In Wolfsburg ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung. Fast alle Corona-Todesfälle der Stadt gab es in diesem Heim.
+
In Wolfsburg ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung. Fast alle Corona-Todesfälle der Stadt gab es in diesem Heim.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Diakonie 

29 Corona-Tote in Wolfsburger Altenheim - Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen

In Wolfsburg ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung. Fast alle Corona-Todesfälle der Stadt gab es in diesem Heim.

  • Corona-Krise trifft Heim in Wolfsburg hart
  • Mittlerweile 29 Todesfälle im Hanns-Lilje-Heim
  • Staatsanwaltschaft ermittel gegen den Betreiber des Heims
Wolfsburg/Corona - In Wolfsburg (Niedersachsen) erlangte ein Altenheim in der vergangenen Woche traurige Berühmtheit. In dem Hanns-Lilje-Heim infizierte sich im März rund die Hälfte der über 160 Bewohner mit dem Coronavirus Sars-CoV-2. Bis Dienstag (07.04.2020) starben insgesamt 29 Bewohner des Heims.

Alle von ihnen waren positiv auf Corona getestet worden.

Insgesamt starben in Wolfsburg bisher 32 Menschen, die mit dem neuartigen Coronavirus infiziert waren. Bis zum Sonntag  war die einzige Person, die nicht im Hanns-Lilje-Heim verstarb, aus einem Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Corona in Wolfsburg: Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt

Das Altenpflegeheim Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg wird von der Diakonie betrieben. Gegen diese wird jetzt wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Die Ermittlungen leitet die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Die Diakonie wurde von einem Anwalt bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, nachdem bis zum vergangenen Freitag 27 Bewohner des Heims an Corona verstorben waren. Mittlerweile sind es sogar schon 29 Tote. Grund für die Anzeige seien laut Staatsanwaltschaft Pflegemissstände in dem Heim in Wolfsburg. Um die Stichhaltigkeit der Vorwürfe zu prüfen, werden jetzt die Pflegeakten aus dem Heim gesichtet.

Auch mit dem Anzeigensteller soll gesprochen werden. Dieser will durch Mitarbeiter des Heims auf die Missstände aufmerksam gemacht worden sein. Demnach sei auch der aufgrund der Corona-Pandemie verhängte Besucherstopp zu spät umgesetzt worden sein.

Corona in Wolfsburg: Auch hier fehlt die Ausrüstung

In ganz Deutschland kommt es seit Ausbruch der Corona-Pandemie zu Engpässen bei entsprechender Schutzbekleidung. So auch in dem Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg. Die Diakonie gibt zwar an, dass entsprechende Materialien bereits bestellt wurden, aber diese kommen momentan nicht bei dem Heim an.

Von einem Sachmittelnotstand spricht der für die Pflege zuständige Referent desLandes-Caritas-Verbandes. Er betonte gegenüber dem NDR, dass Pflege ohne körperliche Nähe nicht möglich sei und die Heime deshalb besonders stark auf Schutzmasken angewiesen währen.

Corona in Wolfsburg: Schutzkleidungsspende dankend angenommen

Ein Zwangsverwalter sorgte am 31. März dafür, dass der Diakonie Tausende Schutzutensilien aus einem stillgelegten Fleischereibetrieb zugutekamen.

Der Zwangsverwalter des insolventen Fleischverarbeitungsbetriebs "Brennecke Harzer Wurstwaren", kam auf die Idee der Spende als er von der hohen Corona-Infektionszahl im Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg hörte.

Der Diakonie-Vorstand Ralf-Werner Günther nahm die Spende dankend entgegen. Er bezeichnete das vorhanden sein von Schutzkleidung in Altenhilfeeinrichtungen als Überlebensfrage für die Angestellten. 

Corona in Wolfsburg: Hanns-Lilje-Heim reagiert auf Situation

Das von der Corona-Pandemie stark betroffene Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg hat als Reaktion auf die verheerenden Auswirkungen des Coronavirus eine Hotline eingerichtet. Diese sollen den Informationsaustausch mit den Angehörigen Gewehrleisten und die Mitarbeiter in der direkten Versorgung entlasten - den es herrscht weiterhin ein strenges Kontaktverbot und Besuche sind nicht erlaubt.

Um die Eindämmung des Coronavirus weiter voranzutreiben, wird jetzt die Einhaltung der Hygienevorgaben überwacht. Hierzu gibt es nun in jeder Schicht eine zusätzliche Person. Die Mitarbeitenden in dem Heim in Wolfsburg bekommen zudem Coachings zu den einzelnen Hygienemaßnahmen. Das Team des Hanns-Lilje-Heims steht jetzt auch in engem Kontakt mit Ärzten, wenn es um medizinisch-pflegerische Fragestellungen geht.

Corona: Nicht nur in Wolfsburg spitzt sich die Lage weiter zu

In Niedersachsen übersteigt die Anzahl der im Labor bestätigten Corona-Infektionen mittlerweile die 6000. Die neusten Informationen zur Entwicklung der Corona-Pandemie immer aktuell im Niedersachsen-Ticker.*

Die Corona-Pandemie trifft auch die englische Insel hart.* Nachdem sich die Queen zuletzt mit einer Video-Botschaft an die Landesbevölkerung richtete, liegt Staatschef Boris Johnson mittlerweile im Krankenhaus auf der Intensivstation. Vor kurzem wurde bekannt, dass er sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert hatte.

Video: Corona-Lage eskaliert in Wolfsburg

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare