionen von Fehlinformationen“ mit Warnhinweisen versehen und Tausende Inhalte entfernt worden seien. Das Unternehmen engagiere sich „voll und ganz für die Unterstützung der Beschäftigten im Gesundheitswesen in dieser Zeit“.

Ob und inwiefern das offene Schreiben tatsächlich Wirkung zeigt, wird sich wohl noch herausstellen.

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Auch in seinem Podcast schlägt Drosten Alarm werden der kursierenden vermeintlichen Expertenmeinungen und äußert einen Vorschlag für Lokale ohne Außenbereich. Im Mai nennt Virologe Christian Drosten die ideale Reproduktionszahl - sie ist erstaunlich hoch.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

mbr

Rubriklistenbild: © dpa / Michael Kappeler

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