Eine Frau geht auf der Corona-Intensivstation hinter einer Glastür einen Gang entlang.
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Gibt es keine Corona-Neu-Infektionen in Deutschland mehr? Das RKI scheint sich in dieser Hinsicht zu widersprechen.

Aufregung im Netz

Falsche Corona-Zahlen? Verwirrung über RKI-Bericht mit Nulllinie - Verschwörungstheoretiker wittern einen Beweis

Laut eines RKI-Berichts gibt es schon seit Wochen keine Corona-Infektionen in Deutschland mehr. Verschwörungstheoretiker sehen darin den Beweis für die Corona-Lüge.

  • Ein Bericht einer RKI-Arbeitsgruppe sorgt derzeit für Wirbel.
  • Angeblich gibt es schon seit Wochen keine Corona*-Neu-Infektionen mehr.
  • In den sozialen Medien gilt das als Beweis, dass das RKI seine Daten fälscht.

Berlin - Seit Wochen soll es in Deutschland keine neuen Corona-Fälle mehr geben. Alles nur Lüge heißt es in vielen Social-Media-Gruppen von Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern. Grund für die Aufregung ist ein Bericht einer Arbeitsgruppe des Robert-Koch-Instituts (RKI). Dort wird bereits seit Wochen keine Neu-Infektion aufgeführt - in einer Grafik als Nulllinie dargestellt. Doch was steckt dahinter?

RKI-Bericht widerspricht den steigenden Zahlen die das Institut täglich meldet

In einem Bericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza am RKI kann man in einer Grafik sehen, dass seit der 31. Kalenderwoche - also Mitte Juli - keine Infektion mit SARS-CoV-2* festgestellt wurde. Weiter heißt es dort im Text, dass seit der 16. Kalenderwoche - seit Mitte April also - keine Covid-19-Erkrankung berichtet wurde, so Tagesschau.de. Wie kann es also sein, dass das gleiche Institut im gleichen Zeitraum einen Anstieg der Infektionszahlen verkündet hat und Deutschland sich quasi mitten in der zweiten Welle* befindet?

Die Begründung ist ganz einfach. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza bezieht ihre Daten von etwa 100 Praxen. Diese nehmen an einem Forschungsprogramm zur Überwachung akuter Atemwegserkrankungen teil. Diese sogenannten Sentinelpraxen melden ihre Zahlen nur einmal pro Woche und bekommen dadurch Zugang zu Auswertungen des RKI. Sie melden neue Fälle von Covid-19-Infektionen* also nur nebenbei.

RKI-Bericht ist nicht repräsentativ und bildet dadurch nicht das deutsche Infektionsgeschehen ab

Bei den Daten handelt es sich also um nicht-repräsentative Stichproben. Die gemeldeten Zahlen sind auch extrem klein. Im Zeitraum von Kalenderwoche 31 bis 36 wurden gerade einmal 32 Diagnosen eingesandt. Nur etwa die Hälfte davon war positiv. Doch nicht positiv auf Corona, sondern auf Rhinoviren. Die sind verantwortlich für Schnupfen und Erkältungen. Darauf wies auch das RKI hin. Der Bericht zeige kein wirkliches Bild der aktuellen Virenlage in Deutschland. Entscheidend seien lediglich die Zahlen, die von den Gesundheitsämtern gemeldet werden. Für viele Corona-Leugner dennoch der Beweis, dass die Zahlen des RKI gefälscht sind. (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Wie gefährlich ist Covid-19 für junge Menschen? Nun gibt es neue Erkenntnisse. Indes fordert der Virologe Hendrik Streeck einen Strategiewechsel hinsichtlich der Corona-Pandemie. Zwei US-Forschungsteams fanden nun in Studien heraus, dass die derzeitigen Epidemien in Europa und Nordamerika erst im zweiten Anlauf ausgelöst wurden.

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