Eine Schülerin arbeitet mit dem Laptop im Fernunterricht.
+
Selbst leistungsstarke Schüler leiden zunehmend unter den Bedingungen des Fernunterrichts.

„Schüler fangen an zu zappeln“

Monatelang Homeschooling: Um die Motivation der Schüler steht es dramatisch

Einige Schüler waren seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule. In Stuttgart fehlt deshalb jetzt bei vielen der Ansporn fürs Lernen.

Stuttgart - Vor der Pandemie waren viele Schüler vermutlich froh, wenn die ein oder andere Schulstunde ausfiel. Seit Ausbruch des Coronavirus in Baden-Württemberg* gab es jedoch immer längere Phasen von Schulschließungen (BW24* berichtete). Angesichts der sinkenden Motivation im Fernunterricht würden sich viele freuen, endlich wieder an die Schule zurückzukehren und die Klassenkameraden in natura zu sehen.

Eine Umfrage unter Lehrern offenbarte bereits erschreckende Auswirkungen von Schulschließungen auf Kinder.* So bemängelten die Lehrer deutliche Lernrückstände bei den Schülern. Besonders schwächeren Schülern werde der Digital-Unterricht zum Verhängnis, da sie schneller abgehängt würden und ihnen die direkte Ansprache fehle.

Homeschooling: „Keine Motivation, aufzustehen und den ganzen Tag am iPad zu sitzen“

Doch auch der Ansporn der Schüler, etwas zu lernen, geht infolge von Homeschooling offenbar deutlich zurück. „Ich habe nicht so viel Motivation, jeden Tag aufzustehen und den ganzen Tag am iPad zu sitzen“, erklärte eine Schülerin aus der Landeshauptstadt Stuttgart* nun gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Viel Abwechslung gebe es nicht. Auch könne sie ihre Freundinnen nicht sehen, da ihre Großeltern, die zur Risikogruppe gehören, mit ihrer Familie im Haus leben.

Dass der dauerhafte Fernunterricht den Jugendlichen nicht guttut, beobachtet auch Matthias Wasel, geschäftsführender Leiter der Stuttgarter Gymnasien. „Selbst leistungsstarke Schüler fangen an zu zappeln“, sagte er der Stuttgarter Zeitung. Bei vielen Familien gebe es innerfamiliäre Konflikte, weil die Menschen zu eng aufeinander sitzen und Bewegung fehle. Die meisten Schüler der Klassenstufen fünf bis neun sowie die zehnte an G-9-Gymnasien waren zum letzten Mal Mitte Dezember in der Schule.

Homeschooling wegen Coronavirus in Baden-Württemberg: Wohl keine Öffnung vor den Pfingstferien

Aktuell gilt bundesweit immer noch, dass Schulen bei einer Inzidenz über 165 im Fernunterricht* bleiben. Erst, wenn ein Stadt- oder Landkreis diesen Wert an fünf Tagen in Folge unterbietet, wird auf Wechselunterricht umgestellt. Da die Inzidenz in Stuttgart wochenlang oberhalb der 200er-Marke lag, war eine Öffnung hier nicht denkbar. Dieser Zustand führt bei den Schülern offenbar sogar dazu, dass sie sich auf Klassenarbeiten freuen - „weil sie dann wieder in die Schule durften und die anderen gesehen haben“, berichtet der Leiter der Stuttgarter Gymnasien der Stuttgarter Zeitung.

Auch, wenn die Inzidenz in Stuttgart gerade sinkt, gibt es wenig Aussicht auf eine Wiederöffnung der Schulen vor den Pfingstferien. Die Schüler lechzen derweil nach sozialen Kontakten, an Schullandheim oder Studienfahrten ist nicht zu denken. Auch die Eltern machen sich zunehmend Sorgen um ihre Kinder. Immer wieder treiben sie digitale Lernplattformen zur Verzweiflung*.

In Hinblick auf das erschwerte Lernen fordert die Elternschaft in der Landeshauptstadt zunehmend eine Wiederholung des aktuellen Schuljahrs, wie Vertreterinnen des Gesamtelternbeirats (GEB) der städtischen Schulen der Stuttgarter Zeitung berichteten. Ebenso erwarten die Eltern, dass Lernrückstände innerhalb von Programmen der Sommerferien-Nachhilfe aufgeholt werden. *BW24 ist ein Angebot von Ippen.Media.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare