Gen Z zeigt mit „Quiet Vacationing“ ein Arbeitswelt-Problem auf
Junge Menschen machen inkognito Urlaub und werden dafür kritisiert. Eine Generationenberaterin kontert: „Es ist egal, wenn ich drei Stunden am Pool liege.“
Die Generation Z steht wegen eines TikTok-Trends in der Kritik: Die jungen Menschen bewegen ihre Maus hin und her, damit der Arbeitgeber denkt, dass sie arbeiten. Derweil sonnen sie sich am Strand. Und das, obwohl sie für „Quiet Vacationing“ sogar gekündigt werden können.
Es entsteht der Eindruck, dass die junge Generation nur entspannen will, statt zu arbeiten. „Hier wird die Gen Z mal wieder in ein schlechtes Licht gerückt“, sagt Irène Kulibi BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Als Generationenberaterin hilft sie Unternehmen, zwischen der jüngeren und älteren Generation zu vermitteln.
Quiet Vacationing hat nichts mit Arbeitsverweigerung zu tun
Kulibi hat Verständnis für alle, die angeblich heimlich Urlaub machen. Statt sich aufzuregen, sollten Kritiker ihrer Meinung nach fragen: Warum ergreifen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überhaupt solche Maßnahmen? „Manchmal haben Menschen einfach spontan Lust, Urlaub zu nehmen. Wenn sie angestellt sind, ist das aber oft nicht möglich.“ Zum Beispiel müssen sie Urlaub lange im Voraus anmelden. Oder der Arbeitgeber genehmigt freie Tage nur ungern. Gleichzeitig leisten die Betroffenen womöglich Überstunden, die sie nicht ausgleichen dürfen.
Unter diesen Umständen sei heimlicher Urlaub keine Arbeitsverweigerung. Laut Kulibi zeige das Verhalten von Fake-Urlaubern eher, dass sie unzufrieden mit der Unternehmenskultur sind. „‚Quiet Vacationing‘ ist der Drang nach mehr Flexibilität. Und dem Bedürfnis: Arbeit muss wieder Spaß machen“, sagt Kulibi.
Es ist egal, ob ich drei Stunden am Pool liege, solange ich meine Arbeit verrichte. Ein fortschrittlicher Arbeitgeber bezahlt nicht nach Anwesenheit, sondern nach Leistung.

Remote-Arbeit aus dem Ausland ist oft nur begrenzt möglich
Trotz positiver Erfahrungen mit Remote-Arbeit in der Pandemie holen viele Unternehmen ihre Mitarbeiter zurück ins Büro. Eine Recherche des Magazins Insider zeigte, dass bei Amazon Angestellte entlassen werden können, wenn sie nicht drei Tage in der Woche ins Büro kommen. Aus dem Ausland arbeiten, erlauben Arbeitgeber in der Regel nur für wenige Wochen – wenn überhaupt.
Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind mit der Entwicklung unzufrieden. Auch Kulibi fordert von Unternehmen ein Umdenken. „Es ist egal, ob ich drei Stunden am Pool liege, solange ich meine Arbeit verrichte. Ein fortschrittlicher Arbeitgeber bezahlt nicht nach Anwesenheit, sondern nach Leistung.“
Dies ist ein Artikel von BuzzFeed News Deutschland. Wir sind ein Teil des IPPEN.MEDIA-Netzwerkes. Hier gibt es alle Beiträge von BuzzFeed News Deutschand.
Generationenberaterin sieht „Wertewandel in der Arbeitswelt“ – nicht nur bei der Gen Z
Der Vorwurf, dass die Gen Z keinen Bock auf Arbeit habe, gibt es nicht erst seit „Quiet Vacationing“. Mit den Worten „Arbeit ist kein Ponyhof“ richtete sich Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, an junge Menschen. Die junge Generation anzugreifen, hält Kulibi für ungerechtfertigt. „Wir durchlaufen in der Arbeitswelt einen Wertewandel, der nicht nur mit der Gen Z zu tun hat“, sagt sie. 4-Tage-Woche, mehr Urlaubstage und Work-Life-Balance: Das sind Forderungen, die auch Über-28-Jährige stellen.
Sie selbst sei einmal während der Arbeit einkaufen gegangen, ohne ihrem früheren Arbeitgeber Bescheid zu geben. Zu einer anderen Zeit habe sie die Stunden nachgearbeitet. Ein Kollege hätte sie fotografieren und das Foto an ihren Vorgesetzten schicken können. „Ein Foto ist eine Momentaufnahme und beweist gar nichts. Entspannt euch doch mal“, sagt Kulibi und klingt dabei strenger, als sie es meint.