Coronavirus - China
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Coronavirus - China

Kasseler im Seuchengebiet

Coronavirus: So geht es den Infizierten in Hessen - Firma heißt wie das Virus

Zwei mit dem Coronavirus infizierte Menschen, befinden sich derzeit in Hessen. In China, herrscht derweil Ausnahmezustand. Ein Student aus Kassel war mittendrin. 

  • Student aus Kassel war als Praktikant in China
  • Coronavirus (Covid-19) beherrscht das öffentliche Leben in Tianjin in China 
  • Vellmarer berichtet aus Liaocheng
  • Infizierte in Hessen sind wohlauf

Update vom 16.02.2020, 14.08 Uhr: In Hessen gibt es aktuell keine weiteren Verdachtsfälle auf das Coronavirus Corvid-19. zwei der aus dem chinesischen Wuhan zurückgekehrten die sich mit dem Virus infiziert hatten, durften mittlerweile die Uni-Klinik in Frankfurt verlassen, sie seien "symptomfrei" heiß es seitens der Ärzte. 

Coronavirus Corvid-19: Keine neuen Verdachtsfälle in Hessen - dennoch beschäftigt das Virus die Menschen

Nichtsdestotrotz beschäftigt das Coronavirus auch die Hessen weiter. In Kassel zum Beispiel beklagen Betreiber von China-Restaurants, dass viele Tische leer bleiben. Aus Angst vor dem Virus scheinen die Gäste die China-Küche zu meiden. Und eine Zahntechnik-Firma aus Kassel bekommt viele Fragen zu dem Virus gestellt - denn die Firma heißt Corona - genau wie das Virus, obwohl da keinerlei Zusammenhang besteht.

Update vom 03.02.2020, 16.12 Uhr: Laut dem hessischem Sozialministerium handelt es sich bei den Menschen, die am Samstag mit einem Bundeswehrflugzeug vom chinesischen Wuhan nach Frankfurt geflogen wurden, nicht um 124 - sondern um 126 Menschen. Die anfängliche Zahl sei eine falsche Übermittlung gewesen. Alle Personen wurden am Flughafen erfasst, medizinisch begutachtet und befragt, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete.

Sechs der Wuhan-Rückkehrer befinden sich zurzeit in der Frankfurter Universitätsklinik in Hessen - zwei von ihnen aufgrund eines positiven Befundes auf den neuartigen Corona-Virus 2019-nCoV, vier wegen anderer Beschwerden. Die übrigen 120 Menschen sind in einer Kaserne in Germersheim untergebracht.

Die beiden Personen, die sich mit dem Virus angesteckt hatten, seien jedoch in relativ guter Verfassung. "Sie sind beide symptomfrei, es sind gesunde Menschen", sagte der Leiter des Gesundheitsamtes Frankfurt, René Gottschalk, am Montag. Dass die beiden Personen keine Symptome aufweisen, sei vermutlich auf ihr gutes Immunsystem zurückzuführen. Solange sie jedoch noch nicht virenfrei sind, müssen sie auf der Isolierstation bleiben. In Deutschland wurden bei bislang zehn Menschen das Virus nachgewiesen - bei den beiden Patienten in der Frankfurter Uniklinik, sowie bei acht Menschen in Bayern.

Coronavirus: Student aus Kassel berichtet über Zustände in China

Welche Auswirkungen hat der Coronavirus auf das Leben in China? Ein Student aus Hessen, der als Praktikant für einen Automobilkonzern in China arbeitet, hat unserer Redaktion über die Zustände in dem asiatischen Land berichtet. 

Coronavirus: Fieber messen vor der U-Bahn - Student aus Kassel mittendrin

Christian S. fühlt sich topfit. Trotzdem muss er sich mehrfach täglich Fieber messen lassen, wenn er in Tianjin in eine U-Bahn steigt. An den Eingängen steht Personal mit Infrarot-Thermometern und leuchtet jedem Fahrgast in die Augen. In China herrscht die Angst vor dem Coronavirus, auch 2019-nCoV genannt, das über den Jahreswechsel in Wuhan ausgebrochen ist. 

In Tianjin, der Millionenmetropole im Nordosten Chinas lebt der Maschinenbaustudent aus Kassel seit einem halben Jahr. 

Coronavirus: Student aus Kassel ist Praktikant in China

Am Mittwoch (29.01.2020) ist er abgereist – allerdings nicht wegen des Coronavirus, sondern weil sein Praktikum beendet ist, das er dort bei einem Automobilkonzern absolviert hat. Er selbst habe keine große Angst vor dem Virus aus Wuhan, sagt der 25-Jährige. Die Erkrankung verlaufe – soweit bekannt – bei ansonsten gesunden Menschen ja eher harmlos. 

Eine Ansteckung mit 2019-nCoV wolle er trotzdem vermeiden – vor allem, um nach seiner Rückkehr in Deutschland niemanden anzustecken, dessen Immunsystem womöglich geschwächt ist. Gerade am Morgen habe es bei ihm am Apartment geklingelt und er sei mit einem behördlichen Schreiben aufgefordert worden, in der Öffentlichkeit Mundschutz zu tragen und Menschenansammlungen zu meiden.

Coronavirus: Öffentliche Einrichtungen haben geschlossen 

Allerdings seien die Straßen ohnehin seit einigen Tagen „gespenstisch leer“, berichtet der junge Mann aus Kassel. 

Das liege auch am chinesischen Neujahrsfest, zu dem nahezu alle Chinesen Urlaub haben. Alle öffentlichen Einrichtungen, Kindergärten, Schulen, Museen und auch die Restaurants hätten seit letztem Wochenende geschlossen. Die Ferien seien wegen des Virus nun verlängert worden. 

Virus in China - Schutzmasken gegen Coronavirus vergriffen

Einen Mundschutz gegen den Coronavirus (2019-nCoV) habe er sich schon vergangenes Wochenende besorgt, sagt der Student aus Hessen. Weil medizinische Masken bereits vergriffen seien, habe er allerdings nur eine „Standard-Schutzmaske“ bekommen. „Das bringt vermutlich mehr als nichts“, sagt er, aber wohl auch keinen hundertprozentigen Schutz. 

Am Nachmittag sei er gerade am Fluss spazieren gewesen, ohne Mundschutz, weil weit und breit kein Mensch zu sehen war, erzählt der hessische Student. Dann sei in 15 Metern Entfernung ein Radfahrer vorbeigefahren. Der habe ihn sofort aufgefordert, seine Maske aufzuziehen. 

Coronavirus beherrscht die Medien in China

Das Thema Coronavirus umgebe einen in China auf allen Kanälen, schildert der junge Mann. In den sozialen Medien und Chatgruppen, die eine viel größere Bedeutung hätten als in Deutschland, ploppten minütlich neue Wasserstandsmeldungen und auch immer wieder Horrorgeschichten auf. „Das schaukelt sich dann sehr schnell hoch.“ 

Chinas Militär im Kampf gegen das Coronavirus

In Tianjin gebe es nach letzten Meldungen 18 Infizierte mit 2019-nCoV, berichtet der Student aus Kassel – bei 14 Millionen Einwohnern. „Da ist die Wahrscheinlichkeit, vom Bus überfahren zu werden, vermutlich höher.“ 

Selbst im Fahrstuhl auf dem Werbebildschirm laufe Propaganda zum Thema Coronavirus , schildert der 25-Jährige. Da werde berichtet, wie Militärjets mit Militärärzten in die am stärksten betroffene Provinz Wuhan flögen. 

Coronavirus: Regierung in China zeigt Handlungsfähigkeit

Auch in den staatlichen Nachrichten werde berichtet, was die Regierung alles zum Schutz der Menschen gegen den Coronavirus (2019-nCoV) unternimmt. „Es wird auf allen Kanälen Handlungsfähigkeit demonstriert.“ Viele Chinesen hätten die SARS-Pandemie vor 17 Jahren, die viele Todesopfer forderte, noch im Hinterkopf, sagt Student S.. „Diesmal versucht man, alles richtig zu machen.“

Coronavirus China

Michael Knüppel aus Vellmar unterrichtet an Uni in China – Semesterbeginn wegen Coronavirus verschoben

Das Semester an der Universität Liaocheng im Nordosten Chinas sollte eigentlich am 17. Februar beginnen. Eigentlich. Ob Michael Knüppel in diesem Semester überhaupt noch unterrichten wird, ist allerdings ungewiss. 

Von der Uni gibt es widersprüchliche Informationen zum Coronavirus. „Es war mal die Rede von 14 Tagen, später von vier Wochen, aber das ist fragwürdig“, berichtet Knüppel, der Anthropologie und Linguistik für die kleinen Völker des Nordens unterrichtet. 

Coronavirus: Flughafen steht unter Quarantäne

Das öffentliche Leben sei wegen des Coronavirus ( 2019-nCoV) zusammengebrochen. Züge, Busse und Taxis fahren nicht. „Meine chinesischen Kollegen berichten von Geisterstädten.“ Der etwa 70 Kilometer entfernt gelegene Flughafen in Jinan stünde unter Quarantäne. „Jeder Passagier wird getestet, das kann bis zu fünf Stunden dauern“, sagt Knüppel. 

Dr. Michael Knüppel unterrichtet in China

In Jinan sei aber Endstation – der Verkehr zwischen den Städten liege lahm. Eine australische Kollegin sei dort gestrandet. „Sie wurde in ein Notquartier gebracht.“ 

Coronavirus: Ausländer werden evakuiert

Während das Auswärtige Amt noch keine allgemeine Reisewarnung herausgegeben hat, würden andere Staaten ihre Staatsbürger wegen des Virus bereits evakuieren. In Liaocheng sei von drei Infizierten die Rede. Die Kleinstadt liegt knapp 800 Kilometer nördlich von Wuhan. Knüppels Kollegen hätten aber von dutzenden Fällen in derProvinz Schandong berichtet. Dort leben etwa 150 Millionen Menschen. 

Propaganda über Coronavirus in den chinesischen Medien

Die Zahl der Infizierten des Coronavirus könnte aber deutlich höher sein. „Es ist nicht auszuschließen, dass die chinesischen Medien nicht das ganze Ausmaß berichten, um eine Massenpanik zu verhindern“, sagt Knüppel. Informationen, die über das Internet verbreitet werden, könnten auch staatliche Propaganda sein. 

Knüppel ist froh, dass er sich zurzeit in Vellmar befindet. „Ich kann nicht abschätzen, in wieweit die Gesundheitsversorgung in China gewährleistet werden kann.“ Die Krankenhäuser dort seien nicht mit den Kliniken in Deutschland vergleichbar. 

Coronavirus: Velmarer bleibt vorerst in Deutschland

Wann Knüppel zurückkehren wird, ist ungewiss. „Auch wenn Liaocheng wieder erreichbar ist, überlege ich mir zweimal, ob ich sofort zurückreise oder noch ein bis zwei Wochen abwarte.“

Coronavirus weltweit - Filialschließungen in China, Flugausfälle, Absagen für Sportereignisse. Nach vier bestätigten Fällen des chinesischen Erregers in Deutschland bereiten sich nun auch Hessen und Niedersachsen vor.

Das Coronavirus sorgt in der Region Kassel für viel Verunsicherung

Viele Großveranstaltungen werden wegen des Coronavirus abgesagt. Auch in Nordhessen ist das Virus angekommen.In Kassel (Hessen) sollen deswegen aber keine Veranstaltungen abgesagt werden. Das Gesundheitsamt Region Kassel spricht sich aktuell (noch) nicht dafür aus, Großveranstaltungen in Stadt und Landkreis abzusagen. 

Unterdessen bereiten sich die Kliniken in Hessen auf den Coronavirus-Ernstfall vor. Das führt zu OP-Absagen.

Die Restaurants in Frankfurt haben trotz Coronavirus noch geöffnet – aber warten fast vergeblich auf Gäste.

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