Infektionslage spitzt sich zu

Corona-Hotspot Berlin-Neukölln: Bezirk im „absoluten Krisenmodus“ - Vorbote für das ganze Land?

Der Berliner Bezirk Neukölln ist Deutschlands Corona-Hotspot. Unklar ist weiterhin, wo sich ein Großteil der Infizierten mit dem Coronavirus angesteckt haben.

  • Die Infektionslage im Berliner Berzirk Neukölln spitzt sich weiterhin zu.
  • Mittlerweile liegt die 7-Tages-Inzidenz* für Neukölln bei 173,1.
  • Der Neuköllner Amtsarzt warnt, dass vielen deutschen Metropolen ein ähnliches Schicksal droht.
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Berlin - Nach dem österreichischen Ischgl und dem Kreis Heinsberg in NRW gilt nun der Berliner Stadtbezirk Neukölln als neuer Hotspot. In den letzten sieben Tagen wurden in dem Bezirk 571 Neuinfektionen mit dem Coronavirus* registriert. Das entspricht einer 7-Tages-Inzidenz von 173,1 - mehr als das Dreifache des bei 50 liegenden Schwellwerts.

Coronavirus: Hotspot Berlin-Neukölln als Vorbote für ganz Deutschland?

Ein Infektionsgeschehen* wie in dem Berliner Bezirk könnt es bald auch in der gerammten Bundesrepublik geben. So sagte auch Nicolai Savaska, der Amtsarzt von Berlin-Neukölln, gegenüber dem Tagesspiegel: „Was wir jetzt schon in Neukölln erleben, sind nur die Vorboten von dem, was wir wahrscheinlich in allen Metropolen des Landes erleben werden.“ Neukölln würde also als Sensor für das gesamte Land angesehen werden.

Problematisch in Neukölln ist vor allem die Tatsache, dass man viele Neuinfektionen nicht eindeutig einer Infektionsquelle zuordnen lassen könne. Lediglich Zehn Prozent der Fälle könnten bekannten Ausbrüchen zugeordnet werden. Das gab die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) bekannt. Die 53-Jährige begründete die große Ungewissheit über die Infektionsquellen unter anderem auch mit der fehlenden Kooperationsbereitschaft vieler Bürger bei der Identifikation von Infektionsketten.

Dilek Kalayci verteidigt die Corona-Maßnahmen in Berlin.

Berlin-Neukölln: Gesundheitssenatorin mit deutlichen Worte - „das ist ein echtes Problem“

So wurde nach Ausbrüchen auf Hochzeitsfeiern beobachtet, dass manche Betroffenen sich weigerten, ihre Kontakte offenzulegen. „Das ist ein echtes Problem“, gibt Kalayci gegenüber t-online zu. Dadurch haben die Gesundheitsämter kaum Möglichkeiten, bestehende Infektionsketten* zu erkennen und zu unterbrechen. „Es entsteht dann ein offenes Infektionsrisiko, weil diese Menschen wieder andere anstecken und man die Verbindung zur Feier nicht nachvollziehen kann“, erklärt die Gesundheitssenatorin.

Auch der Gesundheitsstadtrat von Berlin-Neukölln Falko Liecke (CDU) schaut besorgt auf die Infektionslage in seinem Bezirk. Als „plötzliche Amnesie“ bezeichnete der CDU-Politiker mangelnde Kooperationsbereitschaft mancher Mitbürger. Als Gründe dafür nannte Liecke Angst vor einem Bußgeld oder der drohenden Quarantäne.

Cornona-Hotspot Berlin-Neuköln: Bezirk im „absoluten Krisenmodus“

Neukölln befinde sich im „absoluten Krisenmodus“ und brauche mehr und mehr Personal für die Bekämpfung der Pandemie, führt Liecke weiter aus. „Daran, dass wir das wieder einfangen können wie Mitte des Jahres, glaube ich nicht mehr“, gesteht der 47-Jährige ein und will den Fokus nun vermehrt auf den Schutz von Risikogruppen legen.

Eine für die gesamte Hauptstadt geltende Gastronomie-Sperrstunde wurde nach mehreren Eilanträgen durch Gastronomen vom zuständigen Verwaltungsgericht vorerst wieder gekippt. Wirte dürfen nun weiterhin auch nach 23 Uhr Gäste empfangen. Der Ausschank von Alkohol nach 23 Uhr bleibt jedoch untersagt. (fd) *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare