Schlachthof-Skandale

Nach Tönnies und Wiesenhof: Weiterer Schlachthof meldet Corona-Ausbruch - drastische Maßnahmen folgen

Nach dem Corona-Skandal bei Tönnies kam es nun auch in der Wiesenhof-Gruppe zu einem Infektionsausbruch. Und er könnte sich noch ausweiten.

Update vom 26. Juni, 19.24 Uhr: Nicht nur Tönnies und Wiesenhof sorgen momentan für Aufsehen. Nach den Reihentests in einem Putenschlachthof in Wildeshausen im niedersächsischen Kreis Oldenburg ist für alle rund 1100 Mitarbeiter sowie deren Kontaktpersonen eine Quarantäne von zwei Wochen angeordnet worden. Das teilte der Landkreis am Freitag mit. „Die primäre Aufgabe ist es, die Bevölkerung vor weiteren Infektionen zu schützen“, sagte Landrat Carsten Harings.

Insgesamt gibt es in dem Schlachtbetrieb bei 1183 vorliegenden Testergebnissen 46 positive Fälle einer Covid-19-Infektion. Der Schlachthof Geestland Putenspezialitäten in Wildeshausen fährt nun schrittweise den Betrieb herunter, er wird für zwei Wochen geschlossen.

Auch wenn der Corona-Ausbruch damit viel kleiner ist als in Fleischbetrieben der Firma Tönnies in Nordrhein-Westfalen, wirkt er sich doch auf die Region Oldenburger Land aus. In Cloppenburg erkrankten nach Angaben des Landkreises ein Mann, der bei Geestland arbeitet, seine Frau und zwei Kinder im Schüleralter (siehe Update vom 25. Juni, 17.41 Uhr).

Nach den Vorfällen in den Schlachtbetrieben droht nun auch vielen Tieren die Notschlachtung, wie hamburg24.de* berichtet.

Corona-Ausbruch bei Wiesenhof: Kinder von Mitarbeitern erkrankt

Update vom 25. Juni, 17.41 Uhr: Der Corona-Ausbruch dem Geflügelschlachtbetrieb Geestland in Wildeshausen im Landkreis Oldenburg weitet sich auf Personen im Umkreis der Angestellten aus. In Cloppenburg erkrankten zwei Schüler, deren Vater in dem betroffenen Betrieb arbeitet, berichtet NDR.de. Auch deren Mutter soll mit dem Virus infiziert sein.

Die beiden Schüler gehen demnach im Landkreis Cloppenburg zur Schule, habe ein Sprecher des Landkreises bestätigt. 

Nach Angaben von Wiesenhof liegen alle Testergebnisse der Mitarbeiter vor. Von 1.115 Wiesenhof-Beschäftigten des Betriebs Geestland seien 45 positiv auf das Coronavirus getestet worden. Darunter würden sich fünf Festangestellte und 40 Werkvertrags-Beschäftigte befinden.

Coronavirus-Hotspots Schlachthöfe - Zahl der infizierten Mitarbeiter steigt

Update vom 25. Juni, 9.45 Uhr: Nach dem Coronavirus-Ausbruch bei Wiesenhof in Oldenburg wurden bereits am Dienstag 23 von 50 Mitarbeitern positiv auf das Virus getestet. Wie nun die Kreiszeitung* berichtet, soll sich die Zahl der infizierten Mitarbeiter am Mittwoch auf 35 erhöht haben. 341 Mitarbeiter wurden bis Mittwoch bereits getestet, rund 1.100 Mitarbeiter des Fleischkonzerns werden insgesamt getestet. Das Testergebnis der über 750 noch ausstehenden Mitarbeiter ist noch nicht bekannt. 

Wiesenhof: Corona-Infektionen in Schlachthof bei Oldenburg.

Das Coronavirus breitete sich zu Beginn der Pandemie in Ischgl aus, nun überrascht eine Antikörper-Studie aus Österreich.

Corona in Schlachthöfen: Nach Tönnies und Wiesenhof - weiterer Fleischbetrieb meldet Virus-Ausbruch 

Update vom 24. Juni, 17.09 Uhr: Ein weiterer Schlachthof reiht sich in die Riege der Corona-Infektionsherde ein: Wie der NDR berichtet, haben sich in der Gemeinde Essen im Landkreis Cloppenburg in Niedersachsen vier Mitarbeiter angesteckt. Nun würden ihre 350 Kollegen ebenfalls auf Sars-Cov-2* getestet. Es ist nach Wiesenhof der zweite in Niedersachsen von Corona betroffene Schlachtbetrieb.

Corona-Ausbruch in Wiesenhof-Anlage: Ausmaß könnte noch viel schlimmer sein

Update vom 24. Juni, 12.48 Uhr: Wie ein Sprecher des vom Corona-Ausbruch bei Wiesenhof betroffenen Landkreises Oldenburg mitteilte, soll an diesem Mittwoch der Komplett-Test der gesamten Belegschaft an dem Schlachthof Geestland in Wildeshausen beginnen. Die Proben würden von einem privaten Labor entnommen, jedoch „unter enger Aufsicht des Gesundheitsamtes durchgeführt“. Mehr als 1100 Beschäftigte sollen auf Corona getestet werden.

„Es muss jetzt sehr schnell gehen“, sagte der Sprecher laut einem Bericht von kreiszeitung.de*. Im Laufe des Tages werden außerdem weitere die Ergebnisse weiterer Tests vom Dienstag erwartet. Hierbei gehe es um etwa 150 direkte Kontaktpersonen der zu Beginn der Woche ermittelten infizierten Mitarbeiter. Die unmittelbaren Kontaktpersonen und Arbeitskollegen der infizierten Mitarbeiter stellte der Landkreis Oldenburg bereits unter Quarantäne*.

Corona-Ausbruch bei Wiesenhof: Niedersachsen kontrolliert großflächig Fleischbetriebe

Update vom 23. Juni, 19.18 Uhr: Die Reihentestung am Montag bei Wiesenhof war laut Welt vermutlich die Folge eines positiven Tests einer Mitarbeiterin, die über entsprechende Symptome geklagt hatte. Durch diesen Fall habe die Kreisverwaltung Hinweise auf die Infektionen bekommen. Als infiziert gilt nach den Tests auch eine Person aus Wildeshausen, die zwar nicht im Schlachthof arbeitet, aber Kontakt zu der bereits genannten Mitarbeiterin habe. Kontaktpersonen erstes Grades und Arbeitskollegen der Betroffenen wurden in sofortige Quarantäne geschickt.

Derweil hat Niedersachsen nach dem massiven Corona-Ausbruch beim westfälischen Schlachtbetrieb Tönnies alle mit dem Unternehmen in Verbindung stehenden Fleischbetriebe in dem Bundesland kontrolliert. Hinweise auf Verstöße gegen das niedersächsische Verbot, Personal unter den Schlachtbetrieben auszutauschen, hätten sich nicht bestätigt, sagte die stellvertretende Leiterin des Krisenstabs der Landesregierung, Claudia Schröder, in Hannover. Alle Mitarbeiter seien bereits länger im jeweiligen Betrieb im Einsatz. Auch sei die Wohnsituation der Werkvertragsarbeiter nicht so beengt wie im Kreis Gütersloh. Dies hätten Kontrollen der Wohnungen ergeben.

Nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies ist nun auch Wiesenhof betroffen. Es werden in beiden betroffenen Landkreisen Maßnahmen zur Viruseindämmung erfolgen.

Corona-Ausbruch bei Wiesenhof: Fast jeder zweite der getesteten Mitarbeiter mit positivem Ergebnis

Erstmeldung vom 23. Juni, 15.08 Uhr:

Wildeshausen - Nach dem Corona-Skandal beim Fleischfabrikanten Tönnies wurde am Dienstagnachmittag der nächste Infektions-Ausbruch in einem Schlachthof bekannt: Mehrere Mitarbeiter eines Schlachthofs der PHW-Gruppe („Wiesenhof“) im niedersächsischen Wildeshausen sind positiv auf Corona* getestet worden. Einem Landkreissprecher zufolge sei eine am Montag erfolgte Reihentestung bei 23 von 50 Mitarbeitern positiv verlaufen. Die PHW-Gruppe teilte mit, das nun alle mehr als 1100 Mitarbeiter des Schlachthofes auf eine Corona-Infektion getestet werden sollen. PHW hält eine Mehrheitsbeteiligung an dem Schlachthof Geestland Putenspezialitäten.

Corona-Ausbruch bei Wiesenhof: Landkreis Wildeshausen kündigt Maßnahmen an

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die Ursachen aufzuarbeiten, sollen nun zusammen mit dem Unternehmen Maßnahmen ergriffen werden, sagte Landrat Carsten Harings (parteilos). Bereits Anfang Juni waren Mitarbeiter großflächig getestet worden, dabei wurde ein Infektionsfall entdeckt, berichtete unter anderem auch kreiszeitung.de*. Von den aktuell 23 Infizierten waren dem Landkreis zufolge zuvor 22 negativ getestet worden. Ein neuer Mitarbeiter sei bei den Tests Anfang Juni noch nicht dabei gewesen. Zur Unterstützung bei der weiteren Kontaktermittlung forderte die Kreisverwaltung beim Niedersächsischen Landesgesundheitsamt zusätzliche Containment-Scouts an.

Nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies ist nun auch Wiesenhof betroffen. Es werden in beiden betroffenen Landkreisen Maßnahmen zur Viruseindämmung erfolgen.

Welche Dimensionen ein lokaler Corona-Ausbruch annehmen kann, zeigt derzeit der Corona-Ausbruch in einer Tönnies-Fabrik im Landkreis Gütersloh. Wie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet am Dienstag in einer Pressekonferenz verkündete, wird im betroffenen Landkreis und auch im Nachbarlandkreis Warendorf nun ein erneuter Lockdown angeordnet - mit Kontaktbeschränkungen wie zuletzt im März dieses Jahres. 

Corona-Ausbruch bei Wiesenhof - RKI-Chef Wieler erläutert Probleme in Schlachthöfen

Auch der Leiter des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, gab am Dienstagvormittag ein Statement zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland ab. Dabei betonte er mehrfach, dass das Infektionsgeschehen und insbesondere die zuletzt auffallend hohe Reproduktionszahl vor allem durch lokale Corona-Ausbrüche wie beispielsweise in Gütersloh aber auch in Magdeburg, Göttingen und Neukölln beeinflusst seien. Der R-Wert* schwankte zuletzt zwischen 2 und 3, das Ziel ist jedoch, ihn unter der kritischen Marke von 1 zu halten. 

Explizit ging Wieler auch auf die Infektionsgeschehen in Schlachthöfen ein. „Wir wissen noch nicht genau, was eine Rolle spielt“, räumte RKI-Chef Wieler im Hinblick auf Faktoren für die Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen. Das liege an dem jeweiligen Schlachtbetrieb und den Wohnsituationen der Mitarbeiter. „Wenn man beengt wohnt, ist das generell ein Faktor, der die Virusübertragung erleichtert“, erklärt der Experte. In Schlachthöfen könne auch die Temperatur eine Rolle spielen, da Fleisch in Schlachthöfen ja kühl gelagert werden müsse.

Coronavirus-Ausbruch bei Wiesenhof: Kurz zuvor warnte Wieler vor Ausweitung des lokalen Infektionsgeschehens

Außerdem seien Aerosole* ein Faktor, da es an Schlachthöfen zur Verbreitung von Aerosolen kommen könne. Weiter komme es auch darauf an, wie nah die Mitarbeiter in den Schlachthöfen beim Arbeiten beieinander stehen würden. „Die derzeitigen Ausbruchsgeschehen, beispielsweise in Fleischfabriken*, können über Kontakte auch leicht in die Bevölkerung übertragen* werden“, mahnte Wieler im Zuge der Pressekonferenz. Daher müssen nun auch die Einwohner des Landkreises Wildeshausen äußerst vorsichtig sein. (dpa,cia)

In seinem Podcast warnt Christian Drosten auch im Zuge solcher Ausbrüche wie in den Fleischbetrieben vor einer baldigen Verschärfung der Lage in Deutschland. Und auch US-Forscher haben besorgniserregende Nachrichten: Vorläufigen Studienergebnissen zufolge haben sie eine Coronavirus-Mutation entdeckt, die das Virus noch infektiöser machen könnte. Die mutierte Form des Virus ist bereits in Europa angekommen - doch die österreichische Regierung ist davon offenbar unbeeindruckt. Kanzler Sebastian Kurz verkündete nun weitere Lockerungen.  

Ein polnischer Fleischzerleger beschreibt seinen Knochenjob bei dem Fleischfabrikanten Tönnies - die Details sind erschütternd.

*Merkur.de und Kreiszeitung.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Sina Schuldt

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