1. Costa Nachrichten
  2. Panorama

Eskalation in El Salvador: Armee riegelt Großstadt ab

Erstellt:

Kommentare

El Salvador kämpft gegen Bandenkriminalität: 10.000 Soldaten und Polizisten haben die Großstadt Soyapango umstellt.
El Salvador kämpft gegen Bandenkriminalität: 10.000 Soldaten und Polizisten haben die Großstadt Soyapango umstellt. © MARVIN RECINOS/afp

Zehntausende Soldaten und Polizisten sind im Einsatz. Eine gigantische Aktion soll für Sicherheit in El Salvador sorgen.

San Salvador – Schwerbewaffnete Einheiten und Militärfahrzeuge rücken bei Dunkelheit aus. Sie patrouillieren durch die Straßen, wie auf Videos und Fotos in den sozialen Netzwerken zu sehen ist. Nach einer Welle von Gewalt befindet sich El Salvador (6,5 Millionen Einwohner) in einem Ausnahmezustand.

El Salvador: 10.000 Soldaten und Polizisten umzingeln Stadt

Im Kampf gegen die Bandenkriminalität im Land haben rund 10.000 Soldaten und Polizisten die Großstadt Soyapango nahe der Hauptstadt San Salvador umstellt. Die Stadt sei „vollständig umzingelt“, gab Präsident Nayib Bukele am Samstag auf Twitter bekannt. Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, fahndeten mit Sturmgewehren bewaffnete Soldaten und Polizisten in der Stadt nach Bandenmitgliedern. Militärfahrzeuge und Polizeiautos fuhren durch die Straßen, auch Drohnen waren im Einsatz.

„Die einfachen Bürger haben nichts zu befürchten und können ihr Leben normal fortführen“, schrieb der populistische Staatschef auf Twitter. „Das ist ein Einsatz gegen Kriminelle, nicht gegen ehrliche Bürger.“

El Salvador: Jugendgangs kontrollieren ganze Stadtviertel

Bukele hatte Ende März den Ausnahmezustand verhängt, nachdem in dem zentralamerikanischen Land binnen drei Tagen 87 Menschen ermordet worden waren. Im November kündigte er an, künftig ganze Städte abriegeln zu lassen, damit Soldaten und Polizisten von Haus zu Haus gehen und nach Bandenmitgliedern suchen können. Soyapango war nun die erste Stadt, in der ein solcher Großeinsatz stattfand.

Jugendgangs – die sogenannten Maras – kontrollieren in El Salvador ganze Stadtviertel und sind in Schutzgelderpressung und Drogenhandel verwickelt. Die Gewalt zwischen verfeindeten Banden und gegen die Bevölkerung machte El Salvador vor einigen Jahren zu einem der gefährlichsten Länder der Welt.

El Salvador: Eine Polizeistreife patrouilliert durch die Straßen von Soyapango.
El Salvador: Eine Polizeistreife patrouilliert durch die Straßen von Soyapango. © MARVIN RECINOS/afp

El Salvador Ausnahmezustand bis Dezember verlängert

Soyapango ist eine der größten Städte in El Salvador und gilt wegen der Bandenkriminalität schon seit langem als unsicher. Vor einigen Monaten begannen die Behörden damit, die Graffiti zu entfernen, mit denen die Banden ihre Gebiete markieren. Laut Bürgermeister Nercy Montano wurde mit den bisherigen Maßnahmen schon „eine enorme Verbesserung“ der Sicherheitslage erreicht.

Seit der Verhängung des Ausnahmezustands wurden in El Salvador bereits mehr als 58.000 mutmaßliche Bandenmitglieder festgenommen. Das Parlament hat den Ausnahmezustand schon mehrfach verlängert, zuletzt bis Mitte Dezember. Menschenrechtsorganisationen kritisieren den Ausnahmezustand, der unter anderem Inhaftierungen ohne Richterbeschluss ermöglicht, als drastische Einschränkung von Grundrechten. (AFP, dpa)

Auch interessant

Kommentare